Künftig könnte auch für Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere ein Covid-19-Impfstoff zur Verfügung stehen. Die derzeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Vakzine bergen gerade für diese Bevölkerungsgruppen aufgrund möglicher Nebenwirkungen gewisse Risiken. Bei ihnen werden mit unterschiedlichen Techniken aktive Coronavirenteile in den Körper eingebracht, um das Immunsystem zur Abwehr der Erreger zu animieren. Vakzine mit inaktivierten Viren - sogenannte Totimpfstoffe - sind, wie sich in der Vergangenheit auch schon bei der Polio-Impfung gezeigt hat, verträglicher. Das auch in Wien ansässige Biotechunternehmen Valneva entwickelt derzeit ein solches Serum.

Mit "VLA2001" geht der französische-österreichische Pharmakonzern also einen Sonderweg. Dass man mit dem klassischen Ansatz nicht bei den ersten Zulassungen dabei sein wird, sei "bewusst gewählt" gewesen, betont Valneva Austria-Chef Thomas Lingelbach in einem Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Er sieht trotzdem ein längerfristiges Potenzial.

Bei inaktivierten Impfstoffen wird der Körper mit unschädlich gemachten Viren konfrontiert. Dadurch setzt sich das körpereigene Abwehrsystem mit dem gesamten Erreger auseinander und entwickelt die notwendige schützende Immunantwort. Dieser Ansatz ist seit vielen Jahrzehnten erprobt, daher könne man eine hohe Sicherheit garantieren.

Längere Immunisierung

Man habe sich nach Pandemie-Beginn im März dezidiert dazu entschlossen, einen anderen Ansatz zu wählen, so Lingelbach. Unter den mehr als 150 Impfstoffprojekten weltweit ist dies in der EU und den USA das einzige Projekt, in dem das Virus als Ganzes im inaktivierten Zustand verabreicht wird. "Wir wussten von Beginn an, dass wir mit diesem Ansatz später dran sind, weil er in der Entwicklung länger dauert", auch das Aufsetzen der großflächigen Produktion dauere länger als bei manchen nun bereits vor der Tür stehenden Impfstoffen mit neuartigen Ansätzen.

Valneva erwartet eine länger anhaltende Immunisierung als bei den demnächst verfügbaren Seren - nämlich fünf bis zehn Jahre. Als potenzielle Empfänger der Vakzine sieht man in Österreich bis zu 20 Prozent der Bevölkerung.

Eine erste klinische Studie (Phase I-II) mit 150 gesunden Erwachsenen startet demnächst in Großbritannien. Im April 2021 sollten erste Ergebnisse da sein, dann startet eine große Phase II-III-Studie mit über 3.000 Teilnehmern. Eine Zulassung könnte im zweiten Halbjahr 2021 erfolgen.

Da der Impfstoff voraussichtlich eine lange Haltbarkeit haben wird und eine Standard-Kühlkettenlagerung bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius genügt, eigne er sich für längerfristig angesetzte Programme, betont Lingelbach. Mit der EU-Kommission werden bereits Gespräche für Abkommen zur Lieferung in Richtung Ende 2021 bzw. Anfang 2022 geführt.