Viele ältere Wienerinnen und Wiener, aber auch Bewohner anderer Bundesländer fühlen sich beim Thema Covid-19-Impfungen derzeit noch zu wenig informiert: Wie und wo genau erfahren sie, wann sie geimpft werden? Wie funktioniert die Priorisierung?

Die Antwort seitens der Stadt Wien ist eine bündige: "Registrieren sie sich ab Montag um 10 Uhr entweder auf www.impfservice.wien oder telefonisch unter der Telefonnummer 1450. Sie werden dann kontaktiert und können sich für einen konkreten Termin anmelden. Es gilt kein First-Come-Prinzip - es ist eine Vorregistrierung, keine Anmeldung."

Serverkapazitäten wurden in Wien ausgeweitet

Die Wartezeiten bei 1450 seien im Vergleich zum Frühjahr überschaubar und dementsprechend zumutbar - das Personal wurde verdoppelt. Und Ausfälle wie in Oberösterreich am Freitag - der enorme Andrang bei der Online-Anmeldung für die Corona-Impfungen für über 80-Jährige hat zu einer Überlastung der Website geführt - seien in Wien unwahrscheinlich, weil System- und Serverkapazitäten entsprechend ausgeweitet wurden. Und man gehe davon aus, dass bei der Voranmeldung 40 Prozent die telefonische Variante wählen - je älter die Person, umso eher.

Und wie wird überprüft, ob jemand tatsächlich zur Risikogruppe gehört? "Im Zuge des Anmeldeverfahrens überprüft die Wiener Gesundheitsbehörde entsprechende Atteste", heißt es.

Konkret ist der Wiener Impfplan in vier Phasen unterteilt:

Phase I: Primäre Zielgruppe (Hochrisikogruppe) - dazu gehören Alten- und Pflegeeinrichtungen (Personal und BewohnerInnen, Mobile Pflege, Pflegebedürftige in Heimpflege, Gesundheitspersonal in Krankenanstalten, Ärztinnen und Ärzte im niedergelassenen Bereich, Rettungsdienste und ältere Personen ab 80 Jahren.

Phase II: Erweiterte Risikogruppe dazu gehören - Risikogruppen, Betreuungseinrichtung (Obdachlosen-, Behinderteneinrichtungen, etc.), ältere Personen ab 70 Jahren, Polizei, Apotheken, körpernahe Gesundheitsdienstanbieter, enge Kontakte von Schwangeren.

Phase III: Allgemeine Risikogruppe / Betriebe - dazu gehören kritische Infrastruktur wie Bildungspersonal / inklusive Kindergärten, Schlüsselpersonal der Regierung, internationale Organisationen, ältere Menschen ab 60, Personen in körpernahen Arbeitsverhältnissen (Leiharbeit, Fleischerei, etc.), Einzelhandel/Gastronomie/Tourismus, nicht-medizinische körpernahe Berufe, berufliche Grenzpendler (Pilot, Stewardess, etc.), Kulturschaffende, Spitzensport, sowie Studierende und Lernende.

Phase IV: Die restliche Bevölkerung - dazu gehören alle Personen, die älter als 16 Jahre alt sind.

Über 80-Jährige kommen Mitte Februar dran

Ältere Menschen über 80 Jahre können laut Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker in Wien generell Mitte Februar geimpft werden. Um dies zu ermöglichen, werden schrittweise sieben Impfstraßen der Stadt Wien analog zur Grippeimpfung eingerichtet. Auch hier ist eine Vormerkung ab 18. Jänner nötig und ab 1. Februar eine Anmeldung möglich. Zudem werden auch Impfstraßen in Krankenanstalten und in Tageszentren ab Mitte bzw. Ende Februar eingerichtet.

Dass die Zweitimpfungen nicht garantiert sind, weil jede verfügbare Dosis sofort verimpft wird, stimme nicht, betont man seitens der Stadt. Die verfügbare Menge an Vakzinen werde in den Berechnungen immer durch zwei geteilt. Und wenn in Pflegeheimen einmal eine Dosis übrig bleibt - wie das immer wieder der Fall ist -, habe das medizinische Personal die Anordnung, auch hier abgestuft nach den vorher genannten Priorisierungen vorzugehen.

Zu den Hochrisikogruppen zählen mit Trisomie 21, Diabetes Mellitus Typ 1 und Typ 2, chronischen Herzerkrankungen, Dialysepatienten und Personen mit Immunschwäche. Zu den "normalen" Risikopatienten zählen etwa Personen mit Asthma, Adipositas und Krebserkrankungen.

Die erste Impf-Großaktion in Wien ist bereits Freitagfrüh in der Halle D der Messe angelaufen. In diesem bis einschließlich bis Montag andauernden Marathon werden 11.000 Menschen immunisiert. Der Großteil davon - nämlich 8.500 - ist für niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie deren Ordinationspersonal reserviert. Neben dem nun in die Messe geladenen Personenkreis sind laut Hacker in den Wiener Alten- und Pflegeheimen mehr als 8.000 Bewohner und Mitarbeiter und in den Krankenhäusern mehr als 4.000 Menschen mit der ersten Dosis versorgt worden.

Wien will bis Ende des ersten Quartals jedenfalls rund 130.000 Menschen geimpft haben. Diese Berechnungen basieren auf den jetzt fix zugesagten Kapazitäten des Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Mit Massenimpfungen für die Gesamtbevölkerung rechnet die Stadt aber keinesfalls vor dem zweiten Quartal.

97.689 über 80-Jährige in Niederösterreich

In Niederösterreich leben insgesamt 97.689 Menschen, die über 80 Jahre alt sind. Wie viele sich davon gegen Covid-19 impfen lassen wollen ist unklar. Die für Pflege zuständige Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) ortet eine steigende Impfbereitschaft. "Sie wird mit jedem Stich größer", sagt sie. Impfstoffe für alle über 80-Jährigen gibt es freilich noch nicht. Bis Ende der Woche will das Bundesland 26.000 Menschen geimpft haben. Alle impfwilligen Menschen in Pflege- und Altenwohnheimen sollen bis Sonntag zumindest den ersten Teil Immunisierung erhalten haben. Gegen Ende Jänner können sich auch über 80-Jährige, die in ihren eigenen vier Wänden leben, impfen lassen. Jedenfalls ein Teil davon. Denn die Impfdosen sind knapp. Nächste Woche erwartet das Bundesland lediglich 10.000 Dosen. "Alle werden für die zweite Immunisierung bereits geimpfter Menschen verwendet werden", sagt Stefan Hofstetter, Büroleiter von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). "Logistisch hätten wir die Möglichkeit mehr Menschen zu impfen. Es hapert an den fehlenden Impfstoffen."

Wer wann zum Zug kommt, ist dabei nur grob skizziert. Bei den Menschen über 80 gibt es laut Hofstetter keine konkrete Priorisierung. "Da wir keinen Zugriff auf die Gesundheitsdaten der Menschen haben, wissen wir nicht, wer von ihnen Vorerkrankungen hat - und wer nicht." Das Bundesland vertraut auf die Kompetenz der Hausärzte, die die Immunisierungen durchführen. Gelieferte Impfstoffe müssen rasch verabreicht werden. Die niedergelassenen Ärzte haben nicht die Möglichkeit, ihn bei den vorgeschriebenen minus 70 Grad zu lagern. Die Registrierung für die Impfung in Niederösterreich ist ab Montag auf www.impfung.at möglich. Telefonnummer gibt derzeit keine. "Wir setzten hier ganz stark auf die Gemeinden." Sie sollen die Betagten informieren.

Das Burgenland ist noch in der Planungsphase

Im Burgenland werden derzeit aufgrund des erhöhten Ansteckungsrisikos vorrangig Bewohner und Personal von Altenwohn- und Pflegeheimen - wo immer wieder Fallhäufungen auftreten - sowie das Personal der Covid-Stationen geimpft.

Ab wann eine Impfmöglichkeit für Personen außerhalb von Pflegeeinrichtungen und Covid-Stationen bestehen werde, hänge von der Menge der vom Bund zur Verfügung gestellten Impfstoffdosen ab, heißt es von der Landesregierung. Geplant ist, dass diese Impfungen an sieben Standorten, verteilt über das ganze Burgenland, in Impfstationen durchgeführt werden, die mit den ebenfalls derzeit in Planung befindlichen Testzentren zu burgenländischen Impf- und Testzentren kombiniert werden. Hier sei man in der Endphase der Planung.

Da derzeit ausschließlich in stationären Einrichtungen geimpft wird, ist eine Anmeldung zur Impfung derzeit nicht möglich. In Entwicklung ist - voraussichtlich bis Ende nächster Woche - eine Vormerkplattform, auf der die impfwilligen Personen bzw. (bei Personen ohne Internetzugang) der Hausarzt die Impfanfrage sowie etwaige Risikoerkrankungen angeben können und entsprechend gereiht werden.