Wien. Ärzte werden Corona-Patienten in absehbarer Zeit mit antiviralen Wirkstoffen behandeln können, die gezielt eine Infektion mit Sars-CoV-2 bekämpfen, erklärte der österreichische Biochemiker Norbert Bischofberger Montagabend bei einer Online-Diskussion der Universität Wien. "Das Problem ist, dass man sie schon sehr früh im Krankheitsstadium verabreichen muss, damit sie wirken, wenn keine oder milde Symptome auftreten", sagte er.

Die Lungenkrankheit Covid-19 sei nur in der ersten Phase eine typische virale Infektion, sagte Bischofberger, der das Influenza-Medikament Tamiflu entwickelt hat. Nur zu Beginn gäbe es ein Zeitfenster von wenigen Tagen, in denen antivirale Mittel sehr wirksam sein könnten. Die Krankheit dauert länger, als das Virus zur Vermehrung im Körper braucht. "Nach zehn Tagen ist der Erreger verschwunden, aber die Leute sind immer noch krank", sagte er. Dies komme von der heftigen Reaktion des Immunsystems. Später müsse man sich darauf beschränkten, die Entzündungsreaktion zu bekämpfen.

Impfung noch bedeutender

Sars-CoV-2 nützt für seine Vermehrung im Körper die menschlichen Zellen. Ein Virus-spezifischer Angriffspunkt sei der "Stachel", mit dem es am zellulären Rezeptor "ACE2" andockt, um eindringen zu können. Hier gebe es in den USA einen Antikörper der Firma Lilly, die das Stachelprotein blockieren und ein Andocken verhindern. "Verwunderlicherweise ist er aber nicht sehr effektiv", sagte der Forscher. Eine andere Möglichkeit, das Andocken zu unterbinden, wäre, mit einem löslichen ACE2-Rezeptor die Stachelproteine von den Zellen abzulenken. "Die österreichische Firma Apeiron Biologics arbeitet an einem solchen Mittel, das sollte wirken", erklärte Bischofberger. Noch bedeutender für die Bekämpfung der Pandemie seien jedoch neu entwickelte Impfstoffe.