Kopenhagen Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht positive Entwicklungen bei den Corona-Zahlen in Europa. Auch wenn wöchentlich mehr als eine Million neue Fälle gemeldet würden, gingen die Neuinfektionszahlen in der europäischen WHO-Region insgesamt seit vier Wochen in Serie zurück, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag in seiner Online-Pressekonferenz in Kopenhagen.

Auch die Zahl der neuen Todesfälle im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen habe sich zwei Wochen nacheinander verringert. Dennoch machte Kluge klar: "Die Zahlen, die wir sehen, sind immer noch zu hoch." Kluge wies darauf hin, dass diese Rückgänge eine zunehmende Anzahl an Ausbrüchen von besorgniserregenden Virus-Varianten verdeckten. Voreilige Entschlüsse müssten deshalb vermieden werden. Die meisten europäischen Länder blieben weiterhin gefährdet.

"Im Moment ist da ein schmaler Grat zwischen der Hoffnung eines Impfstoffes und einem falschen Gefühl der Sicherheit", sagte Kluge. Zu häufig habe man gesehen, dass Staaten ihre Corona-Maßnahmen zu früh gelockert und man damit hart erarbeitete Errungenschaften wieder verloren habe. Angesichts der neuen Virus-Varianten müsse man alles daransetzen, Übertragungen zu verringern und zu verzögern.

Die Sorge vor Mutationen bewegt derzeit auch viele europäische Länder. So hat Irland ja Österreich wegen der in Tirol grassierenden Mutation auf eine Rote Liste gesetzt, weshalb sich Einreisende nun dort einer 14-Tage-Quarantäne unterziehen müssen. Auch Lettland macht aus Angst vor Mutationen für zwei Wochen die Grenzen dicht. Aus Bedenken vor mutierten Coronavirus-Varianten dürfen von Donnerstag an nur noch Menschen in das baltische EU-Land einreisen, die einen triftigen Grund sowie einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Maßnahmen unterschiedlich

Die Zahlen sind in Europa sehr unterschiedlich: Die beiden Hotspots sind Montenegro mit 600 und Tschechien mit 484 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Österreichs Nachbarland Tschechien versucht schon wochenlang, die Zahlen mittels harten Lockdowns nach unten zu drücken, aber das zeigt kaum Wirkung.

In Deutschland hingegen liegt die 7-Tages-Inzidenz nur noch bei 64, trotzdem will auch Deutschland seinen Lockdown bis 7. März fortsetzen. Generell ist es aber so, dass die europäischen Staaten bei ihren Maßnahmen sehr unterschiedlich agieren. Italien, das landesweit eine 7-Tages-Inzidenz von 140 hat, erlaubt etwa regionale Lockerungen. Auch Österreich hat ja Lockerungen durchgeführt, hierzulande liegt die 7-Tages-Inzidenz derzeit bei 100.

Die WHO Europa zählt insgesamt 53 Länder zur europäischen Region. In dieser Region werde momentan in 37 Ländern geimpft, aus 29 davon gebe es bisher Informationen zum Fortschritt der Impfkampagnen, berichtete Kluge. In diesen 29 Staaten hätten bisher lediglich 1,5 Prozent der dortigen Bevölkerung den Impfprozess mit beiden Teilimpfungen abgeschlossen.

Aber es gebe gute Nachrichten, sagte Kluge: "Die Anzahl der verabreichten Impfdosen hat die Zahl der gemeldeten Fälle in der Region überschritten: Rund 41 Millionen Dosen wurden verabreicht gegenüber 36 Millionen gemeldeten Fällen." Er mahnte jedoch Geduld an: "Die Impfung von Prioritätsgruppen rettet schon jetzt Leben. Aber das schiere Ausmaß der Bereitstellung der Covid-19-Impfstoffe ist enorm - und die Impfungen werden einige Zeit brauchen."