Es ist ein Aufgebot an Expertise, mit dem die Initiative "Österreich impft" neuen Fragen, die sich rund um die Covid-19-Impfung ergeben, beantwortet: Wirken die Impfstoffe auch gegen die Virusmutationen? "Tatsache ist, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die UK-Variante gegeben ist", sagt Ursula Wiedermann-Schmidt, Vakzinologin und Mitglied des Nationalen Impfgremiums.

Aber gegen die südafrikanische Variante wirkt AstraZeneca nicht? "Dazu gibt es noch nicht die Daten. Was vorliegt, sind solche von einer sehr kleinen, sehr jungen Population in Südafrika, die per se nicht schwer erkrankt, diese konnte trotz Impfung erkranken", sagt Wiedermann-Schmidt. Dass Erkrankungen mit Impfung aber einen milderen Verlauf nehmen als ohne, sei realistisch, müsse aber noch mehr belegt werden.

Wirken die mRMA-Impfstoffe Biontech/Pfizer und Moderna besser als AstraZeneca? "Alle Impfstoffe haben eine sehr solide Schutzwirkung für die Geimpften und einen direkten epidemiologischen Effekt: Denn Geimpfte spielen bei der Ausbreitung des Virus eine geringere Rolle", sagt Infektiologe Herwig Kollaritsch.

AstraZeneca wirkt drei Wochen nach Erstimpfung

Angesichts des Impfstoffmangels besteht keine Wahlfreiheit. Wiedermann-Schmidt wünscht sich einen Weg "raus aus der Emotion, zurück zur sachlichen Argumentation." Man müsse die Zeit nützen, um mit allem verfügbaren Impfstoff zu impfen. Es gebe viele "Ängste, Unsicherheiten und Mythen", die kursieren, sagt Hausärztin Reingard Glehr. "Jeder der sich impfen lässt, profitiert. Ungeimpft zuzuwarten, ist keine Alternative", ergänzt Arbeitsmedizinerin Eva Höltl.

Für "Impfaufstände" von Ärzten und vor allem Pflegekräften am Wiener AKH und an der Innsbrucker Klinik gegen das AstraZeneca-Vakzin haben die Experten wenig Verständnis. Auch im medizinischen Personal kursierten Falschinformationen, sagt Kollaritsch: Zum Mythos, dass man zwischen Erst- und Zweitimpfung von AstraZeneca nach drei Monaten schutzlos sei, sagt er: "Das ist einfach falsch." Der Impfreferent der Tiroler Ärztekammer, Christian Hilkenmeier, spricht von einem Wirkungsgrad von AstraZeneca von rund 76 Prozent, der drei Wochen nach der Erstimpfung erreicht werden könne und mindestens bis zur Zweitimpfung nach zwölf Wochen anhalte. Und jenen, denen der 100-prozentige Schutz fehlt, sagt Kollaritsch: "Die übersehen völlig, dass es vor allem darum geht, schwerere Erkrankungen zu vermeiden."

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Hätte die Bevölkerung Österreichs im Moment schon die Wahl, sich impfen zu lassen, würde diese pro Covid-19-Schutzimpfung ausgehen: Eine Umfrage des Instituts Marketmind zeigt, dass 54 Prozent im Jänner sagten, sie werden sich sicher oder wahrscheinlich impfen lassen, 24 Prozent sagten dagegen eher oder sicher nicht, der Rest ist noch unentschlossen. Im Dezember aber überwog mit 35 Prozent Pro- zu 38 Prozent Contrastimmen noch die Impfskepsis. Auch das Lager an "eingefleischten" Impfgegnern, wie es in der Marketmind-Präsentation heißt, reduzierte sich auf sieben Prozent um die Hälfte.

Wissen steigt, Durchimpfung dagegen nur langsam

Auch das Wissen über die Impfstoffe sei gestiegen, Höltl spricht von einem "unfassbaren Schub an Gesundheitskompetenz". Die aber sei divers verteilt, manche bräuchten nach wie vor mehr Information. Immerhin ist die Anzahl jener, die dem Irrglauben anhängen, dass mRNA-Impfstoffe, das Erbgut schädigen können, um zehn Prozentpunkte auf nun 19 Prozent zurückgegangen. Das Grüppchen, das von einer kompletten Wirkungslosigkeit der Impfungen ausgeht, habe sich im Jänner gegenüber Dezember von 14,2 auf nun 7,7 Prozent beinahe halbiert.

Das Gesundheitsministerium liefert nun neuerdings nicht nur Antworten auf häufig gestellte Fragen rund ums Impfen, sondern die tagesaktuell aktualisierte Impfstatistik auf einem Dashboard. Noch differiert die Anzahl der dort gelisteten von jener der tatsächlich Geimpften: 231.782 Menschen, also drei Prozent der impfbaren Bevölkerung, haben die erste Dosis erhalten, 123.410 auch die zweite. Gesundheitsminister Rudolf Anschober spricht von 400.000 Geimpften, die im Laufe des Freitags erstgeimpft, und von 150.000 Vollimmunisierten, die man am Wochenende erreiche.

Der Grund: Am Dashboard werden nur die per elektronischem Impfpass erfassten Daten sichtbar, die Eintragung sei Pflicht, im Moment aber noch zeitverzögert. Das dürfte sich mit einem Gesundheitstelematikgesetz, über das der Nationalrat am 24. Februar befindet, ändern. Darin sei "die unmittelbare direkte Verpflichtung, die Impfdaten direkt in den elektronischen Impfpass einzutragen", enthalten, so Anschober.(mad)