Vorarlberg will seinen am 15. März begonnenen Sonderweg in der Coronakrise als Modellregion - unter anderem mit geöffneter Gastronomie - so lange wie möglich fortsetzen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, bei der Vorarlberg am Dienstag von der Steiermark als Spitzenreiter abgelöst wurde, sei nur ein Kriterium, verwies Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) auf die noch immer "entspannte" Situation auf den Vorarlberger Intensivstationen. Da sei man von einer dramatischen Lage "meilenweit entfernt".

Zudem seien die Inzidenz-Zahlen aufgrund der intensiven Testtätigkeit in Vorarlberg nur schwer mit anderen Bundesländern vergleichbar. In Vorarlberg mit seinen rund 400.000 Einwohnern werden nach Angaben der Landesregierung aktuell pro Woche rund 100.000 Personen getestet, das sei ein europaweiter Spitzenwert, so Wallner. Es spreche aus seiner Sicht nichts dagegen, dass auch andere Bundesländer mit ähnlicher Sieben-Tage-Inzidenz wie Vorarlberg Öffnungsschritte setzen, wenn die Voraussetzungen stimmen. Laut Wallner würde das neben einer entsprechend niedrigen Auslastung auf den Intensivstationen auch eine Verdoppelung der Testzahlen bedeuten.

"Wirtschaftlicher Schaden in Ostösterreich"

Der Landeshauptmann betonte, dass es in Vorarlberg weder im Gastronomie- noch im Kulturbereich Ansteckungen gebe. Diese passierten zu 70 Prozent in der Familie bzw. im privaten Umfeld. Man habe vielmehr die Erfahrung gemacht, dass sich mit jedem Öffnungsschritt mehr Leute testen ließen. Mit Impfen und Testen versuche man einem weiteren Lockdown zu entkommen. "Man sieht, wie groß der wirtschaftliche Schaden in Ostösterreich mit einem neuerlichen Lockdown ist", sagte Wallner. Schon kleine Öffnungsschritte wie in Vorarlberg würden sich positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Vorarlbergs Wirtschaftskammerpräsident Hans-Peter Metzler stellte fest, dass die Wirtschaft "hinter der Modellregion steht" und ein Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz zu erwarten gewesen sei. Das liege sowohl am verstärkten Testen als auch an der Ausbreitung der britischen Mutante. Die Öffnungsschritte hätten auch zu einer besseren Stimmung in der Gesellschaft geführt. "Wir hoffen, dass wir das gallische Dorf halten und weiterentwickeln können", so Metzler. Sollte Wien ein Zusperren verlangen, "so fordern wir evidenzbasierte Beweise", gab sich Metzler kämpferisch. Umgekehrt müsse es weitere Öffnungsschritte geben, falls sich die Situation verbessere.

Um auch am Arbeitsplatz die Bereitschaft zum regelmäßigen Testen weiter anzukurbeln, erweitern Land und Wirtschaftskammer das Test-Angebot. Ab dem kommenden Freitag können Klein- und Mittelunternehmen (Betriebe mit maximal 50 Beschäftigten) über die jeweilige Gemeinde Gratis-Selbsttests für ihre Mitarbeiter beziehen. In den Großbetrieben werde über eigene Teststraßen bereits intensiv getestet, so Wallner.

Burgenland lässt Lockdown offen

Das Burgenland lässt die Entscheidung über die weitere Vorgangsweise beim Corona-Lockdown über den 18. April hinaus noch offen. Wien und Niederösterreich haben am Montagabend für die beiden Bundesländer die Verlängerung des Lockdowns bis 2. Mai angekündigt, die Schulen sollen ab 25. April wieder öffnen.

Im Burgenland soll die Entscheidung am morgigen Mittwoch kommuniziert werden. Inzwischen werden noch Gespräche mit Experten und der Wirtschaftskammer geführt. Die Kammer bestätigte einen intensiven Austausch, Ziel sei es, so schnell wie möglich aus dem Lockdown zu kommen, hieß es zur APA am Dienstag.

Der Lockdown im Burgenland gilt zunächst bis 18. April. Ob er dann tatsächlich endet oder verlängert wird, ließ Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) noch offen. Die Auslastung der Intensivstationen war zwar weiterhin sehr hoch, die Sieben-Tages-Inzidenz aber im Sinken. Und da der Weg der Regionalisierung eingeschlagen worden sei, werde es letztlich eine Entscheidung nach regionalen Gesichtspunkten geben, hatte es am Montag geheißen.

Gespräche über mehr Tests

Um die bereits sehr hohe Testintensität noch zu verdichten, werden auch Gespräche mit der Wirtschaftskammer geführt. Diese freute sich über die Einbindung und betonte, man sei bereit, viele Tests niederschwellig zu machen.

Auf den Intensivstationen habe sich im Burgenland in den vergangenen Tagen eine leichte Entspannung eingestellt, man bewege sich aber weiter auf einem sehr hohen Niveau, hieß es vonseiten des Koordinationsstabs Coronavirus gegenüber der APA. Die Zahlen seien derzeit nicht steigend, sondern leicht fallend. Zuletzt sei die Anzahl der Covid-19-Patienten täglich um einen gesunken. Nach dem Höchststand von 26 Intensivpatienten am vergangenen Freitag liege man nun bei 21. (apa).