Die dritte Welle der Corona-Pandemie scheint ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht zu haben. Zu diesem Fazit kamen die Experten des Covid-Prognose-Konsortiums in ihrer aktuellen Analyse. Auch wenn die Neuinfektionen - mit Ausnahme Vorarlbergs - weiterhin rückläufig sind, bedeutet dies keine rasche Entlastung der Spitäler. Denn hier wirkt dies nur zeitverzögert. So wird es bei den Intensivbetten nur einen geringen Rückgang von 29 auf 26 Prozent der Gesamtkapazitäten geben.

Lage in Spitälern Ostösterreichs entspannt sich nur langsam


Die höchst angespannte Situation in den österreichischen Spitälern, und da vor allem in den ostösterreichischen, entspannt sich nur langsam. Nach den Zahlen des Gesundheits- und Innenministeriums sind am Donnerstag (Stand 9.30 Uhr) 577 Covid-19-Patienten auf den heimischen Intensivstationen gelegen, um neun weniger als am Mittwoch. Insgesamt befanden sich 2.197 Patienten mit einer Erkrankung am Coronavirus im Spital, um 103 weniger als am Vortag. 

Auch in den östlichen Bundesländern, seit dem 1. April im Lockdown, entspannt sich die Situation nur schleppend. Wien meldete am Donnerstag 221 Intensivpatienten mit einer Covid-Erkrankung auf, um zwei weniger als am Mittwoch. Das Niveau bleibt aber weit über dem der zweiten Welle vom vergangenen Herbst, als in Österreich die bisherigen Höchstzahlen verzeichnet wurden, damals waren es um rund 50 bis 60 weniger als in diesen Tagen.

Anders im Burgenland, das die Verlängerung des Lockdowns bis Anfang Mai in Ostösterreich nicht mitträgt. Hier wurde ein neuer Höchstwert an Intensivpatienten verzeichnet. 28 waren um einer mehr als am Mittwoch.

Den höchsten Rückgang gab es in Oberösterreich mit sechs weniger als am Mittwoch (64 Intensivpatienten insgesamt), den höchsten Zuwachs in Tirol mit fünf mehr (36 insgesamt). Damit war der Rückgang in den vergangenen sieben Tagen in Österreich marginal: Pro Tag waren es um rund 0,2 Prozent weniger Covid-Patienten in Intensivbetreuung als am Vortag.

Intensivmedizin in Niederösterreich warnt vor Überlastung

In Niederösterreich waren es um vier weniger als Vortag, insgesamt lagen dort 123 Menschen mit Covid-19 auf einer Intensivstation. "Wir haben es momentan mit einer sehr, sehr angespannten Lage auf den Intensivstationen zu tun", sagte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf in einer Pressekonferenz zum Thema. Es gehe primär nicht um Bbetten, diese seien nur Möbelstücke: "Es geht um das Pflegepersonal, das seit mehr als einem Jahr täglich Höchstleistungen erbringt, und das nicht beliebig aufgestockt werden kann. Das sind jene Menschen, die Erfahrung und Ausbildung haben müssen."

Der Intensivmediziner Christoph Hörmann betonte, dass "wir jetzt die Patienten auf die Intensivstationen bekommen, die sich vor sechs bis acht Tagen infiziert haben."  Man sehe zwar wunderbar auf Dashboards, wie viele Covid-19-Patienten auf Intensivstationen betreut werden, "aber wir können die anderen Notfälle nicht abschaffen. Es gibt den akuten Herzinfarkt, Verkehrsunfall, andere Infektionskrankheiten, die genauso stattfinden wie sonst. Auch ohne Pandemie sind unsere Intensivstationen zwischen 80 und 90 Prozent ausgelastet." 

Der durchschnittliche Intensivpatient liege drei bis fünf Tage auf der Intensivstation. Der durchschnittliche Covid-19-Patient aber müsse drei bis vier Wochen auf der Intensivstation bleiben. "Aus Solidarität mit den Erkrankten ist es ein Gebot der Stunde, alles Vernünftige zu tun, um die Infektionen weiter zu senken."

Intensivstationen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland bleiben Systemrisiko

Die Prognose bis 28. April zeigt nun, dass Wien ebenso wie das Burgenland und Niederösterreich bis knapp vor Ende dieser zwei Wochen über der systemkritischen Auslastungsgrenze von 33 Prozent bleiben. Sind mehr als ein Drittel der Intensivbetten mit Covid-19-Erkrankten belegt, treten diese in Konkurrenz mit anderen intensivpflichtigen Patienten. Diese Schwelle bedeutet ein sehr hohes Systemrisiko. Wie die Experten in ihrer aktuellen Prognose schreiben, ist auch für Oberösterreich und Vorarlberg eine Überschreitung der 33-Prozent-Schwelle möglich. In Oberösterreich waren zuletzt 30 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Erkrankten belegt, in Vorarlberg 17 Prozent.

Österreichweit rechnen die Experten damit, dass die Auslastung der Intensivbetten bis 28. April auf 521 zurückgeht. Am Mittwoch befanden sich 586 schwerkranke Covid-Patienten in intensivmedizinischer Versorgung. Laut den Experten bleiben Intensivpatienten im Schnitt 12,2 Tage auf der Station. Auf Normalstationen werden laut Prognose in zwei Wochen rund 1.530 Patienten behandelt werden müssen. Am Mittwoch waren noch mehr als 1.770 Menschen wegen ihrer Sars-CoV-2-Infektion auf Normalstationen.

Rückgang bei Neuinfektionen erwartet

Die Fallprognose der Neuinfektionen geht von weiterhin rückläufigen Fallzahlen mit Ausnahme Vorarlbergs aus. Laut den Wissenschaftern werden es täglich 2.300 neue Fälle bis nächste Woche sein. Für den letzten Prognosetag - Mittwoch, dem 21. April - geht man demnach von 2.200 Neuinfektionen aus. Die Sieben-Tages-Inzidenz wird dann 180 pro 100.000 Einwohner betragen. Die Experten wiesen darauf hin, dass die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ist. Die Spannbreite der Sieben-Tages-Inzidenz am letzten Prognosetag reicht von 139 in der Steiermark bis 232 in Wien. In Vorarlberg wiederum wird die Sieben-Tages-Inzidenz von nunmehr 167 auf mehr als 200 ansteigen.

Die effektive Reproduktionszahl näherte sich laut dem Konsortium in den vergangenen Tagen einem Wert von 0,94 an. Das bedeutet, dass ein Infizierter weniger als eine weitere Person ansteckt. Die Zahl der genesenen und geimpften Menschen in Österreich steigt. Laut den Experten könnten bereits 20 bis 35 Prozent der Bevölkerung dadurch immunisiert sein. Das "beginnt einen messbaren Effekt auf die Infektionsdynamik zu nehmen", so die Analyse der Wissenschafter. (apa)