Die italienische Regierung stemmt sich gegen Pläne einiger Regionen, Urlauber mit der zweiten Dosis Corona-Impfstoff zu versorgen - nach dem Motto "Impfungen am Strand". Die Tourismusdestinationen wollen damit vermeiden, dass Menschen auf den Urlaub verzichten, weil sie daheim den "zweiten Stich" erhalten müssen. Die Region Venetien hatte sich sogar zur Immunisierung ausländischer Besucher bereit erklärt.

Der für die Regierungskampagne zuständige Regierungskommissar Francesco Paolo Figliuolo rief die Italiener auf, ihren Urlaub nach dem Impftermin zu planen. "Beim AstraZeneca-Vakzin kann man mit einer Zeitspanne zwischen vier und zwölf Wochen zwischen der ersten und zweiten Dosis rechnen, bei Pfizer- und Moderna-Impfstoffen mit 42 Tagen. Ich denke, es dürfte kein Problem sein, sich impfen zu lassen und nicht auf den Urlaub zu verzichten. Ich bin offen für jeden Vorschlag, den die Regionen machen wollen, natürlich gibt es für alles eine Grenze, das ist jene des Pragmatismus", so der Regierungskommissar.

Der "Impftourismus" hat inzwischen im Kleinstaat San Marino Erfolg. Seit Dienstag werden in San Marino Touristen, die mindestens einen dreitägigen Aufenthalt in einem Hotel des Kleinstaates gebucht haben, mit dem russischen Sputnik-Vakzin geimpft. Die Impfung kostet 50 Euro. Die Initiative San Marinos weckte bei Touristen großes Interesse. Rund 100 Personen meldeten sich laut den Behörden für die Sputnik-Impfung an, darunter auch Urlauber aus Österreich. Italiener werden nicht zur Impfkampagne zugelassen.

Für diese "Impfreisen" ist es nötig, in San Marino mindestens zwei Mal jeweils drei Hotel-Übernachtungen im Abstand von 21 Tagen zu buchen. Die erste Impfung ist frühestens sieben Tage nach der Buchung möglich. Die zwei Impfungen würden von staatlichen Stellen beaufsichtigt.

Grüner Pass neun Monate gültig

Gleichzeitig konkretisiert seine Pläne zur Einführung des Grünen Passes im Rahmen seiner Corona-Maßnahmen im Inland. Dieser wird neun Monate gültig sein, geht aus einer Verordnung der Regierung hervor, die seit heute, Mittwoch, in Kraft ist. Der Grüne Pass wird schon bei der ersten Impfdosis ausgestellt.

Das Dokument soll unter anderem zur Teilnahme an Hochzeiten, Taufen und anderen religiösen Zeremonien notwendig sein. Dies löste Proteste aus. "Hochzeitsfeiern mit Grünem Pass bedeuten, dass wieder unzählige Paare auf die Hochzeit verzichten werden, mit dramatischen Folgen für unsere Branche", kritisierte Serena Ranieri, Präsidentin der italienischen Wedding Planner, die vor allem mit betuchten Kunden arbeiten. Die Prozeduren, um festzustellen, ob alle Hochzeitsgäste geimpft oder getestet sind, seien zu kompliziert.

Disco-Betreiber protestieren unterdessen, weil sie weder im Freien noch indoor öffnen können. Industrieminister Giancarlo Giorgetti versprach seinen Einsatz, damit Tanzlokale zumindest Gäste mit dem Grünem Pass empfangen können.

Franco Locatelli, Präsident von Italiens wissenschaftlichem Komitee CTS, das die Regierung im Umgang mit der Pandemie berät, schloss nicht aus, dass eine dritte Dosis notwendig werden könnte, um Menschen vor den Corona-Varianten zu schützen. Die dritte Dosis könnte voraussichtlich zehn Monate nach der zweiten gespritzt werde. (apa)