In manchen Volksschulen wurden bisher alle Kinder für den Präsenzunterricht ab dem morgen, Montag, beginnenden dreiwöchigen Lockdown bis 12. Dezember angemeldet. Viele Eltern waren bis zuletzt unschlüssig. Denn die Schulen sind zwar bundesweit für "Unterricht nach Stundenplan" geöffnet, aber von Bundeskanzler Alexander Van der Bellen abwärts gab es ausdrückliche Appelle, Schulkinder wegen der hohen Zahl an Corona-Infektionen gerade bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren daheim zu lassen.

Es wurde im Laufe des Sonntags aber immer klarer, was die Schulen, Schülerinnen und Schüler und damit indirekt auch Mütter und Väter erwartet. Der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Herbert Weiß (Christgewerkschaft, kurz FCG), hat am Sonntag in einem Rundschreiben zum Schulbetrieb, das der "Wiener Zeitung" vorliegt, betont, dass es "keine Verpflichtung zum Hybridunterricht", also zu Präsenz- und Digitalunterricht, gebe. Das stehe außer Streit. Die Sprecherin der AHS-Direktoren, Isabella Zins, hatte schon davor jedenfalls einem "Hybrid-Unterricht" eine Absage.

In Oberösterreich schickte Bildungsdirektor Alfred Klampfer an die Direktorinnen und Direktoren "Klarstellungen zum Schulbetrieb während des Lockdowns" mit der Bitte aus, dieses Schreiben auch an die Eltern zu übermitteln. Weil man "mehrfach mit Beschwerden" konfrontiert sei, bekräftigte er darin, dass die Schulen offen seien und, wie angekündigt,  "Unterricht nach Stundenplan" erfolge.

Man wisse von einigen Schulstandorten, die sich nicht an diese Anordnungen hielten und "eigenmächtig Distance learning verfügt haben". Diese Vorgangsweise sei aber "nicht möglich", stellte der Bildungsdirektor unmissverständlich fest.

Keine Korrektur von Arbeitspaketen

In dem Rundschreiben, das neben von AHS-Gewerkschaftschef Weiß von den schwarzen AHS-Christgewerkschaftern aus allen Bundesländern unterzeichnet wurde, wird außerdem betont, dass "Arbeitspakete" für zu Hause "nicht extra aufbereitet oder korrigiert werden müssen". Überdies kursiert gewerkschaftsintern die Information, dass zum Start des Lockdowns am Montag noch eine "Klarstellung" aus dem Bildungsministerium kommen werde.

Bildungsminister Heinz Faßmann hat selbst eingestanden, man wisse nicht, wie viele Schülerinnen und Schüler tatsächlich am Montag in die Schulen kommen werden. Hunderttausdende Mütter und Väter sind in einer Zwickmühle, weil einerseits die Sorge vor einer Ansteckung ihrer Kinder vorherrscht, aber zugleich die Befürchtung besteht, ihre Kinder könnten bei der erlaubten Abwesenheit ohne Corona-Attest zuviel Unterrichtsstoff in den kommenden drei Wochen verpassen. Lehrer und ihre Personalvertreter sind ebenfalls nicht glücklich, dass die Verantwortung über den Schulbesuch auf die einzelnen Schulleiter und die Eltern abgewälzt wird. 

In dem Rundschreiben der FCG-Gewerkschafter an den AHS wird ganz gemäß der Linie des ÖVP-Bildungsministers ein Bekenntnis zu offenen Schulen im Lockdown abgelegt. Noch gefordert wird von den Lehrervertretern die sofortige Absonderung positiv getesteter Personen aus dem Schulbetrieb. Entscheidungen über die Schließung von Klassen und über Heimunterricht sollten auf Schulebene fallen. Auch über die Durchführung von Leistungsfeststellungen solle vor Ort entschieden werden.

"Kinder halten Eingesperrtsein nicht mehr aus

AHS-Direktorenvertreterin Zins, die selbst in Mistelbach in Niederösterreich Schulleiterin ist, macht allerdings auf eine Problem aufmerksam, das schon während der mehrmonatigen Lockdowns im vergangenen Jahr für viel Kopfzerbrechen gesorgt hat: die psychische Belastung der Kinder und Jugendlichen. Zwar wurde die Zahl der Schulpsychologen in den vergangenen Montag um zwanzig Prozent auf 180 aufgestockt, sie hält das aber noch nicht für ausreichend.

Denn die zunehmende Zahl psychisch belasteter Schüler und Lehrkräfte sei besorgniserregend, warnt die Vorsitzende des bundesweiten Dachverbandes der AHS-Direktorinnen und AHS-Schulleiter. Zins sagt zwar Ja zur Öffnung der Schulen während des Lockdowns, die Schulpyschologie zeige aber, dass viele Kinder und Jugendliche "das Eingesperrtsein nicht mehr aushalten".

Daher brauche man massive Unterstützung durch Schulpsychologen und Sozialarbeiter. Diese Forderung ist keineswegs auf die Gymnasien beschränkt, entsprechende Forderung kommen auch von Lehrkräften aus Volks- und Mittelschulen. Dort wurden gerade seit dem Schulbeginn im September zunehmend verhaltensauffällige Schulkinder registriert, die dadurch auch den Unterricht für die anderen Schülerinnen und Schüler stören.

Direktoren sehen sich selbst am Limit

Mit einem weiteren Hinweis spricht Zins nicht nur den Leitern der Gymnasien aus dem Herzen. Direktorinnen und Direktoren in ganz Österreich seien wegen der Pandemie und die Auswirkungen auf die Schulen auch an Wochenenden im Einsatz und "daher selbst am Limit", gab Zins in einer Aussendung zu bedenken. Auch die Leitungen von Volks- und Mittelschulen sind in der gleichen Situation.

Mehrfach wurde von ihnen und den Personalvertretern der Pädagoginnen und Pädagogen verärgert kritisiert, dass Neuregelung oft am Freitag oder am Wochenende zuerst über Medien verkündet würden. So wie jetzt vor dem Lockdown ab  Montag müssten dann am Wochenende in digitalen Konferenzen die schulischen Vorbereitungen für den Wochenbeginn getroffen und teils aufgebrachte Eltern beruhigt und informiert werden.