Er kam letztlich schneller als erwartet und für viele doch viel zu spät: der vierte Lockdown in Österreich. Für maximal 20 Tage ist das öffentliche Leben mit Montag wieder heruntergefahre. Hotels, Einzelhandel, Kultur und Gastronomie sperren zu, um voraussichtlich am 12. Dezember wieder zu öffnen - zumndest für Geimpfte. Nur die Grundversorgung und die Schulen bleiben durchgehend offen. Letzteres sorgte und sorgt für heftige Diskussionen. Die geltenden Maßnahmen im Überblick.

Ausgangsbeschränkungen

Der Lockdown gilt bundesweit - und zwar für alle und das rund um die Uhr. Vorgesehen ist eine Dauer von 20 Tagen. Damit werden die schon aus in früheren Pandemie-Phasen gültigen Ausgangsbeschränkungen wieder für alle in Kraft gesetzt - zuletzt galten diese nur für die Ungeimpften. Den eigenen Wohnbereich verlassen darf man damit wieder nur aus den bekannten Gründen, etwa für den Gang zur Arbeit oder zur Versorgung mit Grundgütern des täglichen Lebens. Weiterhin möglich bleibt der Gang zum Arzt und zu sonstigen Gesundheitsdienstleistungen oder der Weg zur Impfung oder Testung.

Auch die "Befriedigung religiöser Grundbedürfnisse" sowie der Weg zur Schule oder Universität ist gestattet. Ebenso darf man wieder u.a. zur Betreuung von unterstützungsbedürftigen Personen und zur "Ausübung familiärer Pflichten" das Haus verlassen. Kontakt abseits des eigenen Haushaltes ist nur zu - einzelnen - engsten Angehörigen oder wichtigen Bezugspersonen erlaubt. Auch die Versorgung von Tieren oder die Wahrnehmung behördlicher Termine zählen zu den Ausnahmegründen, ebenso der Aufenthalt im Freien zur körperlichen und psychischen Erholung.

Wieder zurück ist der 2-Meter-Abstand: Zwischen Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ist laut dem Entwurf an allen öffentlichen Orten, aber z.B. auch am Arbeitsplatz, darauf zu achten, dass ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten wird.

Schule bleibt offen

Die Schulen bleiben grundsätzlich offen. Vorgesehen ist "Präsenzunterricht für all jene, die es benötigen". Es besteht aber ein Appell der Bundesregierung und der Landeshauptleute, Schüler zu Hause zu betreuen, "dort wo dies möglich ist". Für diese Kinder sollen "Lernpakete" sichergestellt werden, ein klassisches Homeschooling ist das aber nicht. Für alle Schulstufen gilt eine Maskenpflicht im Schulgebäude sowie in Klassen- und Gruppenräumen. Auch die Kindergärten bleiben offen.

Handel, Dienstleistungen, Freizeit, Kultur

Der gesamte Handel abseits der Grundversorger ist geschlossen. Offen bleiben damit nur der Lebensmittelhandel (auch Supermärkte), Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Banken, Postdiensteanbieter sowie Trafiken und Zeitungskioske. Sperren müssen auch die körpernahen Dienstleister, etwa Friseure oder Kosmetiker. Auch der gesamte Freizeitbereich ist vom Lockdown betroffen - von den Schwimmbädern über Zoos, Spielhallen und Vergnügungsparks, Indoorspielplätze, Tanzschulen bis hin zu Prostitutionseinrichtungen. Auch der gesamte Kulturbereich wird heruntergefahren. Theater, Konzertsäle, Kinos, Museen und Bibliotheken schließen ihre Pforten.

Countdown zum Lockdown statt bis Weihnachten: Die heimischen Weihnachtsmärkte mussten sich umstellen. 
- © APA/BARBARA GINDL

Countdown zum Lockdown statt bis Weihnachten: Die heimischen Weihnachtsmärkte mussten sich umstellen.

- © APA/BARBARA GINDL

Gastronomie und Hotellerie

Die gesamte Gastronomie sperrt ebenfalls zu. Lediglich Betriebskantinen sowie gastronomische Betriebe in Kranken- und Kuranstalten, Alten- und Pflegeheimen oder Schulen und Kindergärten sind ausgenommen. Das Abholen von Speisen ist gestattet, Getränke dürfen nur verschlossen verkauft werden. Diese Speisen und Getränke dürfen nicht im Umkreis von 50 Metern rund um den Betrieb konsumiert werden. Lieferservice bleibt erlaubt.

Beherbergungsbetriebe sind ebenfalls betroffen. Ausnahmen gibt es für jene Gäste, die zum Zeitpunkt des Lockdown-Beginns schon eingecheckt sind, diese dürfen bis zum vereinbarten Ende des Aufenthalts bleiben. Ebenso erlaubt sind Übernachtungen aus beruflichen Gründen oder wenn ein dringendes Wohnbedürfnis vorliegt.

Arbeitsplatz mit 3G und Empfehlung zu Homeoffice

Am Arbeitsplatz gilt weiterhin die 3G-Regel. Sofern der Kontakt zu anderen Personen nicht ausgeschlossen werden kann, darf man am Arbeitsort (wie gehabt) nur erscheinen, sofern man geimpft, genesen oder getestet ist. Für den Test reicht ein Antigentest, dieser muss allerdings von einer zuständigen Stelle abgenommen werden (Apotheke, Teststraße). Die höherwertigen PCR-Tests gelten ebenso, eine angedachte Verpflichtung zu diesen ist derzeit noch nicht in Kraft. Wohnzimmertest werden weiterhin nicht anerkannt.

Auch wird es eine Empfehlung zu Home-Office für alle Bereiche geben, wo dies möglich ist. Auch im Bundesdienst wird dies umgesetzt.

Maskenpflicht

In allen geschlossenen Innenräumen (abseits des Privatbereiches) gilt eine FFP2-Maskenpflicht. Dies betrifft auch den Arbeitsplatz. Ausnahmen gibt es nur, wenn entsprechende bauliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, etwa Trennwände oder Plexiglasscheiben. FFP2-Masken müssen wie gewohnt auch in öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden, aber auch bei der gemeinsamen Benützung von Kraftfahrzeugen (sofern man nicht im gemeinsamen Haushalt lebt).

Die Maskenpflicht gilt nicht für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr. Kinder zwischen sieben und 14 Jahren sowie Schwangere dürfen statt der FFP2-Maske auch einen einfachen Mund-Nasen-Schutz benutzen.

Viele Unternehmer fürchten sich vor dem vierten Lockdown. 
- © apa / Fohringer

Viele Unternehmer fürchten sich vor dem vierten Lockdown.

- © apa / Fohringer

Sport

Spitzensportveranstaltungen in Österreich dürfen ab Montag weiterhin stattfinden, aber nur noch ohne Zuschauer, also in der Fußball-Bundesliga beispielsweise als "Geisterspiele".

Der Breitensport (Vereinssport) kommt komplett zum Ruhen. Auch Outdoor-Sportstätten dürfen nur gemeinsam mit Haushaltsangehörigen oder "engsten" Bezugspersonen betreten werden. Skibetrieb wird während des Lockdowns auch bei entsprechender Schneelage nicht möglich sein, denn das Benützen von Seil- und Zahnradbahnen ist nur zu beruflichen Zwecken gestattet sowie zur Deckung notwendiger Grundbedürfnisse des täglichen Lebens.

Polizei will streng kontrollieren

In der vergangenen Woche hat die Polizei die 2G-Regel im öffentlichen Raum "150.000 Mal in ganz Österreich" kontrolliert, berichtete Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Sonntag. Die vergangene Woche sei für die Polizisten "eine der forderndsten und extremsten" gewesen.

Bei den Kontrollen hätten die Beamten "intensive Begegnungen mit den Menschen, die in Österreich leben, gehabt" und eine "große Unterstützung" erfahren. Die Polizisten hätten "viel Zuspruch gefunden, die Menschen waren dankbar, dass die Regeln auch tatsächlich kontrolliert werden", berichtete der Innenminister. Er kündigte an, das die strengen Überprüfungen auch im nun folgenden harten Lockdown fortgesetzt werden.

Weiterhin werde es in jedem Bezirk Sonderstreifen geben. Der Kontrolldruck werde hochgehalten, um sicherzustellen, "dass dieser Lockdown, der tatsächlich eine unglaubliche Mühsal für die Menschen in Österreich darstellt, so effizient ist, dass er auch Wirkung zeigt", sagte Nehammer.

Infektionslage weiter ernst

Am ersten Tag des vierten Lockdowns seit Beginn der Coronavirus-Pandemie ist die Zahl von 3.000 Covid-19-Krankenhauspatienten überschritten worden. Am Montag mussten österreichweit bereits 3.054 Coronavirus-Infizierte in Spitälern behandelt werden. 562 davon lagen schwer krank auf Intensivstationen. Zeitgleich meldeten die Ministerien den höchsten Montags-Wert an Neuinfektionen mit 13.806 neuen Fällen binnen 24 Stunden.

Vor einer Woche - als der siebentägige Lockdown für Ungeimpfte in Kraft trat - wurden noch 11.889 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der bestätigten aktiven Fälle stieg zu Wochenbeginn auf nunmehr 152.984 an. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung - 66 Prozent - verfügen über einen gültigen Impfschutz, das sind 5,9 Millionen Menschen. Seit dem Sonntag wurden 27 weitere Todesfälle gemeldet, seit Pandemiebeginn sind somit bereits 12.042 Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Die Impfquote steigt derweil zumindest moderat. 72.936 Impfungen sind am Samstag durchgeführt worden. Insgesamt haben laut den Daten des E-Impfpasses 6.223.037 bereits zumindest eine Impfung erhalten. 5.891.935 Menschen und somit 66 Prozent der Österreicher verfügen über einen gültigen Impfschutz. Am höchsten ist die Schutzrate (gültiges Impfzertifikat) im Burgenland mit 72,5 Prozent. In Niederösterreich haben 68,5 Prozent der Bevölkerung einen validen Impfschutz, in der Steiermark 66,2 Prozent. Nach Wien (65,2), Tirol (64,8), Vorarlberg (63,5), Kärnten (62,7) und Salzburg (62,3) bildet Oberösterreich das Schlusslicht mit 61,2 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf den Samstag. (apa, red)