Für viele ist es Jammern auf hohem Niveau, wenn der Spitzensport angesichts des Lockdowns Einnahmeneinbußen durch Veranstaltungen vor einer Geisterkulisse beklagt. Denn während dort, wo es ums große Geld geht, immerhin noch, aufbereitet für das Fernsehen, das auch die Sponsoren ins rechte Licht setzt, gekickt, gefahren und gespielt werden kann, ist dies genau dort, wo die Basis dafür gelegt und gesundheitspolitische Vorsorge für die Zukunft geleistet werden soll, nicht oder nur auf individueller Ebene möglich. Kinder und Jugendliche stehen bei ihren Vereinen jedenfalls zwangsläufig ebenso vor verschlossenen Toren wie alle anderen Hobbysportler. Denn der (organisierte) Breitensport steht - wieder einmal - still.

Für viele ist dies angesichts der Tatsache, dass Kinder sich trotz hohem Infektionsgeschehen auch unter den Jüngeren zwar weiterhin in Klassenzimmern einfinden können, in der Freizeit aber trotz regelmäßiger Tests nicht gemeinsam sporteln können, schwer nachvollziehbar. Sport-Austria-Präsident Hans Niessl (SPÖ) hatte zwar zuletzt immer wieder betont, er unterstütze die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, kritisiert die türkis-grüne Bundesregierung aber zumindest indirekt für ihren Kurs der vergangenen Monate.


Links

Informationen zum Sportbonus

Sport-Austria-Corona-Infos

wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Schon durch die bisherigen Lockdowns habe der organisierte Sport - "und damit der Gesundheitsmotor dieses Landes - in dramatischem Ausmaß" Mitglieder verloren, sagte er nach Verkündung des Lockdowns. "Dass nun wieder die Notbremse gezogen werden muss, wird uns bei der Rückgewinnung dieser Menschen zurückwerfen." Und auch Sportminister Werner Kogler musste einräumen, dass "auch dieser Lockdown nicht spurlos am Spitzen- und Breitensport vorübergehen" werde.

Anreize aus dem Sport

In welchem Ausmaß dies der Fall sein wird, kann man vorerst freilich noch nicht seriös vorhersagen. Zumindest aber ist anzunehmen, dass sich dieser, der nunmehr vierte, Lockdown weniger stark auswirken wird, als es bei den bisherigen der Fall war. Mittels einer (versprochenen) Reaktivierung des Hilfsfonds aus der ersten Corona-Phase dürften finanzielle Ausfälle vorerst abgefedert werden; die verloren gegangenen Mitglieder dürften zwar aktuell nur schwerlich wieder zurückkommen - umgekehrt sollte es vorerst zumindest aber auch keine weiteren signifikanten Rückgängen geben.

Denn in den vergangenen Monaten wurde bereits einiges unternommen, um die alarmierende Entwicklung von davor einzudämmen beziehungsweise auszugleichen. Laut einer Mikrozensusbefragung aus dem vergangenen Winter waren nur noch 1,6 Millionen Menschen in einem oder mehreren Sportvereinen gemeldet - 2017, als die Umfrage das davor letzte Mal davor durchgeführt worden war, waren es noch 2,15 Millionen gewesen - Verluste, die nicht nur, aber eben auch durch Corona begründbar waren, zumal hier längere Zeit kein Betrieb möglich und die Sorge eines Großteils der Bevölkerung anderer Natur war.

Vergleichbarer sind die Werte aus dem Fußball, der in der Prä-Corona-Saison 2018/2019 laut ÖFB-Angaben noch 279.000, zuletzt aber nur noch 168.000 Mitglieder zählte. Vereine gibt es um 4 Prozent weniger.

Allerdings zeitigten die jüngsten Initiativen zur Rückgewinnung abgefallener Mitglieder im gesamten Sport beziehungsweise zur Akquirierung neuer wie etwa der Sportbonus im Zuge des #Comebackstronger-Katalogs von Sport Austria und Ministerium, bei dem eine Neuregistrierung mit bis zu 75 Prozent der Beitragsgebühren gefördert wird, sowie weitere Aktionen in den diversen Verbänden bereits einige Erfolge - auch wenn die längerdienenden Mitglieder keinen Vorteil davon hatten. Nur einen Monat nach Ankündigung des Sportbonus verzeichneten die Vereine mehr als 38.000 neue Mitglieder oder Wiedereinsteiger, bis Jahresende wollte man die 100.000er-Marke knacken. Dies wird sich nun freilich nicht ganz ausgehen, von einem weiteren Schwund ist aber ebenso wenig auszugehen - so lange die Periode zeitlich begrenzt und nicht auch noch das Frühjahr betroffen ist. Fraglich ist zudem, ab welchem Alter die Impfpflicht greift. Seitens der Politik wird dies derzeit noch diskutiert, im Sport daher noch nicht angerührt.

So oder so sei es "unbedingt notwendig, Sport in Vereinen nach diesem Lockdown umgehend wieder zu ermöglichen", fordert Niessl. Momentan aber befindet sich der (Breiten-) Sport in der Warteschleife. Und damit unterscheidet er sich nicht viel vom Rest des Landes.