Die jüngste Variante des Coronavirus hat nun offenbar auch Österreich erreicht: Aus Tirol wurde ein Verdachtsfall gemeldet. Endgültige Klarheit soll eine Analyse der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit bringen. 

Laut Land Tirol liegt ein mit einer Südafrikareise assoziiertes positives PCR-Testergebnis im Bezirk Schwaz vor, dass darauf hinweist, dass es sich um die neue Virusmutation handeln könnte. Von der Infektion betroffen sei eine Person, die nach einer Südafrika-Reise positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Wie das Land mitteilte, habe sich die betroffene Person laut eigenen Angaben seit der Reiserückkehr vor drei Tagen beinahe ausschließlich zu Hause aufgehalten und weise derzeit keine Symptome auf. Die Person habe zwar bereits zwei Impfdosen mit einem mRNA-Impfstoff (entweder Biontech/Pfizer oder Moderna) erhalten, der zweite Stich liege aber bereits rund neun Monate zurück. Die Kontaktpersonen seien abgesondert worden.

"Kontaktreduktion hilft uns"

Die Sequenzierung von Verdachtsfall kann noch Tage dauern. Umso wichtiger sei es, "jetzt vorsichtig zu sein und die Schutzmaßnahmen einzuhalten", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Ich wiederhole daher meinen Aufruf an Reiserückkehrerinnen und -rückkehrer aus dem südlichen Afrika, die vor Inkrafttreten der neuen Einreiseregeln Samstag, 0.00, nach Österreich gekommen sind: Melden Sie sich bitte bei der AGES und folgen Sie den Anweisungen zur behördlichen PCR-Testung. Bitte begeben Sie sich zudem für mindestens fünf Tage in freiwillige Heimquarantäne", so der Gesundheitsminister.

Gleich nach Bekanntwerden der neuen Virusvariante verstärkte die Bundesregierung   wie auch viele andere Länder - Schutzmaßnahmen für Reisen aus Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini gesetzt. Landeverbote aus diesen Ländern wurden verhängt, die Regelungen für die Einreise verschärft. Grundsätzlich ist eine Einreise aus diesen nun als Virusvariantengebiete eingestuften Staaten untersagt. EU-Bürger und -Bürgerinnen dürfen zwar einreisen, müssen sich aber im Voraus registrieren, bei Einreise ein aktuelles, negatives PCR-Testergebnis vorweisen und unverzüglich eine zehntägige Quarantäne antreten. Diese kann mit einem neuerlichen negativen PCR-Test ab Tag fünf beendet werden. "Die Einhaltung der Quarantäne wird stichprobenartig kontrolliert", so das Ministerium.

Der aktuelle Lockdown ist eine Notmaßnahme, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Die dadurch erreichte Kontaktreduktion hilft uns aber auch im Kampf gegen die Omicron-Variante. Eines ist aber klar: Impfen, impfen, impfen bleibt der einzige Weg aus der Pandemie. Nur mit einer hohen Durchimpfungsrate sind wir gut gegen das Coronavirus geschützt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und lassen Sie sich bitte impfen", appellierte Mückstein.

Bereits 13 Fälle in den Niederlanden

Ander europäische Länder hat die jünsgte Variante des Coronavirus bereits erreicht: In den Niederlanden sind bei 13 Reisenden aus Südafrika Infektionen mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron festgestellt worden. Das teilte Gesundheitsminister Hugo de Jonge am Sonntag mit.  Gesundheitsminister Hugo de Jonge  Insgesamt hatte die Gesundheitsbehörde am Flughafen Schiphol mehr als 600 Passagiere von zwei KLM-Maschinen getestet, 61 Tests waren positiv. Alle Betroffenen wurden in einem Quarantäne-Hotel isoliert.

Ein Rettungsauto bringt die Afrika-Reisenden vom Flughafen Schiphol fort.  
- © APA / AFP, Marino

Ein Rettungsauto bringt die Afrika-Reisenden vom Flughafen Schiphol fort. 

- © APA / AFP, Marino

In Deutschland und Italien sind  insgesamt drei Fälle bestätigt worden, auch in Tschechien ergab eine Genomsequenzierung "90-prozentige Sicherheit" auf die Mutation, bei der Impfungen nur schwächer wirken könnten. 

In Bayern teilte Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Samstag mit, dass die Omikron-Mutation bei zwei Personen in München festgestellt worden sei. Am Abend teilten die italienischen Behörden mit, dass ein Flugpassagier in Mailand positiv auf die möglicherweise gegen die Impfung resistente Variante getestet worden war. Das Krankenhaus im nordböhmischen Liberec (Reichenberg) wiederum sprach von hoher Gewissheit beim tschechischen Fall.

Alle drei Passagiere waren schon vor einigen Tagen aus Afrika eingereist. Die beiden Fluggäste in München seien am Mittwoch mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Holetschek. Sie befanden sich seit Donnerstag nach einem positiven PCR-Test in häuslicher Isolation, hieß es. Der Passagier in Italien sei "vor einigen Tagen" aus Mosambik eingereist und positiv getestet worden, meldete die Nachrichtenagentur ANSA. Er sei im süditalienischen Kampanien ansässig. Der Mann sei doppelt geimpft und weise nur leichte Krankheitssymptome auf, hieß es.

In Tschechien ist nach Angaben von Ministerpräsident Andrej Babis eine Frau betroffen, die von Namibia über Südafrika eingereist war. Auch sie sei geimpft gewesen und habe einen leichten Krankheitsverlauf. Gewissheit darüber, ob sie mit Omikron infiziert ist, soll eine Analyse im nationalen Referenzlabor in Prag bringen.

Infektionen mit der Omikron-Variante des Coronavirus sind nun auch in Dänemark bekannt geworden. Das staatliche Gesundheitsinstitut SSI bestätigte am Sonntag zwei Fälle, die zuvor als Verdachtsfälle eingestuft worden waren. Die beiden Infizierten seien mit dem Flugzeug aus Südafrika eingereist und mittlerweile in Quarantäne. Auch deren enge Kontakte sollten sich in die Isolation begeben

In Deutschland gab es noch einen weiteren Verdachtsfall in Frankfurt am Main. Genauere Erkenntnisse zu diesem sollte es am Montag geben. Dann werde mit der vollständigen Sequenzierung gerechnet, teilte das Gesundheitsamt der deutschen Finanzmetropole mit. In Europa war Belgien das erste Land, in dem die neue Variante nachgewiesen wurde. Zuerst war sie in Südafrika festgestellt worden. Auch Israel, Hongkong und Botswana haben Omikron-Fälle gemeldet.

Boris Johnson gab am Samstag neue Quarantäne-Regeln für die Einreise ins UK bekannt.  
- © APA / AFP, Cherki

Boris Johnson gab am Samstag neue Quarantäne-Regeln für die Einreise ins UK bekannt. 

- © APA / AFP, Cherki

Großbritannien meldete am Samstag ebenfalls zwei Omikron-Fälle. Premierminister Boris Johnson verhängte daraufhin drakonische Maßnahmen. Alle Einreisenden müssen demnach in Quarantäne. Vorgeschrieben sei ein PCR-Test am zweiten Tag nach der Einreise, und die Quarantäne dürfe bis zum Vorliegen des negativen Testergebnisses nicht verlassen werden. 

WHO schlägt Alarm

Weltweit haben Dutzende Länder wegen der Virusvariante Alarm geschlagen, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO nach dem griechischen Buchstaben Omikron benannt und als "besorgniserregend" eingestuft wurde. Wissenschafter befürchten ein erhöhtes Ansteckungsrisiko und eine verringerte Wirksamkeit herkömmlicher Impfungen. Bis jedoch Klarheit besteht, dürften Wochen vergehen.

Zwei bestätigte Omikron-Infizierte in Hongkong weisen offenbar eine sehr schnell ansteigende Viruslast auf. Die PCR-Tests der zwei Männer, die wenige Tage zuvor noch negativ ausfielen, enthielten einen Ct-Wert von 18 und 19. "Das ist wahnsinnig hoch, insbesondere wenn man bedenkt, dass die zwei bei den letzten PCR-Tests noch negativ waren", schrieb der Epidemiologe Eric Feigl-Ding, der lange Zeit an der Universität Harvard forschte. 

Ansteckung trotz Isolation

Laut Angaben der Hongkonger Regierung wurde die Omikron-Variante des Coronavirus von einem Reisenden aus Südafrika eingeschleppt, der sich seit seiner Ankunft am 11. November in einem Quarantäne-Hotel befand. Am 13. November wurde er dann positiv getestet. Es wird davon ausgegangen, dass der Mann trotz strenger Isolation einen 62-Jährigen (im gegenüberliegenden Zimmer des Quarantäne-Hotels angesteckt hat. Dieser wurde am 18. November während seines vierten PCR-Tests positiv getestet. In beiden Fällen wurde bei einer späteren Genomsequenzierung deutlich, dass sie sich mit der Omikron-Variante infiziert hatten.

Milde Verläufe in Südafrika

Die bis dato mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron infizierten Menschen in Südafrika sind laut der dortigen Medizinervereinigung SAMA bisher nicht schwer erkrankt. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium. In dem Land seien nur rund 24 Prozent der Menschen voll geimpft.

"Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen", sagte sie. Es handle sich nicht um Patienten, die direkt in ein Krankenhaus eingeliefert würden, sagte Coetzee dem Sender BBC. Dem "Telegraph" sagte sie, man müsse sich aber Sorgen machen, dass die neue Variante ältere Menschen, die zusätzlich an Diabetes oder Herzkrankheiten litten, viel härter treffen könnte. In Südafrika sind nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt.

Sie fügte hinzu, die Symptome der neuen Variante seien zwar ungewöhnlich, aber mild. Sie sei zum ersten Mal auf die Möglichkeit einer neuen Variante aufmerksam geworden, als Anfang November Patienten mit ungewöhnlichen Covid-19-Symptomen in ihre Praxis in Pretoria gekommen seien. Sie hätten unter starker Müdigkeit gelitten. Keiner von ihnen habe einen Geschmacks- oder Geruchsverlust beklagt. "Ihre Symptome waren so anders und milder als die, die ich zuvor behandelt hatte." Coetzee war den Angaben zufolge die erste südafrikanische Ärztin, die die Behörden am 18. November auf Patienten mit einer neuen Variante aufmerksam gemacht hatte.

Lob der USA für Südafrika

Die US-Regierung hat Handeln Südafrikas im Zusammenhang mit der Omikron-Variante des Coronavirus als vorbildlich gelobt. Außenminister Antony Blinken habe in einem Telefonat mit seinem südafrikanischen Amtskollegen Naledi Pandor insbesondere die Wissenschafterinnen und Wissenschafter in Südafrika für die schnelle Identifizierung der Omikron-Variante hervorgehoben, teilte das US-Außenministerium am Samstag mit.

Blinken habe auch die südafrikanische Regierung für ihre Transparenz bei der Weitergabe dieser Informationen gelobt. Dieses Verhalten sollte als "Vorbild für die Welt" dienen.

Moderna bastelt schon

Der Impfstoffhersteller Moderna hat indes bereits am gerade vergangenen Thanksgiving-Feiertag am Donnerstag mit der Arbeit an einem Impfstoff gegen die Omikron-Variante begonnen. Hunderte seiner Mitarbeiter hätten nach ersten Veröffentlichungen zur Mutante direkt an dem in den USA üblicherweise groß gefeierten Festtag angefangen, an einer entsprechenden Anpassung des Corona-Impfstoffs zu arbeiten, sagte der Chef des Pharmakonzerns, Paul Burton, am Sonntag in einem BBC-Interview. (apa, dpa, reuters)