Die Gesundheitsminister der führenden westlichen Wirtschaftsnationen (G7) sehen in einem breiten Zugang zu Impfstoffen eine zentrale Voraussetzung für den Kampf gegen die neue Corona-Variante Omikron. Es sei von "strategischer Relevanz", den Zugang zu Impfstoffen zu ermöglichen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung nach einer von Großbritannien einberufenen Schaltkonferenz der G7 am Montag. Zu der Gruppe gehören neben Großbritannien und Deutschland auch die USA, Frankreich, Italien, Japan und Kanada. 

In ihrer Erklärung traten die G7-Gesundheitsminister dafür ein, die Zusagen für Impfstoffspenden voranzubringen. Zugleich betonten sie, dass die Impfkampagnen in Entwicklungsländern beschleunigt werden müssten. Dazu solle es Hilfestellungen geben. Konkrete Zusagen gab es am Montag aber nicht. Auch die WHO sieht die Bekämpfung von Pandemien ohne eine gerechte Verteilung von Impfstoffen extrem erschwert. "Impfstoff-Gerechtigkeit ist kein Akt der Güte, sie ist im besten Interesse jedes einzelnen Landes", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf zum Auftakt einer Ministerkonferenz über einen künftigen Pandemievertrag.

Analyse könnte etliche Wochen dauern

 

Die Welt wird möglicherweise noch mehrere Wochen auf Gewissheit über die besorgniserregende neue Corona-Virusvariante Omikron warten. Die Analyse könnte Tage bis etliche Wochen in Anspruch nehmen, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Sonntagabend in Genf mit. Zuvor hatten immer mehr europäische Länder Omikron-Fälle bestätigt, auch aus Tirol wurde ein erster Verdachtsfall gemeldet. Am Wiener Flughafen wurden eigene Kontrollen veranlasst. 

Die WHO arbeitet nach eigenen Angaben mit technischen Partnern zusammen, um die Auswirkungen dieser Variante auf die bestehenden Gegenmaßnahmen wie Impfstoffe zu bewerten. Es sei noch unklar, ob die Omikron genannte Mutation leichter übertragbar verglichen mit anderen Covid-19-Varianten sei oder einen schwereren Krankheitsverlauf nach sich ziehe.

Omikron nun auch in Schweden bestätigt

Die Omikron-Variante ist mittlerweile auch in Schweden festgestellt worden. Das teilte die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten am Montagabend mit. Sie sei in einer etwas mehr als einer Woche alten Probe einer reisenden Person nachgewiesen worden, die sich kürzlich in Südafrika aufgehalten habe. Die Person stamme aus der südschwedischen Region Skåne. Es sei erwartet worden, dass die Variante auch in Schweden auftauchen werde.

Erstmals ist am Montag auch in Spanien ein Fall der neuen Corona-Variante Omikron nachgewiesen worden. Das teilte das Labor für Mikrobiologie des Krankenhauses Gregorio Marañón in Madrid am Montag auf Twitter mit. Es handle sich um einen Patienten, der aus Südafrika eingereist sei. Ihm gehe es soweit gut, schrieb das Labor weiter. Die Corona-Lage ist in Spanien wegen der relativ hohen Impfbereitschaft noch etwas entspannter als in zentraleuropäischen Ländern.

Viele Staaten haben wegen Omikron ihre Grenzen geschlossen oder lassen keine Reisenden aus Südafrika mehr rein.   
- © APA / AFP, GHARABLI

Viele Staaten haben wegen Omikron ihre Grenzen geschlossen oder lassen keine Reisenden aus Südafrika mehr rein.  

- © APA / AFP, GHARABLI

Bei in Deutschland gemeldeten Fällen handelt es sich um drei in Bayern und einen weiteren in Hessen bei Reiserückkehrern aus Südafrika. Am Sonntag waren zudem Verdachtsfälle in Essen und Düsseldorf gemeldet worden. Die zwei am Mittwoch über den Flughafen München eingereisten Passagiere befinden sich nach einem positiven PCR-Test in häuslicher Isolation. Eine Vollgenomsequenzierung soll nun Gewissheit bringen, ob es sich um die Omikron-Variante handelt. Bei einem weiteren Reiserückkehrer am Freitag wurde ebenfalls die Omikron-Variante festgestellt. In Hessen wurde Omikron im Fall des vollständig geimpften Reiserückkehrers, der über den Flughafen Frankfurt eingereist war, am Sonntag nachgewiesen. Auch Dänemark meldete zwei Omikron-Fälle.

Auch Großbritannien, Israel, Kanada, Belgien, Tschechien, die Schweiz und Italien meldeten Fälle. In den Niederlanden wurden bei 13 Reisenden Omikron-Infektionen festgestellt. 

Pandemie Thema bei EU-Außenministertreffen in Barcelona

Die EU-Außenminister und andere Vertreter der Union haben sich bei einem Treffen mit den südlichen Nachbarn der Union am Montag in Barcelona mit der Corona-Pandemie befasst. "Die Verwundbarkeit von uns Europäern ist offenkundig. Wir müssen solche globalen Bewährungsproben auch global bekämpfen", sagte der deutsche Europastaatsminister Michael Roth der dpa. Das setze voraus, dass Europa die Lage in den südlichen Nachbarregionen ins Blickfeld nehme.

"Wir können nur dann unsere Bürgerinnen und Bürger schützen, wenn wir auch unsere Nachbarn schützen, wenn es dort genügend Impfstoffe und erfolgreiche Strategien im Kampf gegen die Pandemie gibt", betonte Roth. Ein weiteres Thema des Treffens von 27 EU-Ländern und 15 Mittelmeeranrainern sei die Entwicklung hin zu einer ökologischen Wirtschaft gewesen. Wenn es Europa nicht gelinge, die Nachbarn einzubinden, dann werde es hier scheitern, warnte Roth.

Für US-Präsident Biden "kein Grund zur Panik"

US-Präsident Joe Biden hat angesichts der neuen Variante des Coronavirus vor übertriebener Angst gewarnt. Omikron sei "ein Grund zur Sorge, kein Grund zur Panik". Die Variante unterstreiche die Dringlichkeit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, inklusive einer Auffrischungsimpfung, so Biden. Die Experten gingen davon aus, dass die bisherigen Impfungen in gewissem Maß auch bei der neuen Variante vor schweren Krankheitsverläufen schützten, erklärte Biden weiter.

In Bezug auf die jüngst verhängten Beschränkungen für Einreisen aus den Ländern des südlichen Afrikas räumte Biden ein, diese könnten die Ankunft der Variante in den USA "nicht verhindern". Es werde "früher oder später" auch in den USA bestätigte Fälle geben. Die Beschränkungen dürften die Entwicklung aber verlangsamen und den Menschen damit mehr Zeit geben, sich impfen zu lassen, wie er weiter sagte. Falls es angesichts der neuen Variante neue Impfstoffe brauchen sollte, werde seine Regierung alles in ihrer Macht stehende tun, dies rasch zu ermöglichen, versprach Biden.

Viele Länder, darunter die USA, Australien, Großbritannien oder Israel, haben wegen Omikron wieder schärfere Reisebeschränkungen eingeführt. 
- © APA, afp, William West

Viele Länder, darunter die USA, Australien, Großbritannien oder Israel, haben wegen Omikron wieder schärfere Reisebeschränkungen eingeführt.

- © APA, afp, William West

Auch in Australien wurden zwei vollständig geimpfte Passagiere eines Flugs aus Südafrika positiv auf die Omikron-Variante getestet, wie die Gesundheitsbehörde des Bundesstaats New South Wales am Sonntag mitteilte. In Tschechien bestätigte ein Krankenhaus die Infektion einer aus Namibia eingereisten Patientin mit der neuen Variante. In Großbritannien wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei miteinander in Verbindung stehende Omikron-Fälle entdeckt.

Reisebeschränkungen

Zahlreiche Länder, darunter auch Österreich, Deutschland und weitere Mitgliedstaaten der EU, haben den Flugverkehr mit Südafrika und weiteren Ländern der Region beschränkt. Großbritannien und Israel gingen noch einen Schritt weiter und verschärften ihre generellen Einreiseregelungen. Wie der britische Premierminister Boris Johnson ankündigte, müssen künftig alle Einreisenden zwei Tage nach ihrer Ankunft in Großbritannien einen PCR-Test machen und sich bis zur Vorlage des Ergebnisses isolieren.

Israel wird seine Grenzen ab Sonntagabend erneut komplett für Ausländer schließen. Ausnahmen müssten von einem Sonderkomitee genehmigt werden, teilte das Büro von Ministerpräsident Naftali Bennett mit. In Israel wurde bisher ein Omikron-Fall bei einem Rückkehrer aus Malawi bestätigt.

Während sich die Philippinen gegen sieben europäische Länder, darunter Österreich, mit einem Lande- und Einreiseverbot abschotteten, griff Marokko zu einer noch radikaleren Maßnahme. Um die Einschleppung der neuen Variante zu verhindern, werden ab Montag alle Flugzeuglandungen für zwei Wochen komplett untersagt.

Guterres besorgt über die Isolierung der Länder im südlichen Afrika

UNO-Generalsekretär António Guterres hat die südafrikanische Regierung am Montag für frühzeitige Informationen in Hinblick auf die neue Coronavirus-Variante Omikron gelobt - und gleichzeitig vor einer Isolation des südlichen Afrikas durch Reisebeschränkungen gewarnt. "Ich lobe die Regierung sowie die Wissenschafts- und Gesundheitsbehörden Südafrikas dafür, dass sie früh gehandelt haben, das Aufkommen einer neuen Coronavirus-Variante zu identifizieren", sagte Guterres am Montag.

"Jetzt bin ich zutiefst besorgt über die Isolierung der Länder im südlichen Afrika wegen der neuen Reisebeschränkungen." Niedrige Impfquoten könnten zu neuen Virus-Varianten führen, davor hätten er und andere schon lange gewarnt, erklärte Guterres in New York weiter. "Die Menschen in Afrika können nicht für das unmoralisch niedrige Level von vorhandenem Impfstoff in Afrika verantwortlich gemacht werden - und sie sollten nicht dafür bestraft werden, dass sie wichtige Wissenschafts- und Gesundheitsinformationen identifiziert und mit der Welt geteilt haben." Guterres rief Regierungen weltweit auf, noch einmal darüber nachzudenken, ob nicht Tests und andere Maßnahmen für Reisende auch möglich wären, um Ansteckungen zu verhindern, aber Reisen und Handel weiter möglich zu machen. (apa, dpa, reuters)