Die Coronavirus-Variante Omikron ist offiziell in Österreich angekommen: "Im Gesundheitsministerium liegen jetzt sämtliche Ergebnisse vor, die es für eine Bestätigung braucht", hieß es aus dem Ressort. Bei einem Fall aus Tirol handelt es sich "mit Sicherheit" um die Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529. Am Wiener Flughafen wurden eigene Kontrollen veranlasst. Österreichische Reiserückkehrer aus Ländern im Süden Afrikas müssen einen negativen PCR-Test vorweisen und eine bis zu zehntägige Quarantäne antreten. Das Bundesheer kontrolliert und hat dabei Umsteige-Flughäfen im Blick. Es sei wichtig, "jetzt vorsichtig zu sein und die Schutzmaßnahmen einzuhalten", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne).

Wie am Abend bekanntwurde, sind auch die beiden Personen im Haushalt des Reiserückkehrers aus dem Bezirk Schwaz in Tirol positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer ging im Interview mit dem ORF Tirol davon aus, dass es sich bei den Tiroler Fällen "zu über 95 Prozent" um die Omikron-Variante handeln dürfte. Die Detail-Sequenzierungen liefen noch, informierte das Land. Von Laer empfiehlt im Interview mit der Zib2, dass bei eventuellen Lockerungen des Lockdowns zumindest die Nachtgastronomie und Großveranstaltungen ohne Sitzplätze weiterhin zur Virusbekämpfung ausgesetzt bleiben - bis die ab Februar geplante Impfpflicht greift.

Bei den Verdachtsfällen in Österreich handelt es sich um Personen, die von Reisen aus Ländern im südlichen Afrika zurückgekehrt sind. 
- © AFP / Phill Magakoe

Bei den Verdachtsfällen in Österreich handelt es sich um Personen, die von Reisen aus Ländern im südlichen Afrika zurückgekehrt sind.

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Tirol fordert zu PCR-Testungen nach Reisen im Süden Afrikas auf

"Ein Familienmitglied war bereits behördlich abgesondert. Das zweite Familienmitglied, das mit dem behördlich abgesonderten Familienmitglied in einem Haushalt lebt, begab sich bereits am Wochenende vorsorglich weitestgehend in freiwillige Isolation", führte Elmar Rizzoli, Leiter des Einsatzstabes Corona in Tirol, aus. Beide Personen hätten leichte Symptome und seien geimpft. Die Impfung liege bereits mehrere Monate zurück.

Die Tiroler Behörden hatten den ersten Verdachtsfall am Samstagabend bekanntgegeben. Von der Infektion betroffen sei eine Person, die nach einer Südafrika-Reise positiv auf Covid-19 getestet wurde und derzeit keine Symptome aufweise. Hinsichtlich weiterer Maßnahmen - wie etwa Ausreisekontrollen - wurde vom Land Tirol auf APA-Anfrage auf Vorgaben des Bundes verwiesen. Seit Samstag gilt ein Landeverbot für Flugzeuge aus Südafrika, zudem muss ein negativer PCR-Test vorgewiesen und eine Quarantäne absolviert werden.

Das Land Tirol forderte alle Personen, die in den vergangenen 14 Tagen aus den Ländern Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini zurückgekehrt sind, auf, einen PCR-Test zu machen. Dies sollte am fünften und zehnten Tag nach der Einreise wiederholt werden. Bisher meldeten sich 31 Menschen. "Neben dem genannten einen positiven Ergebnis liegt für 20 Personen bereits ein negatives Testergebnis vor, bei elf Personen sind die Testungen aktuell im Gange", hieß es.

Weitere Verdachtsfälle in Österreich

Gleichzeitig mehren sich die Verdachtsfälle auch in anderen Bundesländern. Montagmittag gab es einen neuen Omikron-Verdachtsfall in Vorarlberg. Die betroffene Person sei von einer Reise aus dem südlichen Afrika zurückgekehrt. Nach der Bestätigung des Antigentests durch einen PCR-Test ging es um die Bestimmung. Dafür muss die Ages in Wien eine Sequenzierung der Probe vornehmen. Wenig später meldete auch Oberösterreich ein ersten Verdachtsfall, im Laufe des Montags kam noch ein zweiter hinzu. Am Nachmittag folgte schließlich in erster Verdachtsfall in Salzburg. 

Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) hat am Montagabend mit EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen telefoniert. Die beiden seien sich einig gewesen, dass allein die Impfung der Pandemie ein Ende bereiten werde. Darüber hinaus sei es besonders in der jetzigen Situation unerlässlich, genau zu sequenzieren und Kontakte lückenlos zurückzuverfolgen. "Alle von uns haben es in der Hand, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, indem wir uns impfen lassen und so nicht nur uns, sondern auch unsere Lieben schützen", sagte Schallenberg.

Nach Oberösterreich auch Verdachtsfälle in Vorarlberg und Salzburg

Schon zu Mittag hatte die Infektion in Vorarlberg mit dem Coronavirus als sehr wahrscheinlich gegolten, da die Person entsprechende Symptome aufweise, sagte Florian Themeßl-Huber, der Leiter der Vorarlberger Landespressestelle. Ob es sich tatsächlich um die Omikron-Variante handelt, könne man aber erst nach der entsprechenden Analyse durch die Ages sagen. Nach einem Aufruf der Landesregierung hätten sich zwischen zehn und 15 Reiserückkehrer aus dem südlichen Afrika gemeldet. Bei allen wurde ein Antigentest durchgeführt. Die Reiserückkehrer befinden sich ausnahmslos in zehntägiger Quarantäne.

In Oberösterreich sind am Montag zwei Omikron-Verdachtsfälle gemeldet worden. Es handelt sich laut Landes-Krisenstab um eine Person, die aus Südafrika heimgereist ist, und um einen Namibia-Rückkehrer bzw. eine Rückkehrerin. Die Ages muss aber hier noch abklären, ob es sich tatsächlich um die neue Variante handelt. Details zu den Personen wurden aus Datenschutzgründen nicht bekanntgegeben.

Auch ein Labor in Salzburg meldete einen ersten Verdachtsfall an die Gesundheitsbehörden. Die positive Probe stamme von einem Wiener, der am Freitag mit dem Flugzeug aus Südafrika heimgekehrt ist. Der Mann hatte sich offenbar an seinem Zweitwohnsitz in einer Teststraße einem PCR-Test unterzogen. Die Probe wurde darum in Salzburg ausgewertet und zeigte Auffälligkeiten. "Es gibt derzeit keine Kenntnis darüber, dass es Kontaktpersonen hier bei uns in Salzburg gibt. Das überregionale Contact Tracing der Ages ist voll angelaufen, da die Flugpassagiere kontaktiert werden müssen", erklärte Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz. Eine Freitestung sei dabei weder für Indexperson noch für Kontaktpersonen möglich. "Ähnlich wie die Delta-Variante wird auch die Omikron-Variante vermutlich nicht aufzuhalten sein. Wir können ihre Ausbreitung bestenfalls verlangsamen. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sie ansteckender sein könnte".

Virologe Drosten "ziemlich besorgt"

Der deutsche Virologe Christian Drosten sagte am Sonntagabend im "heute journal" des ZDF, er sei wegen der Variante "ziemlich besorgt". Man wisse nicht allzu viel über sie. Berichte über milde Verläufe hätten noch nicht sehr viel Substanz angesichts von nur gut 1000 Fällen, so Drosten. Hier müsse man die klinischen Verläufe abwarten. Man sehe aber, dass sie häufig bei jungen Leuten in Südafrika auftauche und auch Menschen betreffe, die eine Erkrankung schon hinter sich haben. Er habe die Sorge, dass man die erste wirkliche "Immunfluchtmutante" vor sich habe.

"Im Moment ändern sich die Parameter der Pandemie komplett. Alles, was kürzlich noch gegolten hat, ist anders", sagt der Molekularbiologe Ulrich Elling vom Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Daten aus Südafrika zu den Sars-CoV-2-Neuinfektionen "weisen auf eine Vervierfachung der Infektionsfälle pro Woche hin".

Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer empfiehlt, mit der Booster-Impfung "auf keinen Fall" bis zur Einführung eines Omikron-optimierten Impfstoffes zu warten. Möglicherweise müsse ein angepasster Impfstoff zu einer "weiteren Auffrischung" herangezogen werden, meinte von Laer im APA-Interview. Nun gelte es, die Situation zu beobachten, achtsam zu sein und "Typisierungsanstrengungen" wieder hochzufahren. Momentan könne man noch nicht "von Südafrika auf uns schließen". (apa, dpa, Reuters)