Wien ist anders - während man in den anderen Bundesländern an Belastungsgrenzen stößt und überlegt, wieder verstärkt auf Antigen-Tests zurückzugreifen, erweitert die Bundeshauptstadt ihre Testkapazitäten: Am Freitag wurden zwei zusätzliche Pavillons für Labor und Logistik auf dem Areal der Klinik Penzing eröffnet. Damit können täglich 800.000 Tests von Lifebrain analysiert werden, um für den Bedarf bei der stark ansteckenden Variante Omikron gerüstet zu sein. Das Beratungsgremium Gecko tritt auf jeden Fall weiter für möglichst breites Testen auf das Coronavirus ein. Einen diesbezüglichen Strategiewechsel - in den vergangenen Tagen hatten bekannte Mediziner wie die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl und der Infektiologe Günter Weiss das breite Testen insgesamt infrage gestellt - gebe es nicht, wurde am Freitag betont.

In Wien wurde Anfang Dezember der Umbau im ehemaligen Otto-Wagner-Spital begonnen. Die Pavillons 9 und 15 wurden generalsaniert und in eine Hightech-Labor- und Logistikeinrichtung umgebaut. Dazu musste die Infrastruktur generalüberholt werden. Rund 237 Kilometer Datenleitungen und 182 Kilometer Stromkabel wurden verlegt, eine eigene 800 Kilovoltampere-Trafostation samt 700-Kilovoltampere-Notstromaggregat wurden durch die Wiener Netze installiert und die für den Laborbetrieb notwendige hygienisch reine, keimfreie Atmosphäre geschaffen, gab Lifebrain in einer Aussendung bekannt.

500 neue Mitarbeiter

In Pavillon 15, dem nun zweiten Lifebrain-Labor-Pavillon, wurden 55 neue Pipettierroboter und 84 PCR-Analysegeräte eingebaut. Ein Testbetrieb läuft dort seit Ende Dezember. In Pavillon 9, der mit Ende Jänner fertiggestellt wird, ist ein weiteres Logistikzentrum untergebracht. Die Räumlichkeiten wurden für die möglichst rasche und effiziente Vorbereitung der eingelangten Proben zur Analyse - das heißt Auspacken, Sichtprüfung, Scannen, Registrierung, thermische Inaktivierung - umgebaut.

Zusätzlich wurden in den vergangenen zwei Monaten mehr als 500 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt und eingeschult. Somit sind aktuell insgesamt knapp 1.700 Beschäftigte aus 54 Nationen bei Lifebrain. In den nächsten Wochen werden 250 weitere eingestellt. Die zusätzlichen Kapazitäten decken laut dem Unternehmen seit Montag die Gurgeltests an den Wiener Volks- und Sonderschulen ab. Auch die Ausweitung des Wiener "Alles gurgelt!"-Programms sowie Testprogramme für andere Bundesländer - etwa die PCR-Teststraßen in Salzburg, Apotheken in Niederösterreich, "Alles gurgelt!" für Unternehmen in Oberösterreich - sind damit abgedeckt.

"Bereits früh im Jahr 2020 hat sich die Bundeshauptstadt Wien dazu entschlossen, eine offensive PCR-Teststrategie zu fahren. So können wir positive Fälle frühzeitig aus dem Infektionsgeschehen nehmen, noch bevor es zu größeren Clusterbildungen kommt und nur so schaffen wir ein breites und präzises Virusvariantenmonitoring", sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) anlässlich der Eröffnung. "Nirgendwo auf der Welt kommen Bürgerinnen und Bürger so schnell und so einfach zu einem PCR-Test wie in Wien." In der Bundeshauptstadt würden in etwa so viele PCR-Tests durchführen wie in ganz Deutschland, so Hacker.

Ziel, Ostregion abzudecken

"Im Vordergrund unserer Bemühungen steht die Vision, dem Osten des Landes flächendeckend eine qualitativ hochwertige, rasche und stabile Analyse von PCR-Tests zu garantieren", sagte Lifebrain-Geschäftsführer Michael Havel. "Mit dem substanziellen Ausbau von Labor und Logistik können wir für unseren wichtigsten Partner, die Stadt Wien, auch große Mengen an zusätzlichen PCR-Analysen für neue Zielgruppen wie zum Beispiel die Wiener Schulen ermöglichen. Darüber hinaus können wir der gesamten Ostregion zuverlässige und zeitnahe PCR-Testergebnisse anbieten." Entsprechende Gespräche gebe es etwa mit Niederösterreich. "Dort analysieren wir bereits seit Mitte November die PCR-Tests zahlreicher Apotheken", erklärte Havel.

Laut Generalmajor Thomas Starlinger, der in der Gecko-Untergruppe zum Testen sitzt, stoße man bei den PCR-Tests in anderen Bundesländern an die Belastungsgrenzen. Dort werde man gezwungen sein, Schwerpunkte zu setzen - und zwar im Pflegebereich, den Schulen und der kritischen Versorgung.