Mit dem Voranschreiten des Gesetzes zur Impfpflicht tauchte plötzlich eine Gruppe von Ärztinnen und Ärzten in der Öffentlichkeit auf, von der viele zuvor noch nie gehört hatten: die Epidemieärzte. Denn Befreiungsatteste von der Impfpflicht für Personen, die "nicht ohne Gefahr für Leben oder Gesundheit", wie es im Gesetzesentwurf heißt, immunisiert werden können, oder bei denen aus medizinischen Gründen keine erfolgreiche Impfung durchführbar ist, dürfen nicht wie ursprünglich vorgesehen alle Hausärzte und diverse Fachärzte ausstellen. Stattdessen sollen das nur drei Gruppen von Medizinerinnen und Medizinern dürfen: Amtsärzte, fachlich geeignete Ambulanzärzte in Krankenhäusern und eben Epidemieärzte.

"Falls bei Auftreten einer anzeigepflichtigen Krankheit die in den betroffenen Gebieten zur Verfügung stehenden Ärzte, in erster Linie die Gemeinde- und Distriktärzte, zur wirksamen Bekämpfung der Krankheit nicht ausreichen, können für die Dauer des Bedarfes Epidemieärzte bestellt werden", heißt es dazu in Paragraf 27 Epidemiegesetz. Epidemieärzte sollen also in gesundheitlichen Ausnahmesituationen wie eben einer Epidemie oder Pandemie die überlasteten Amtsärzte in den Bezirken und Ländern unterstützen.

Die Funktion der Epidemieärzte ist keine Neuerung, die erst aus der Corona-Pandemie hervorgegangen wäre. Schon beim ursprünglichen Inkrafttreten des Epidemiegesetzes 1950 war eine Regelung zur Bestellung von Epidemieärzten durch die Behörden bereits enthalten. Eine Änderung gab es bei der Bestimmung aber während der Corona-Pandemie: Die Ermächtigung zur Bestellung von Epidemieärzten wurde auch auf die Landeshauptleute ausgeweitet. Sie können Medizinerinnen und Mediziner hinzuziehen, wenn sie auf dem gesamten Gebiet des Bundeslandes tätig sein sollen.

Drängen auf Ausnahmen beim Impfen wird zunehmen

Wie viele Epidemieärzte aktuell in Österreich tätig sind, können auf Anfrage der "Wiener Zeitung" weder das Gesundheitsministerium noch die Ärztekammer beantworten. Weil die Bestellung der Pandemieärzte in die Kompetenz der Länder falle, habe man keine Zahlen, heißt es von der Ärztekammer. Auch Schätzungen, wie viele zusätzliche Mediziner gebraucht werden könnten, geben weder Ministerium noch Kammer ab.

Fest steht: Die rund 250 Amtsärzte, die derzeit in ganz Österreich tätig sind, sind in der Pandemie überlastet. Die sich aufbauende Omikron-Welle wird deren Auslastung ebenso noch weiter verstärken, wie das geplante Inkrafttreten der Impfpflicht Anfang Februar. Denn das Drängen zahlreicher Patientinnen und Patienten auf Ausnahmeatteste hatte sich bereits mit Ankündigung der Impfpflicht massiv verstärkt. Um den nun noch zunehmenden Druck auf die Amtsärzte und Spezialambulanzen abzufedern, wird es wohl eine größere Zahl an Epidemieärzten brauchen.

Grundsätzlich kann jeder Arzt Epidemiemediziner werden. Eine bestimmte Facharztausbildung wird nicht vorausgesetzt, wohl aber ein abgeschlossenes Medizinstudium beziehungsweise eine abgeschlossene Ausbildung zum Arzt/zur Ärztin für Allgemeinmedizin (jus practicandi).

Hohe Arbeitslast durch Absonderungsbescheide

Worin genau der Aufgabenkatalog der Epidemieärzte besteht, das kann die jeweilige Behörde bzw. das jeweilige Bundesland selbständig festlegen, wie die Ärztekammer betont. Einen Einblick in mögliche Tätigkeitsbereiche während der Corona-Krise geben aber etwa die bereits bestehenden Ausschreibungen der Bundesländer Kärnten und Niederösterreich.

"Kontaktpersonen ermitteln", "Suchen der Ansteckungsquelle", "Beurteilung der Covid-19-Fälle" und "Einteilung der Kontaktpersonen" steht etwa in der niederösterreichischen Ausschreibung. Vergütet wird das den Ärzten demnach mit 33 Euro pro halber Stunde. Auch in Kärnten klingt das ähnlich: "Verifizierung des Verdachtes", "Ausspruch von Absonderungs- und Aufhebungsbescheiden" und "Belehrung der betroffenen Person(en) über richtiges Verhalten in der Absonderung" werden in der Ausschreibung als Aufgabengebiete für die Ärzte genannt. Gehalt laut Ausschreibung: 100 Euro brutto pro Stunde.

In Wien sind aktuell 463 Pandemieärzte tätig, heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) Der hohe Bedarf komme vor allem durch die Absonderungen zustande, die die Hauptaufgabe der Epidemiemediziner darstelle. Sie seien sowohl in Teststraßen vor Ort, als auch bei der Corona-Hotline 1450 im Hintergrund zugegen, um die Absonderung von Infizierten auszusprechen. "Wenn beim Infektionsgeschehen viel los ist, braucht es also auch viele Pandemieärzte", heißt es gegenüber dieser Zeitung.