Schrittweise wird die Pflicht für Volksschüler, im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen ab kommender Woche gelockert. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) wies am Mittwoch nach dem Ministerrat darauf hin, dass das Ziel sei, "schrittweise zurück zur Normalität" zu kommen - und zwar in Abstimmung mit Experten.

Komplexitätsforscher: Eine Maßnahme weniger

Diese Abstimmung ist nicht immer leicht. Eine Studie von Komplexitätsforschern zu einem Simulator für die Auswirkungen verschiedener Corona-Präventionsmaßnahmen zeigte vergangene Woche, dass an Volksschulen und Unterstufen mit ungeimpften Kindern und zu 80 Prozent geimpften Lehrern eine infizierte Person im Schnitt weniger als eine weitere ansteckt, wenn gelüftet wird, Masken getragen und die Klassen verkleinert werden. Dies alles noch unter der Annahme, dass man es mit der Delta-Variante des Virus zu tun hat.

Erste Berechnungen mit der Omikron-Variante, die nicht in der Arbeit enthalten sind, zeigten zwar durch die hohe Infektiosität ein anderes Bild. So bräuchte es an den meisten Schulen noch das gesamte Bündel an Maßnahmen mit Tragen von Masken, regelmäßigem Lüften und Testen von Schülern und Lehrern oder die Halbierung der Präsenz in den Klassen. Doch: "Nur Volksschulen können eine Maßnahme weglassen, zum Beispiel das Teilen von Klassen", erklärte die mittlerweile an der Technischen Universität (TU) Graz tätige Erstautorin Jana Lasser. Bildungsminister Polaschek setzt darauf, die Masken fallen zu lassen.

Andreas Bergthaler, Gecko-Mitglied und Professor für Molekulare Immunologie an der MedUni Wien, schrieb auf Twitter, dass "In Abstimmung mit Gecko" nicht gleichzusetzen sei mit einer "uneingeschränkter Empfehlung".

Diese Lockerung geht dem Niederösterreichischen Landesverband der Elternvereine zu wenig weit. In einer Aussendung erinnert der Verband an seine Forderung, dass analog zum Restaurantbesuch keine Maske in der Klasse notwendig sein soll. Auch dem SOS-Kinderdorf ist der Entfall der Maskenpflicht zu wenig, hier wird vor allem dringend eine Anpassung der Quarantäneregelung für Bildungseinrichtungen gefordert.

Mikrobiologe: "Schritt verfrüht"

Für den Mikrobiologen Michael Wagner von der Uni Wien hingegen, der für die Gurgelstudie an den Schulen verantwortlich war, ist diese Lockerung nicht nachvollziehbar. Er erwartet sich dadurch ein gesteigertes Infektionsrisiko für die Kinder. "Bis Ostern warten wäre besser gewesen", so Wagner.

"Bei Höchstinzidenzen diesen Schritt zu setzen, ist ein seltsames Signal", zeigt der Wissenschafter sich im Gespräch mit der APA über die Lockerungen erstaunt. Schon jetzt seien die Infektionszahlen in der (zu einem Gutteil ungeimpften) Altersgruppe der Schüler hoch und durch den teilweisen Wegfall der Maskenpflicht "werden sich sicherlich mehr Kinder anstecken als mit Masken", betont Wagner. Diese seien immerhin eine äußerst wirksame Maßnahme gegen Ansteckungen, selbst wenn sie in diesen Altersgruppen nicht immer richtig getragen würden. (red, apa)