Es fehlt an allen Ecken und Enden", sagt Arbeiterbetriebsrat Michael Gruber am Med-Campus des Kepler Universitätsklinikums in Linz. "Wir brauchen Leute, die putzen, die kochen, die waschen, sonst müssen wir uns am Ende noch nackert hinstellen." - "Die Politik muss endlich kapieren, dass ihr Leuchtturmprojekt in einer dringenden massiven Misere steckt und sie dringend etwas tun muss", ergänzt Helmut Freudenthaler, Angestelltenbetriebsratsvorsitzender: "Meine Kolleginnen und Kollegen können nicht mehr."

Die dramatischen Worte fallen aber weniger wegen der aktuellen Belastungen in Spitälern, sondern vielmehr wegen genereller Engpässe. "Es ist eine Trias aus Urlauben, Krankenständen und offenen Stellen, die wir nicht wunschgemäß besetzen können", sagt auch Tilman Königswieser, ärztlicher Direktor des Salzkammergut-Klinikums und Mitglied des oberösterreichischen Krisenstabs Der Unterschied ist aber: Königswieser und andere Vorgesetzte erhoffen sich vom ab 1. August möglichen Arbeiten Corona-Positiver eine Entlastung der angespannten personellen Lage. Freudenthaler sagt dagegen: "Das funktioniert nicht, dass die Leute permanent FFP2-Maske tragen. Und wir haben zu wenig Platz, dass Positive extra Pause machen können."

Noch aber wissen beide nicht, wie Gesundheitsminister Johannes Rauchs Verordnung zum Quarantäne-Aus für Symptomlose in Oberösterreichs Krankenhäusern nach dem 1. August umgesetzt werden wird. "Wenn die Welt untergeht, fahr vorher nach Oberösterreich, da steht sie noch länger, wir erfahren sicher als Allerletzte, was kommt", sagt Freudenthaler. Laut Königswieser wird sich das allerdings am Freitag klären - "für den Herbst", denn: "Sofern man den Prognosen glauben schenken kann und zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung gleichzeitig infiziert sein sollten, bin ich mir nicht sicher, ob wir es uns dann leisten können, auf Kolleginnen und Kollegen zu verzichten."

Mit Covid im Spital statt wegen

Martin Zuba, der sich als einer der Systemanalysten der "Gesundheit Österreich" mit der Hospitalisierung von Covid-19-Erkrankten auseinandersetzt, sagt: "Im Moment gibt es - anders als in der Delta-Welle - keine Konkurrenz zwischen der Covid-19 und der regulären Versorgung in Spitälern." Dafür sei der Spitalsbelag zu niedrig. Bei aktuell 104.105 Sars-CoV-2-Positiven befinden sich laut Innenministerium 1.662 im Krankenhaus, 98 auf Intensivstationen.

Und: "Ein größerer Teil ist nicht wegen Covid, sondern mit im Krankenhaus. Dieser Trend ist schon seit längerem in der Omikron-Welle beobachtbar." Bei 56 Prozent der stationären Aufenthalte ist Covid-19 die Hauptdiagnose; im gesamten Pandemieverlauf waren es 71 Prozent. Mit Corona-assoziierten Hauptdiagnosen, also Erkrankungen, die durch das Virus ausgelöst wurden wie etwa Lungenentzündungen, sind jetzt 61 bis 70 Prozent im Spital; seit Pandemiebeginn waren es 76 bis 82 Prozent.

Chronische Personalengpässe

Bei den 7.000 Beschäftigten des Kepler Uni-Klinikums in Linz, des mit 1.830 Betten nach dem Wiener AKH zweitgrößten Krankenhauses Österreichs, ist laut Freudenthaler aber mittlerweile "die Luft heraußen". Mit immer mehr Aufgaben wie Lehre und Forschung, dazu mehr Älteren, also auch mehr Versorgung Erkrankter sei die Belastung schon vor der Pandemie stark angewachsen.

Mit Corona gab es noch mehr Überstunden. Wartelisten bei Operationen habe es schon vor der Pandemie gegeben, "jetzt ist es halt eskaliert". Seit 2017 habe es 25 Überlastungsanzeigen, die am Med-Campus "Situationsdarstellungen" heißen - also Situationen, wo Beschäftigte befürchten, dass Patienten zu Schaden kommen können oder die Qualität nicht mehr gewährleistet werden kann, gegeben "Sollten wir nicht zumindest zwei Wochen Erholungsurlaub machen können, ohne die Dienste vorher oder nachher einzuarbeiten, gibt es im September Warnstreiks", sagt Freudenthaler. Das haben er und weitere 700 Beschäftigte der fünf Standorte des Linzer Klinikums bei einer Betriebsversammlung am 21. Juni bereits einstimmig beschlossen.

Personalnot gibt es auch im Salzkammergut-Klinikum, auch da würden 50 bis 70 Pflegekräfte sowie Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie sofort eingestellt werden, sagt Königswieser. Ausfälle wegen Corona seien im Moment nicht das größte Problem. Operiert werde weniger wegen Urlauben. Das Quarantäne-Aus werde deshalb auch durchdacht: "Es geht darum, dass wir im Herbst nicht wieder Operationssäle sperren müssen."

Voranpreschende Salzburger

Während die Lage noch in vielen Bundesländern unklar ist, behalten sich Vorarlbergs Spitäler vor, bei Personalausfällen, die die Versorgung gefährden, Covid-Positive herauszuziehen, sofern "symptomlos und arbeitsfähig". Salzburgs Landeskliniken (Salk) preschten voran: Positiv getestet Beschäftigte ohne Symptome müssen am Montag mit FFP2-Maske regulär zum Dienst erscheinen. Jene mit Patientenkontakt hätten aber "für die Dauer der Verkehrsbeschränkung keinen Kontakt zu diesen", hat SalkSprecher Wolfgang Fürweger gegenüber der APA bereits versichert. Salk-Zentralbetriebsratsvorsitzender Alexander Stampfer sagt allerdings: "In der Verwaltung wird das funktionieren, beim Ablauf auf den Stationen kann ich mir das nur schwer vorstellen. Dafür sind die Räumlichkeiten viel zu beengt."