Ein gegen Sars-CoV-2/Omikron effektiver wirkender Impfstoff gegen Covid-19 sollte - neben den ursprünglich verwendeten Antigenen (Wild-Typ/Wuhan) - am besten ein Antigen des Omikron-Subtyps BA.2 enthalten. Damit kann nämlich auch ein Schutz gegen BA.4 und BA.5-Subtypen der Covid-19-Erreger erreicht werden. Das haben Wissenschafter des mRNA-Vakzine-Entwicklers BioNTech (Mainz) jetzt in einer wissenschaftlichen Arbeit geklärt.

Alexander Muik und die Co-Autoren vom deutschen Biotech-Unternehmen, das zusammen mit dem US-Konzern Pfizer durch die Entwicklung der ersten mRNA-Vakzine den Durchbruch geschafft haben, veröffentlichten ihre Arbeit als Preprint noch vor der Peer-Review-Begutachtung.

Sie führten umfangreiche Tests auf das Virus-Neutralisationspotenzial von Plasmaproben (Antikörper) nach Impfung und/oder Durchbruchsinfektionen durch. Eine Haupterkenntnis, wie die deutsche Pharmazeutische Zeitung online berichtete: "Wer mit dem mRNA-basierten Coronaimpfstoff ‚Comirnaty‘ (BioNTech/Pfizer) grundimmunisiert ist und danach an einer Omikron-BA.1-Durchbruchsinfektion erkrankt, entwickelt in der Folge eine starke Serumneutralisierungsaktivität gegen die Omikron-Varianten BA.1 und BA.2 sowie gegen frühere besorgniserregende Sars-CoV-2-Varianten." Gegen die hochansteckenden Omikron-Sublinien BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 schütze eine Omikron-BA.1-Durchbruchsinfektion aber kaum.

Bessere Kreuzreaktivität

Dies sei verständlich, weil BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 bezüglich ihrer Proteine (Antigene) nur eine geringe Nähe zu BA.1 hätten. Die drei Virusvarianten seien offenbar aus BA.2-Viren durch Mutation entstanden. Dies lege nahe, dass Patienten, die eine BA.2-Durchbruchsinfektion durchgemacht hätten, auch einen gewissen Schutz gegen die Omikron-Varianten BA.2.12.1 und BA.4/BA.5 aufbauen. Die Forscher testeten diese Hypothese, die sich schließlich als richtig herausstellte.

Der Grund für die bessere Kreuzreaktivität nach einer Infektion mit BA.2 liegt offenbar darin, dass die Betroffenen speziell Antikörper gegen ein Ende des Spike-Proteins bilden, die bei BA2, BA.4 und BA.5 ähnlich aufgebaut, also "konserviert" ist. Eine BA.1-Durchbruchsinfektion nach Impfung hingegen führt hauptsächlich zu Antikörpern gegen die Rezeptor-Bindungsteile des Spike-Proteins. Diese aber unterscheiden sich stark zwischen BA.1, BA.4 und BA.5, was kaum zu einer Kreuzimmunität führt.

"Diese Ergebnisse sind von großer Bedeutung für die Entwicklung von angepassten Impfstoffen und legen nahe, dass ein angepasster Impfstoff eventuell besser eine BA.2- als eine BA.1-Komponente enthalten sollte", hieß es in der Apothekerzeitschrift. Die demnächst vermutlich auf den Markt kommenden adaptierten Covid-19-Vakzine werden wohl alle zumindest zwei Antigenkomponenten enthalten: eine gegen den Wild-Typ und eine, welche gegen die aktuell zirkulierenden Varianten schützen.

Sehr "enge" Immunreaktion

Erst kürzlich haben Forscher des Zentrums für Virologie der MedUni Wien in einer Publikation in "Frontiers of Immunology" gezeigt, dass eine alleinige Infektion mit BA.1 oder BA.2 jeweils nur eine sehr "enge" Immunreaktion gegen den jeweils für die Erkrankung verantwortlichen Virus-Subtypen hervorruft. Im Endeffekt unterstützten auch diese Forschungsergebnisse den Plan, in zukünftigen Vakzinen sowohl Sars-CoV-2-Wild-Typ-Antigene als auch solche von Omikron aufzunehmen. Laut den BioNTech-Wissenschaftern offenbar am ehesten Antigene des BA.2-Subtyps.