Sie haben die noch ungesicherte Finanzierung angesprochen. Von welchen Beträgen reden wir hier?

Es geht um einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag, den wir jährlich investieren wollen und müssen. Wenn wir unser Bildungssystem auf die Chancen und Herausforderungen des digitalen Zeitalters ausrichten wollen, führt daran kein Weg vorbei.

Wann soll diese Digitalisierung der Klassen über alle Schultypen hinweg abgeschlossen sein?

Wir setzen das schrittweise um, anders wäre es auch gar nicht möglich, und konzentrieren uns zunächst auf die Sekundarstufe 1. Es geht auch darum, eine gewisse Balance zu finden, deshalb setzen wir in der Volksschule bewusst noch auf eine traditionelle Form der Wissensvermittlung und die Stärkung sozialer, didaktischer und motorischer Kompetenzen der Kinder, wir schieben – wenn Sie so wollen – nicht gleich alles auf die digitalen Fähigkeiten. 2022, also am Ende dieser Legislaturperiode, wollen wir die Digitalisierung der Sekundarstufe 1 abgeschlossen haben.

Wie wird sich durch diesen Prozess die Rolle und die Stellung des Lehrers, der Lehrerin im Klassenzimmer verändern, die in den letzten Jahrzehnten einen rasanten Wandel durchlebte? Was ist Ihr politisches Leitbild für die Rolle der Lehrenden?

Die Rolle der Lehrer und Lehrerinnen hat sich gleich doppelt verändert: Früher waren sie viel stärker als heute Autoritäten und Respektpersonen für die Schülerinnen und Schüler, das hat sich längst in Richtung Partnerschaftlichkeit verschoben. Und dann ist die Breite der Wissens- und Kompetenzvermittlung zu beachten. Der klassische Fachlehrer, der früher ausschließlich etwa Mathematik unterrichtete, tut dies zwar weiter, aber heute kommt noch die soziale und pädagogische Betreuung hinzu. Außer der Vermittlung von Fachwissen müssen Lehrerinnen und Lehrer verstärkt einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler leisten.

Das ist in der Theorie leicht gesagt, lässt sich aber im Schulalltag oft schwer umsetzen; an Brennpunktschulen, wo gesellschaftliche Konflikte nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit Migration besonders deutlich zutage treten, zeigt sich, dass das Schulsystem mit diesen Anforderungen überfordert wird und die Lehrer mit den Problemen alleingelassen werden.

Diese Gefahr sehe ich. Wir tragen sehr viel an die Schulen heran und betrachten diese mitunter als Reparaturinstanz für sämtliche Probleme einer Gesellschaft. Das ist eine Überforderung und die müssen wir auch abwehren. Wenn heute alle möglichen Fragen von Gewalt bis zu politischem oder religiösem Extremismus an die Schulen delegiert werden, dann müssen verantwortungsvolle Kolleginnen und Kollegen manchmal eben deutlich sagen: "Das können wir nicht leisten".