Apropos Überforderung: Es gibt die Befürchtung, dass die Verwendung digitaler Endgeräte im Unterricht die Konzentration der Schüler massiv beeinträchtigt. Einem Lehrenden aufmerksam zuzuhören und Aufgaben eigenständig sowie ohne technische Hilfsmittel zu bewältigen, stärke dagegen die kognitiven Fähigkeiten.

Die Herausforderung ist immer, ein Gleichgewicht zu halten, in diesem Fall zwischen einem Digitalisierungshype auf der einen und einer Verweigerungshaltung gegenüber den neuen technischen Möglichkeiten auf der anderen Seite. Deshalb halten wir die Digitalisierung auch weitgehend aus den Volksschulen heraus. Auch in der Sekundarstufe geht es darum, digitale Ruhephasen einzuhalten und nicht ständig mit dem Smartphone zu hantieren. Diese Balance gilt es auch im Leben nach der Schule zu suchen und zu finden.

Die Probleme unserer Zeit prägen die Debatte um neue Schwerpunkte und Pflichtfächer, etwa wenn es um politische Bildung, Ethik oder Umwelt- und Klimaschutz geht. Welche Schwerpunkte soll der künftige Fächerkanon aufweisen?

Ich verfolge diese Debatte, welche neuen Fächer die Schule übernehmen soll, natürlich genau, und ich habe dazu einen klaren Standpunkt. Auch hier gilt: Wir dürfen die Institution Schule nicht überfordern und ihr nicht die Verantwortung für alles und jeden zuschieben. Der Fächerkanon wird sich deshalb nicht wesentlich verändern, ich wüsste auch gar nicht, warum er es tun sollte. Es ist eine kurzfristige Argumentation zu behaupten, Nachhaltigkeit sei wichtiger als Biologie und Umweltkunde, hier geht es doch nur um einen anderen Namen für ein bereits bestehendes Fach. Deshalb bleiben die Fächer weitgehend erhalten, über die Inhalte müssen wir allerdings reden. Um beim Beispiel Biologie und Umweltkunde zu bleiben: Sollen wir weiter so intensiv die Kontinentalverschiebung behandeln oder ist es nicht angebracht, mehr über nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu lernen? Die Inhalte kritisch zu reflektieren, ist mir wichtig, eine Debatte über Fächer und Fächernamen erachte ich dagegen für fruchtlos. Dennoch wird es auch beim Fächerkanon kleinere Änderungen geben.

Welche neuen Pflichtfächer sollen kommen?

Bei politischer Bildung und Ethik habe ich mich ja bereits festgelegt, ersteres soll im Fächerkanon "Geschichte, Sozialkunde und politische Bildung" eine noch tragendere Rolle spielen. Ab dem Schuljahr 2020/21 wird darüber hinaus Ethik an AHS-Oberstufen und an Polytechnischen Schulen zum Pflichtfach, ein Jahr später starten wir dann an den BHS. Aber nur für jene Schülerinnen und Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen. Digitale Grundbildung haben wir derzeit als verpflichtende Übung. Die Überlegung, ob es noch weiter ausgebaut wird, ist Teil des Masterplans. Das ist es fürs Erste mit den Änderungen in diesem Bereich.