Neben der Angst vor einer Überforderung der Schulen gibt es auch die Sorge, dass die Schule allzu prägend wirken könnte, etwa in weltanschaulichen, politischen Fragen. Wie wollen Sie sicherstellen, dass im Unterricht nicht partei-politisiert wird, zumal sich Fächer wie politische Bildung oder Klimaschutz und Nachhaltigkeit dazu durchaus anbieten?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich glaube fest an den sogenannten Beutelsbacher Konsens, der folgendes besagt: Wir brauchen, erstens, ein Indoktrinationsverbot; Lehrer müssen das ethische Bewusstsein haben, in die Klasse zu gehen und ihre Schüler dort nicht in eine bestimmte Richtung zu manipulieren; zweitens, konträre, konfliktäre Meinungen sollen sich auch im Unterricht widerspiegeln; drittens, sollen wir unsere Schülerinnen und Schüler zu kritikfähigen jungen Menschen erziehen, so dass sie selbst aus diesen konfliktären Bereichen ihre eigene Meinung bilden können. Das werde ich nicht nur immer wieder sagen, sondern auch von allen Lehrerinnen und Lehrern einfordern.

Das ist natürlich ein hehrer akademischer Anspruch, aber bei Konflikten um Migration, Verteilung oder Umwelt geht es um einander widersprechende Moralvorstellungen. Solche Konflikte lassen sich nur schwer neutral vermitteln. Wie wollen Sie also politische Neutralität sicherstellen?

Indem die Lehrer, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, schon in ihrer Ausbildung mit diesem Problem konfrontiert und entsprechend geschult werden. Lehrerinnen und Lehrer können ruhig auch ihre eigene Meinung deutlich machen, aber sie müssen das klar ausweisen und dürfen nicht indoktrinieren. Und natürlich muss auch die Aufsichtsbehörde ein Auge darauf haben. Ich bin zuversichtlich, dass dies gelingt.

Wo steht die angekündigte Überarbeitung der Lehrpläne?

Das ist ein großes Projekt und wir sind immer noch in der fortgeschrittenen Anfangsphase, also bei der Konzeption dessen, wie wir diesen Prozess konkret angehen werden. Die inhaltlichen Aspekte habe ich ja bereits im Zusammenhang mit dem Fächerkanon angedeutet: Die Fächer und deren Bezeichnungen bleiben im Wesentlichen, aber die Inhalte müssen wir weiterentwickeln. Lehrpläne sind meistens dicht bepackt und deshalb müssen wir sie entschlacken. Es geht auch um die Festlegung gewisser Mindeststandards. Und der Prozess sollte auch verbindend sein mit einer Art von Bewertungsraster, sodass wir bei der Notengebung auch zu einer Notenwahrheit kommen. Wir stehen also vor einer überaus komplexen Aufgabe.

Wann möchten Sie damit fertig sein?

Auch hier gehen wir schrittweise vor, abschließen möchten wir das Projekt zum Ende der Legislaturperiode, also 2022.