Reisen können, andere Länder kennenlernen, große Probleme gemeinsam lösen: Die Schüler, die beim diesjährigen Videowettbewerb der "Wiener Zeitung" mitgemacht haben, stellen in ihren Kurzfilmen den gemeinschaftlichen Charakter der Europäischen Union und die Chancen, die sie den Einzelnen bietet, in den Vordergrund. Nicht zur EU-Wahl zu gehen, ist keine Option: "Du triffst am Tag Hunderte von Entscheidungen. Die meisten sind völlig unwichtig. Geh am 26. Mai zur Wahl und triff eine wirklich wichtige Entscheidung", heißt es in einem der Videos.

Der Videowettbewerb zum Thema EU ist die dritte Future Challenge der "Wiener Zeitung" und die bislang erfolgreichste. Schüler und Lehrlinge aus ganz Österreich im Alter zwischen 16 und 20 haben insgesamt 74 Kurzvideos eingereicht, in denen sie sich mit der EU auseinandersetzen: Sie hatten die Aufgabe, in einem kurzen Video andere davon zu überzeugen, zur EU-Wahl zu gehen. Und die Argumentation ist ihnen scheinbar leichtgefallen.

"Generation EU"

Aoife Fearon, 8, und Padraic Fearon, 7, protestieren gegen den Brexit in Carrickcarnon, Republik Irland. - © APAweb / Clodagh Kilcoyne, Reuters
Aoife Fearon, 8, und Padraic Fearon, 7, protestieren gegen den Brexit  in Carrickcarnon, Republik Irland.  - © APAweb / Clodagh Kilcoyne, Reuters

Benedikt Weingartner ist nicht überrascht, dass gerade jungen Menschen viel zu Europa und zur Europäischen Union einfällt: "Das ist die Generation EU", sagt er. Weingartner ist seit fünf Jahren durch die von ihm gegründete Plattform "Europa:Dialog" mit Lehrern und Schülern in ganz Österreich im Dialog über die EU. Für Schüler, so sein Fazit, ist Europa ein Thema, das selbstverständlich mit ihrem Leben zu tun hat. "Wer heute in Österreich jung ist, wurde in ein Österreich, das EU-Mitglied ist, hineingeboren. Diese jungen Leute sind mit der EU und mit dem Euro aufgewachsen, und sie verstehen, dass es in den großen Dingen, wie etwa dem Klimaschutz, einfach notwendig ist, zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Sie finden es außerdem selbstverständlich, ohne weitere Formalitäten ins EU-Ausland zu gehen, um dort zu studieren oder andere Sprachen zu lernen. Viele wollen auch in einem anderen EU-Land arbeiten."

An den Protesten gegen die EU-Urheberrechtsreform, wie hier in Stuttgart im März, beteiligten sich besonders viele junge Menschen. - © APAweb / Sebastian Gollnow, dpa
An den Protesten gegen die EU-Urheberrechtsreform, wie hier in Stuttgart im März, beteiligten sich besonders viele junge Menschen.  - © APAweb / Sebastian Gollnow, dpa

Ist diese Jugend doch nicht so unpolitisch, wie viele Erwachsene zu glauben scheinen? Jörg Hopfgartner, Schulleiter der Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Wien 10 (BHAK Wien 10) verweist auf die Fridays for Future-Bewegung, bei der sich Schüler aus ganz Europa für eine konsequente Klimaschutzpolitik einsetzen: "Es ist absolut begrüßenswert, dass sich junge Menschen für etwas engagieren und dafür eintreten." Hopfgartner weist auf den damit verbundenen Verstoß gegen das Schulunterrichtsgesetz hin, das Schüler zu pünktlicher und vollständiger Teilnahme am Unterricht verpflichtet. Er sagt aber auch: "Es ist unsere Aufgabe als Schule, einen guten Ausgleich zu finden. Wir müssen Lösungen finden, die es den Schülern ermöglichen, sich politisch zu engagieren und ihre Pflichten zu erfüllen." Die BHAK Wien 10 nimmt mit mehreren Schülergruppen an der Future Challenge teil.