St. Pölten. Was sich im Juli 2014 in der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Hollenbach abspielte, war nichts anderes als das erstmalige Auftreten einer staatsfeindlichen Verbindung, die inzwischen den Verfassungsschutz in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Wochenlang verfolgten die Mitglieder eines selbst ernannten "Gerichtshofs", des "International Common Law Court of Justice Vienna" ("ICCJV"), und dessen "Geheimdienstes", die Sachwalterin einer Anhängerin der "One Peoples Public Trust"-Bewegung (OPPT).

Die gelernte Masseurin Michaela W. fühlte sich von ihrer Sachwalterin hintergangen und in ihrem "natürlichen Recht" beschnitten. Selbsternannte "Sheriffs" verteilten wochenlang im Ort Flugblätter, die auf eine bevorstehende "Gerichtsverhandlung" hinwiesen. Die Sachwalterin von W. erhielt von den Staatsverweigerern mehrmals "Vorladungen", deren Tonfall sich immer mehr verschärfte – bis hin zu offenen Drohungen.

Selbsternannte "Sheriffs" und Pseudo-Verhandlungen

Schließlich drangen die "Sheriffs", die sich später als "International Sheriff Association" und dem "ICCJV" zugehörig bezeichneten, sogar in einen nahen Polizeiposten ein. Sie legten den verdutzten Beamten gefälschte Ausweise vor und versuchten, sie zur "Mithilfe" bei ihrer "Amtshandlung" zu bewegen: die Sachwalterin von W. zwangsweise bei der "Verhandlung" vorzuführen. Erfolglos zogen sie ab, die Pseudo-Verhandlung fand schließlich ohne "Angeklagte" in einem Schuppen auf W.s Grundstück statt. Dort hatten sich insgesamt rund 200 Personen versammelt, die Polizei rückte in großer Stärke an und räumte das Gelände.

Ebenfalls anwesend war "Freeman" Joe Kreissl, der dort eigenen Angaben zufolge als "Mediator" fungieren wollte. Kreissl ist eine der zentralen Figuren in der heimischen Staatsverweigerer-Szene. Er bestreitet bis heute, etwas mit der OPPT-Bewegung, die weder Staaten, Behörden noch finanzielle Verpflichtungen anerkennt und Beamte mit fiktiven "Schuldforderungen" in internationale Handelsregister eintragen lässt, zu tun zu haben.

Ein Sammelsurium von Holocaustleugnern und Rechtsextremisten

Dass der Staat ihm – für angeblich erlittenes Unrecht – Geld schulde, hat Kreissl in der Vergangenheit aber trotzdem behauptet.
Heute, zwei Jahre später, hat sich die Staatsverweigerer-Szene in Österreich deutlich differenziert. Etwa ein halbes Jahr nach der "Verhandlung" in Hollenbach trennten sich die Wege des "ICCJV" und der OPPT-Bewegung, sagt German Müller, ein Experte der Bundesstelle für Sektenfragen. Die Militanz der Szene sei im Vergleich zu den deutschen "Reichsbürgern" weniger stark ausgeprägt, vielfach dominieren Esoteriker und Verschwörungstheoretiker das Milieu in Österreich.