Dabei, ergeht sich Unger in ihrem Vortrag, könne der Staat froh sein, dass er es mit "souveränen Menschen" zu tun habe: "Denn wenn sie an andere Menschen kommen, die nicht das Bewusstsein haben von uns, dann dürfen sie sich auch nicht wundern, wenn sie dann ein Blutbad provozieren." Und: "Wenn ein Mensch nichts mehr zu verlieren hat, dann darf man sich nicht wundern, wenn er auszuckt."

Sind die "Staatenbündler" gefährlich? Nein, sagt Experte Mühlböck. "Papierterroristen" nennt er die Mitglieder der Gruppierung, weil auch sie Behörden mit Schriftstücken überschütten.

Ist Unger also einfach nur eine Spinnerin? Aus der Distanz sei das schwer einzuschätzen, meint Ulrike Schiesser. Dagegen spreche jedenfalls einiges: Ungers recht elaborierte, wenn auch bodenständige Rhetorik zum Beispiel. Diese wisse Unger sehr gut zu nutzen.

Hetze gegen Sachwalter

Im Gegensatz zu Anhängern der OPPT-Bewegung, die Behördenvertreter in das öffentliche Schuldenregister UCC eintragen, verzichtet Unger auf pseudojuristisches Geschwurbel. In ihren Reden setzt Unger geschickt rhetorische Pointen, ihre Argumentation ist bisweilen perfide. Sie weiß genau, was ihre Anhänger hören wollen.

"Es ist die Mischung aus Bodenständigkeit, einer mütterlich wirkenden Persönlichkeit und einer harten Entschlossenheit, die ihre Anhänger begeistert. Genau das, was Sympathisanten der Staatsverweigerer an Persönlichkeiten aus der Politik vermissen würden. Unger geht es tatsächlich um eine politische Idee, die sie beinhart durchzusetzen versucht - mit allen für sie negativen Konsequenzen. Ungers Hetze gegen das österreichische System der Sachwalterschaft verweise jedenfalls darauf, dass einige ihrer Anhänger selbst von einer solchen betroffen seien, sagt Schiesser.

Aus einem der "Wiener Zeitung" vorliegenden Beschluss geht jedenfalls hervor, dass Unger selbst im Frühjahr 2015 zumindest kurzzeitig verfahrensbesachwaltet worden war. Der Hintergrund ist unklar.

Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft Graz gegen Unger und 82 weitere "Staatenbündler" - wegen des Verdachts der staatsfeindlichen Verbindung.