Graz. Der Grazer Bezirk Eggenberg war lange einer der verschlafenen Teile der zweitgrößten Stadt Österreichs. Nun hat sich dort vor einigen Jahren eine Hochschule angesiedelt und weil Graz ohnehin aus allen Nähten platzt, wird hier vielerorts altem Gemäuer neues Leben eingehaucht.

So auch in der Reininghausstraße, in der die sogenannte Talenteküche eine Heimat gefunden hat. Josef Missethon renovierte ein altes Gasthaus, das seine besten Tage hinter sich hatte, um hier das zu tun, was er schon an drei Standorten in Österreich tut: Menschen an den Arbeitsmarkt vermitteln, die als besonders schwer vermittelbar gelten.

In Trofaiach, Niklasdorf und Korneuburg bereitet Missethon junge Flüchtlinge auf die Lehre vor, in Graz richtet sich sein Programm an alle Menschen mit Migrationshintergrund. 25 bis 30 Projektteilnehmer im Alter von etwa 18 bis 25 Jahren, aus Ländern wie Ungarn, Bosnien-Herzegowina, Pakistan, der Dominikanischen Republik, aber auch Syrien und Afghanistan nehmen daran teil. Voraussetzung: Aufenthaltstitel. Und Interesse an einem Beruf in der Gastronomie. Finanziert wird das Projekt zu je einem Viertel von Wirtschafts- und Sozialministerium, dem Land Steiermark sowie dem AMS. Und von letzterer Einrichtung kommen auch die Teilnehmer.

Ein Talentevermittler

- © Arno Friebes
- © Arno Friebes

"Der Startschuss war eigentlich ein Krisengipfel mit der steirischen Soziallandesrätin Doris Kampus. Sie hat die AMS, die Wirtschaftskammer und uns geladen, um einen Weg zu finden, dem Fachkräftemangel im Tourismusbereich entgegenzuwirken. Wir waren dabei, weil wir uns mit einer gewissen Zielgruppe einen Namen gemacht hatten", erklärt Missethon. Es gibt wenige Menschen, die von Zielgruppen reden, wenn es um Menschen mit Migrationshintergrund geht, die oft schwer ins Berufsleben zu integrieren sind. Aber Josef Missethon hat eben einen Weg gefunden, sie jobfit zu machen. Und er ist überzeugt, dass es Dinge gibt, bei denen Ehrenamt nicht ausreicht. Missethon war Unternehmensberater und Psychotherapeut - er ist ein Freund durchdachter Konzepte, die zuletzt sogar mit dem "Public Service Award" der Vereinten Nationen ausgezeichnet wurden.

"Wir haben die Situation genauer analysiert und erkannt, dass im Raum Graz und Graz-Umgebung ein höherer Migrationsanteil gegeben ist. Gerade in der Gegend, in der sich unser Projekt jetzt befindet, liegt der Migrationshintergrund der Bevölkerung bei 40 Prozent." Seit Februar hat die Talenteküche ihre Pforten geöffnet, es ist das erste Missethon-Projekt in urbanem Umfeld. Und das ist kein schickes.