Die Bezirksspitäler wollen ihre Eigenständigkeit bewahren. Paul Sieberer, Bürgermeister in Hopfgarten im Brixental und Obmann des Gemeindeverbandes Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol, bestätigt das im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Es gibt von den Bezirksobleuten das Bekenntnis zur Eigenständigkeit. Es ist auch noch nie einleuchtend erklärt worden, was die Holding Besseres leisten soll. Wir haben einen strengen Rahmenplan mit dem Land und halten uns daran", sagt Sieberer.

Umsatz durch Touristen

Sein Krankenhaus ist bei den Bezirksspitälern ein positiver Ausreißer. Seit vier Jahren hat es alljährlich ein Plus im Betriebsergebnis. Dabei kommt dem Krankenhaus die Lage in einer der am stärksten frequentierten Tourismusregionen nahe Kitzbühel zu Gute. "Die Auslastung im Winter ist herausfordernd. Zum Bezirkspotenzial kommen die Gäste dazu, da gelangen wir an unsere Grenzen", erklärt Sieberer.

Der Bürgermeister sieht in den kleinen Strukturen der Bezirkskrankenhäuser Vorteile. "Groß ist nicht immer gut. Man kann in überschaubaren Strukturen vernünftig arbeiten", sagt Sieberer. Überschaubare Strukturen bedeuten in St. Johann 274 Betten. Damit ist das Spital knapp unter der Grenze von 300 Betten, die der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" als kritische Grenze für den Spitalsbetrieb nennt. Er verweist auf eine IHS-Studie, die darlegte, dass kleinere Spitäler keine gute Qualität zu hohen Preisen leisten: "Das gilt sowohl für den betriebswirtschaftlichen als auch den gesundheitsökonomischen Blick und hat mit der Häufigkeit der Fallzahlen für die Behandlungsmethoden zu tun."

Reutte ist das kleinste Spital

Von den Tiroler Bezirksspitälern liegt nur jenes in Reutte mit 144 Betten deutlich unter dieser Grenze. Es ist das einzige Bezirkskrankenhaus westlich von Innsbruck. Mit etwas über drei Millionen Euro war der Betriebsabgang im Jahr 2016 der höchste aller Bezirksspitäler. Von einer Spitalsholding ist man aber auch hier nicht überzeugt. Gemeindeverbandsobmann Aurel Schmidhofer sagt: "Es ist kein einhelliges Bild da. Wenn gesagt wird, wir machen eine Holding, müsste man wissen, wie das im Detail aussieht." Doch bei kleinen, abgelegenen Spitälern sei der betriebswirtschaftliche Blick bisweilen nicht immer der richtige. "Unsere Voraussetzungen sind schwierig. Einen Betriebsabgang hatten wir immer und werden wir immer haben, weil wir auch Leistungen anbieten, die nicht kostendeckend sind", erklärt Schmidhofer.

Arbeitsplätze als Argument

Für den Bezirk ist das Krankenhaus dennoch wichtig. Stolz wird im Leistungsbericht darauf verwiesen, der zweitgrößte Arbeitgeber im Bezirk zu sein und dass die Ausgaben des Krankenhauses zu zwei Dritteln im Bezirk investiert werden. Für Gesundheitsökonom Pichlbauer ist dieses Argument nachvollziehbar, aber falsch. "Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihren Mitgliedern schon vor Jahrzehnten empfohlen, Spitäler nicht aufgrund von Arbeitsplätzen zu erhalten", sagt er. Denn dadurch würde sinngemäß nicht die Qualität der Gesundheitsversorgung im Vordergrund stehen.