Jedes Jahr gibt es mehrere tausend Interessenten für die Aufnahmetests zum Medizinstudium in Wien. Darunter viele Kärntner. - © apa/Georg Hochmuth
Jedes Jahr gibt es mehrere tausend Interessenten für die Aufnahmetests zum Medizinstudium in Wien. Darunter viele Kärntner. - © apa/Georg Hochmuth

Klagenfurt. Junge Kärntner wollen vor allem eines: schnell weg aus Kärnten. Kaum haben sie das Maturazeugnis in der Hand, zieht es sie zum Studieren etwa nach Wien oder Graz. Die besseren Bildungsmöglichkeiten, Jobaussichten und Freizeitangebote sind handfeste Motive, die Lust auf die Großstadt machen. Außerdem bietet Kärnten seit Jahren kein rosiges Image: In keinem anderen Bundesland ist die Landflucht so massiv und die Pro-Kopf-Verschuldung so hoch wie auf dem Flecken Erde um den Wörthersee.

Bis zu 50 Maturanten verlassen jedes Jahr beispielsweise die Gemeinde St. Andrä im Lavanttal, sagt der dortige Bürgermeister Peter Stauber (SPÖ). Mit dem Umzug verlegen die jungen Erwachsenen auch ihren Hauptwohnsitz in die Städte. Dadurch können Gemeinden um viel Geld umfallen. St. Andrä im Lavanttal kratzt regelmäßig an der 10.000-Einwohner-Marke, sagt Stauber. Fällt die Gemeinde wie derzeit darunter, laut letzter Zählung wohnen 9957 Menschen dort, verliert sie einen sechsstelligen Betrag aus dem Finanzausgleich. Im Jahr bekommen Gemeinden nämlich pro Bürger einen Ertragsanteil, der unterhalb dieser genannten Grenze niedriger wird.

Deshalb hat man sich im Ort dazu entschlossen, Studenten Geld in die Hand zu geben, damit sie ihren Hauptwohnsitz während des Studiums im Heimatort belassen und nicht in die Universitätsstadt verlegen. St. Andrä im Lavanttal zahlt 600 Euro pro Jahr und pro Kopf aus, um die Abwanderung zumindest auf dem Papier zu kaschieren. Damit gibt die Gemeinde den Studenten in etwa die Hälfte von dem zurück, was sie aus dem Finanzausgleich für deren "Meldung" im Ort bekommt, sagt Stauber. "Das zahlt sich aus." Es sei ein Mittel, damit die Gemeinde über die für sie finanziell rentablen Einwohnergrenze kommt und Studenten können das Geld gut gebrauchen. 60 Studenten konnten so im vergangenen Jahr im Ort gehalten werden.

Auch kleinere Orte in Kärnten haben wie der ländliche Raum insgesamt mit der Abwanderung von jungen Menschen in die Städte und ihre umliegenden Speckgürtel zu kämpfen. In Gnesau (1053 Einwohner), unweit von Villach, zeigt sich Bürgermeister Erich Stampfer von der Studentenförderung überzeugt. Durch eine Prämie von 300 Euro blieben im vergangenen Jahr zehn Studenten im Ort "wohnen". Außerdem zwei auswärts schlafende Lehrlinge, die ebenfalls gefördert werden und 150 Euro pro Jahr erhalten.

Auch das Wissen wandert ab

St. Urbans (1569 Einwohner) Bürgermeister Dietmar Rauter (FPÖ) verbindet die Studentenförderung außerdem mit einer "Bindung zur Heimat". Das gesamte Kärntner Land habe das Problem, dass die Jungen nach dem Studium nicht mehr heimkämen. Daher müsse man Anreize schaffen, dass sie den Bezug zu ihrem Ort nicht verlieren. "Jeder, der aus Kärnten fortgeht, ist für uns ein Dilemma", sagt Rauter. Mit den Studenten ziehe auch das erlernte Wissen weg und damit eine Möglichkeit, dass in Kärnten gegründet wird und Arbeitsplätze geschaffen werden. Zudem altere die Gesellschaft, was einen erhöhten Pflegebedarf erfordere, der am Land weit prekärer sei als in der Stadt. "Das wird schwierig, wenn man bedenkt, dass in den nächsten Jahrzehnten noch ein Viertel der Landbevölkerung in die Stadt ziehen soll", sagt Rauter.