Freistadt. Das Mühlviertel ist das Zentrum der Atomkraftgegner in Österreich. Gleich vier Anti-Atom-Vereine gibt es allein im Bezirk Freistadt. Einer davon, das Anti-Atom-Komitee, hat Anfang November eine Petition mit 12.700 Unterschriften an Umweltministerin Elisabeth Köstinger übergeben. Die Unterzeichner wollen den Bau eines Atommüllendlagers in Tschechien und den Ausbau des Atomkraftwerks Temelin verhindern. Die Ministerin versprach volle Unterstützung.

Im Zentrum von Freistadt, im Gebäude der Postfiliale, liegt das Büro des Anti-Atom-Komitees. Manfred Doppler, ein Landwirt aus Grünbach, der Nachbargemeinde, ist die treibende Kraft der Organisation. "Im Mühlviertel ist sicher die geografische Nähe ausschlaggebend dafür, dass es so viele Atomgegner gibt", sagt Doppler. Eine Fahrt zum AKW Temelin dauert nur knapp eineinhalb Stunden. Neben der Gefahr, die von einem Reaktorunfall in Temelin ausgeht, hat die Kernkraftnutzung ein Grundproblem, für das es bisher keine Lösung gibt: Wohin mit den ausgedienten Brennstäben und dem radioaktiven Müll? Die tschechische Regierung sucht deshalb seit 1989 einen geeigneten Standort für ein Atommüllendlager. Manche, wie der potenzielle Standort Cidhalo/Lodherov, liegen weniger als 30 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. "Wir wollen verhindern, dass hochradioaktiver Müll vor unserer Haustüre auf immer und ewig vergraben wird", sagt Doppler.

Breite Unterstützung

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Nur wenige hundert Meter vom Büro des Anti-Atom-Komitees entfernt, liegt der Sitz eines weiteren Anti-Atom-Vereins, der "Mütter gegen die Atomgefahr Freistadt". "Wir haben als Mütter miterlebt, welchen Einfluss die Katastrophe in Tschernobyl trotz der Entfernung auf unser Familienleben hatte. Wir sehen uns als Sprachrohr für unsere Kinder, die sich nicht wehren können", sagt Obfrau Gabriele Schweiger. Im Mühlviertel leisten die Mütter Aufklärungsarbeit und arbeiten eng mit ihren tschechischen Freundinnen von den "Südböhmischen Müttern gegen die Atomgefahr" zusammen. In der Gemeinde Dukovany, wo eines der beiden tschechischen AKWs steht, haben die Mütter dem Kindergarten und dem Hallenbad eine Solaranlage gespendet und montiert.

Der Widerstand gegen die tschechische Atomkraftnutzung findet im Mühlviertel die Unterstützung einer breiten Bevölkerungsmehrheit. Das zeigen 12.700 Unterschriften und eine Resolution, die alleine in Oberösterreich in 250 Gemeinderäten beschlossen wurde. Die Gemeinden fordern darin die Regierung auf, Gespräche mit den Verantwortlichen in Tschechien zu führen. "Österreich erklärt, dass es die Tschechische Republik und deren Rechtsnachfolger für jegliche Schäden aus bestehenden und eventuellen zusätzlichen Atomanlagen und -aktivitäten als haftbar betrachtet", heißt es in der Resolution. Gemeinsam mit Gemeinden aus Niederösterreich und Salzburg wird die Aktion von 400 Gemeinden unterstützt. Wichtig ist auch, dass bei der Atomfrage Parteipolitik keine Rolle zu spielen scheint. Die Gemeinderesolution wurde großteils einstimmig und parteiübergreifend beschlossen. Der Vorstand des Vereins Anti-Atom-Komitee besteht ebenfalls aus Mitgliedern aller Parteien, außer den Neos.