Bürgermeister Bernd Strobl aus Ollersdorf im Burgenland. - © 2017:07:14 19:18:43
Bürgermeister Bernd Strobl aus Ollersdorf im Burgenland. - © 2017:07:14 19:18:43

Das "Europadorf"

"Das ist nicht romantisch", sagt Maria Skazel (ÖVP), Bürgermeisterin von St. Peter im Sulmtal in der Steiermark. "Glauben’s mir, am Stammtisch, das ist mühsam, als Frau noch dazu." Skazel geht lieber in die Volksschule und Neue Mittelschule im Ort, um mehr Europa unter die Leute zu bringen. "Ich will die Jugend so früh wie möglich dafür begeistern", sagt sie. "Ab einem gewissen Alter wird das schwieriger."

Gemeinderat Herwig Heider aus Perchtoldsdorf in Niederösterreich arbeiten in ihren Gemeinden für ein gemeinsames Europa.
Gemeinderat Herwig Heider aus Perchtoldsdorf in Niederösterreich arbeiten in ihren Gemeinden für ein gemeinsames Europa.

Der Ort im Bezirk Deutschlandsberg ist seit jeher streng europagläubig. 1999 wurde er vom Europarat als erste Gemeinde in Österreich nach einem Antrag zum "Europadorf" ernannt. Eine Bezeichnung, auf die die 1300 Bewohner so stolz sind, dass sie in der Webadresse den Ortsnamen verdrängt hat. Auch auf dem Ortsschild, eine Europaflagge aus Blech, steht die Prämierung in großen Lettern geschrieben. Darunter "Schönstes Dorf Österreichs" und "Zweitschönstes Dorf Europas". Zwei Auszeichnungen, die die Gemeinde im Zuge eines Blumenwettbewerbs errang. Auch die Dorferneuerung wurde mit EU-Förderungen finanziert.

Skazel war eine der ersten EU-Gemeinderätinnen, die nach Brüssel gereist ist. Inzwischen war sie fünfmal dort, hat Reisen organisiert und ist Vorstandsmitglied des Europahauses in Graz. Die Kontakte, die man in Brüssel knüpft, seien viel wert für kleine Gemeinden wie St. Peter im Sulmtal, sagt sie, und mit zielgerichteten Informationen würde sich so mancher Mythos unter den Leuten leicht entkräften lassen.

In St. Peter im Sulmtal werden zu Europawahlen Veranstaltungen abgehalten, aber auch zu drängenden Themen. "Die Leute haben auf gut Steirisch einen Kropf im Hals und wollen den irgendwo anbringen", sagt Skazel. Deshalb sei es wichtig, dass zu solchen Veranstaltungen Experten kommen, die Antworten geben können. "Durchaus kritisch, weil es ist eben nicht alles romantisch in der EU." Europa sei aber selbst im "Europadorf nicht das dringlichste Thema, gibt Skazel zu. Mit EU-Anliegen kämen die Leute nie von selbst zu ihr.

Die Europäisierung der Gesetze

Das ist auch der Eindruck von Herwig Heider (ÖVP). Heider ist Gemeinderat in Perchtoldsdorf in Niederösterreich und seit 2015 europapolitisch aktiv. Er organisiert seit Jahren Sprachprojektwochen samt Gastfamilien für italienische Schulen und wurde dadurch als "Mister Europe" im Ort bekannt. "Die Leute interessiert Europa im Alltagsleben recht wenig", sagt Heider. "Außer es gibt einen Aufreger wie die Allergenverordnung, die in Österreich aber viel härter ausgelegt wird, als es die EU-Verordnung vorschreibt." Diese Härte sei eine heimische Spezialität, die aber negativ an der EU hängen bleibe.