Georg Günsberg ist Politikwissenschafter und klima- und energiepolitischer Berater in Wien sowie Autor fachlicher Publikationen wie etwa der seit 2014 erscheinenden Reihe "Faktencheck Energiewende". - © Christoph Molin Pradel
Georg Günsberg ist Politikwissenschafter und klima- und energiepolitischer Berater in Wien sowie Autor fachlicher Publikationen wie etwa der seit 2014 erscheinenden Reihe "Faktencheck Energiewende". - © Christoph Molin Pradel

Wenige Tage nach Ende des UN-Klimagipfels in Kattowitz werden dessen Ergebnisse sehr unterschiedlich bewertet. Das Spektrum der Reaktionen reicht von "ambitionslos" bis hin zu "großer Erfolg". Die Einschätzung ist wohl an unterschiedliche Erwartungen gebunden. Was kann ein Beschluss aller Staaten überhaupt leisten? Gemessen an dem, was notwendig wäre, um die globale Temperaturerhöhung auf 1,5 Grad Celsius und 2 Grad gemäß Pariser Klimaabkommen zu begrenzen, ist die Einigung von Kattowitz unzureichend.

Dafür bräuchte es rasche, verbindliche und ambitionierte Entscheidungen für eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen. Unter Berücksichtigung des aktuellen Spielraums der nahezu vollständig versammelten Staatengemeinschaft wurde im geltenden Einstimmigkeitsprinzip wohl das politische Maximum erreicht und mit zahlreichen, gemeinsamen Spielregeln eine Grundlage für die Umsetzung von Paris geschaffen. In Zeiten des globalen Trends zurück zum Nationalismus und der gestiegenen Anzahl an Klimawandelleugnern in politischen Funktionen war die UN-Klimakonferenz in Kattowitz auch ein Lebenszeichen eines funktionsfähigen Multilateralismus, der mühsam aber doch ein gemeinsames Regelwerk ermöglicht.

- © gettyimages/Rosa María Fernández Rz
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Wo Climate Action daheim ist

Klimaabkommen, insbesondere jenes von Paris im Jahr 2015, sind ein Rahmen nicht nur für die Klimapolitiken der einzelnen Staaten, sondern auch Referenzpunkt für Entscheidungsträger auf subnationaler Ebene, genauso wie für Märkte, Investoren, NGOs sowie Bürgerinnen und Bürger, die angesichts der zunehmend spürbaren Klimaveränderungen Weichenstellungen einfordern.

Aber Texte von Klimaabkommen und Entschlüssen wie jenen in Kattowitz sparen selbst noch kein einziges Gramm CO2 oder andere Treibhausgase ein. Die Lösungen zur Klimakrise werden nicht am Verhandlungstisch ausgemacht, sondern auf anderen Ebenen umgesetzt, die auch diesmal wieder zahlreich in Parallelveranstaltungen beim Klimagipfel präsent waren: in Städten, Regionen, zivilgesellschaftlichen und Unternehmens-Initiativen.

Überall sind viele Akteure bereit, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu tun und dafür Rahmenbedingungen einzufordern: Ob das Bekenntnis von mittlerweile mehr als 1000 institutionellen Investoren, Stiftungen, Kirchen, Privatinvestoren, deren Assets rund 8000 Milliarden US-Dollar repräsentieren, aus Veranlagungen in Unternehmen, die auf Basis von Kohle, Erdöl und Erdgas-Reserven Profite machen, auszusteigen (Stichwort Divestment); ob der Protest von Schülerinnen und Schülern wie der 15-jährigen Greta Thunberg aus Schweden, die sich nicht ihre Zukunft von der gegenwärtig scheiternden Klimapolitik nehmen lassen will, und im Rahmen ihres Schulstreiks für ernsthafte Klimaschutzmaßnahmen demonstriert; oder die "Step Up Now"-Initiative von Unternehmen, Städten und Regionen-, die sich der Klima-Neutralität verschreiben und von der EU ein ambitionierteres Vorgehen in Sachen Klimaschutz einfordern. Besonders wichtig auf der Akteurslandkarte ist dabei die kommunale Ebene.