Wording und Entwicklung stehen somit in engem Wechselbezug. Die Frage ist, in welche Zusammenhänge die Entwicklung einer Region bewusst oder unbewusst eingebettet wird. Dabei wird Regionalentwicklung im Kontext von Framing reflektiert. Framing bezeichnet das Einbetten eines Themas in ein bestimmtes Bedeutungsumfeld. Es geht um grundlegende kognitive Strukturen, die die Wahrnehmung und Widerspiegelung von Realitäten lenken. Bei Regionalentwicklung wurden Frames bisher selten bewusst reflektiert, sie werden jedoch unbewusst und implizit während des kommunikativen Prozesses übernommen. Ist eine Region eine Abwanderungsregion, wird sie beispielsweise gerne als "sterbende Region" bezeichnet, womit eine Blickrichtung vorgegeben wird.

Völlig außer Acht gelassen wird dabei, dass viele, die wegziehen, dies deshalb tun, um eine höhere Ausbildung zu genießen. Diese Wahrnehmung fehlt gesellschaftlich jedoch vielfach, und die Teilhabe an neuen Lebenschancen wird durch die dargestellte Sichtweise verstellt und regional zu wenig wertgeschätzt. Frames wirken sich nicht nur auf den Prozess der Sprachverarbeitung aus, sondern auch auf unsere Wahrnehmung. Wer von uns will schon in einer sterbenden Region leben und diese palliativ begleiten?

Was bedeuten nun Begriffe wie Schrumpfung, Rückzug, Verlust oder Problemregion im Kontext der Regionalentwicklung? Wiederholungen dieser Art erzeugen sogenannte "Deep-Frames", Bilder und Metaphern, die Werturteile verstärken, zum Teil auch unabhängig ihrer empirischen Evidenz. Die Konsequenzen daraus sind fatal. Diese Todesmetaphern führen dazu, dass eine Region sowohl von innen wie auch von außen mit negativen Attributen assoziiert wird. Die damit erzeugte Dynamik der Kommunikation ist meist schwierig wieder einzufangen.

Wird die Landflucht zum Landfluch? Einer Abwanderungsregion wird beispielsweise zugeschrieben, dass es keine Arbeitsplätze gibt, auch wenn dies im Widerspruch zu einem akuten Fachkräftemangel in eben dieser stehen sollte. Dies impliziert dann die Flucht aus der eigenen Region ebenso wie die Signalwirkung nach außen als einer Region mangelnder Angebote für Zuzügler.

In vielen österreichischen Regionen zeigt sich, dass die lokale Arbeitskraft bei den Betriebseignern die gefragteste Arbeitskraft ist. Regionsverbundenheit und damit vielfach verbundene Loyalität zum Arbeitgeber sind ein relevantes Asset für kleine und mittlere Betriebe. Vielfach fehlen die Arbeitskräfte aber, weil sie in die städtischen Großräume gezogen sind oder der Übergang von lokaler Ausbildung zum lokalen Arbeitsmarkt mangelhaft begleitet wurde. Umgekehrt ist es schwierig, Personen von außen zu gewinnen, wenn ein negatives Image mit einer Region assoziiert wird. Wenn von regionaler Identität die Rede ist, kommt der Zuschreibung, die Menschen oder Medien einer Region geben, hohe Bedeutung zu.

Aus der Sicht der Regionalentwicklung lässt sich die Frage ableiten, welche Geschichte, welches Narrativ eine Region nun erzählen soll? Welche Story sollen die Schulkinder der jeweiligen Region lernen, behalten und weitergeben? Diese Fragestellung ist auch für die eigene Biografie nicht unerheblich. Ist es eine Geschichte des Niedergangs oder bedarf es vielleicht einer differenzierten Geschichte zur eigenen Herkunft mit vielen naturräumlichen Ressourcen und spezialisierten erfolgreichen Gewerken oder zu regionalen Pionieren, um nur wenige Beispiele zu nennen.