Bad Großpertholz. Der Wolf ist zurück in Niederösterreich. Nachdem bereits 2016 ein Wolfsrudel am Truppenübungsplatz Allentsteig entdeckt wurde, leben mittlerweile zwei weitere Rudel im Waldviertel. Doch je mehr sich der neue Nachbar einlebt, desto offensichtlicher werden die Konflikte, die das Zusammenleben mit einem Raubtier mit sich bringt.

Im August wurden in den Gemeinden Langschlag und Bad Großpertholz 28 Schafe laut Informationen der Veterinärmedizinischen Universität Wien gerissen. Die betroffenen Schafhalter fordern den Abschuss von Wölfen. Tierschützer fordern besseren Herdenschutz. Dazu kommen besorgte Bürger und mahnende Jäger. Der Wolf ist im Waldviertel "ein emotionales Thema", sagt der Obmann der Landwirtschaftskammer Gmünd, Markus Wandl. Am 4. Dezember hat die niederösterreichische Landesregierung einstimmig eine Verordnung beschlossen, die es erlaubt sogenannte "Problemwölfe" zu "entnehmen", wie es in der Fachsprache der Jäger heißt.

Johann Prinz und seine Frau halten seit 35 Jahren Schafe zur Landschaftspflege. - © Johannes Pucher
Johann Prinz und seine Frau halten seit 35 Jahren Schafe zur Landschaftspflege. - © Johannes Pucher

Ab wann ein Wolf ein Problemwolf ist, regelt die neue Verordnung nach schweizerischem Vorbild in einem Vier-Stufen-Modell. Je nach Verhalten kann ein Wolf als "unbedenklich", "auffällig", "unerwünscht" oder "problematisch" eingestuft werden. Zeigt ein Wolf "problematisches" Verhalten, kann die Bezirksverwaltungsbehörde den Abschuss des Tieres anordnen.

Ein solches Verhalten, das die Voraussetzung für einen Abschuss darstellen würde, wäre es beispielsweise, wenn ein Wolf zwei Mal untertags in eine Siedlung kommt oder zwei Mal Nutztiere auf einer ordnungsgemäß geschützten Weide reißt. Zeigt ein Wolf "unbedenkliches" oder lediglich "auffälliges" Verhalten, schreibt die Verordnung Herdenschutzmaßnahmen vor. Damit sind vor allem elektrische Schutzzäune oder Herdenschutzhunde gemeint.

- © apa/dpa/Philipp Schulze
© apa/dpa/Philipp Schulze

Wölfe gehörten in Österreich einst zur natürlichen Artenvielfalt, bevor sie Ende des 19. Jahrhunderts hierzulande ausgerottet wurden. Seit 1992 ist der Wolf durch die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt. Ihr Ziel ist es, die natürliche Artenvielfalt in Europa wiederherzustellen und zu erhalten. In Österreich gilt dieser Schutz seit dem EU-Beitritt 1995.

"Die Frage ist, welches Ökosystem man will", sagt der Wolfsbeauftragte der niederösterreichischen Landesregierung Georg Rauer. "Will man ein vollständiges, dann gehört der Wolf dazu." Im Ökosystem Wald beispielsweise sorgt der Wolf für eine natürliche Regulierung der Wildbestände, indem er kranke und schwache Tiere aussortiert.