Der Schularzt befindet sich auch sonst im Zwiespalt. Dies aufgrund der Kompetenzzersplitterung im Schularztwesen. Bund, Länder, Gemeinden, Gesundheitsbehörden sind in der Gesetzgebung als auch Vollziehung vertreten. Bei den schulärztlichen Pflichten ist der Schularzt im Bildungsbereich tätig, bei allem anderen, etwa bei Impfungen, wiederum im Gesundheitsbereich.

Darüber hinaus erfolgt aus der Schularzttätigkeit kein verwendbares flächendeckendes Datenmaterial über den Gesundheitszustand der Schüler in Österreich, weil es kein einheitliches Computersystem gibt. Das heißt, dass es in der Zeit zwischen Mutter-Kind-Pass (bis zum fünften Lebensjahr) und der Tauglichkeitsuntersuchung für das Bundesheer der Männer eine statistische Lücke gibt. Aber auch über Schulärzte selbst ist wenig in Erfahrung zu bringen. Die Ärztekammer weiß nur, wie viele Ärzte ein Schularzt-Diplom haben - es sind 1171 -, aber nicht, wie viele in Schulen arbeiten. Speziell am Land würden Schulärzte fehlen. "Durch den Hausärztemangel manifestiert sich ein Schulärztemangel", sagt Haubenberger.

Hoffnung sieht der Gemeindebund in der Evaluierung des Mutter-Kind-Passes, die die Regierung anstrebt. Es steht im Raum, dass der Pass bis zur Volljährigkeit erweitert wird. Der Gemeindebund will die Chance nützen und mit einem Zusatz den Schularzt ersetzen. Konkret sollen jährliche Vorsorgeuntersuchungen nach dem Vorbild für Erwachsene inklusive einer Untersuchung des Entwicklungsstands sowie Impfprogramme für Schüler nach der Idee des Gemeindebundes in den Mutter-Kind-Pass inkludiert und die Untersuchung der Schüler bundesweit einheitlich werden.

Das Ende des Schularztes

Damit wäre die Schularztuntersuchung passé und die Untersuchungen würden im niedergelassenen Bereich durch Haus-, Frauen- und Kinderärzte durchgeführt werden. Die Ordinationen seien besser ausgestattet als die "Schularztkammerl" und Eltern wie Kinder würden ihren Hausarzt in der Regel kennen, während sie den Schularzt einmal im Jahr zu Gesicht bekämen, sagt Haubenberger.

Damit die Untersuchungen auch wirklich durchgeführt werden, schlägt der Gemeindebund finanzielle Anreize vor. Beim Mutter-Kind-Pass verlieren Eltern Kindergeld, wenn sie eine Untersuchung verweigern.

Gudrun Weber, Schularztreferentin in der Ärztekammer und selbst mehr als 30 Jahre Schulärztin, will das so nicht stehen lassen. Schulärzte seien schon als Impferinnerung für Eltern wichtig. "In Ländern wie Deutschland, die keine Schulärzte haben, sieht man, wie groß die Impflücken bei den 10- bis 14-Jährigen sind", sagt Weber. "Wenn niemand da ist, erinnert auch niemand. Von selbst wird das nie allen einfallen."

Dass Schulärzte kaum noch impfen, habe laut Weber zwei Gründe: ein Urteil nach einem Impfunfall vor einigen Jahren in Kärnten und dass eine Verordnung aus dem Vorjahr, die Schulärzten die Impfung ermöglichen würde, noch nicht in Kraft getreten ist. Es gebe einen Entwurf des Gesundheitsressorts, seit einem Jahr aber keine Unterschrift, sagt Weber. Passiert dies, werde auch wieder wie gehabt geimpft. Weber wünscht sich bezüglich Haftung aber zusätzlich eine einheitliche Unterstützung wie in Vorarlberg oder Niederösterreich. Dort wurden die Ärzte bei Impfungen vom Land versichert. In Wien sind die Schulärzte von der Stadt Wien angestellt und deshalb abgesichert.