Indes steht der Stadtplanung mit der neuen Flächenwidmungskategorie "Geförderter Wohnbau" erst seit Jahresbeginn ein Instrument zur Verfügung, um auch privaten Grund und Boden "überwiegend" für sozialen Wohnbau vorbehalten zu können. Freilich gab und gibt es auch Kritik an der langfristigen Treffsicherheit des "Wiener Wegs". So wäre eine Verpachtung stadteigenen Baulands mit einem Baurecht für 99 Jahre sozialer als ein Verkauf der Grundstücke an private Wohnbaugesellschaften. Erstens weil der Grundkostenanteil am Wohnungspreis dadurch noch niedriger gehalten werden könnte. Zweitens weil der Boden in öffentlichem Eigentum bliebe, anstatt à la longue auf den freien Grundstücksmarkt zu gelangen.

Viel grundsätzlicherer Natur ist das Problem, dass Wien große, kommunale Liegenschaften, die stets als langfristige Reserveflächen für die Stadterweiterung galten und zeitlich befristet als Kleingartenkolonien verpachtet wurden, seit den 90er Jahren in zigtausend Parzellen zerstückelt und an die Schrebergärtner verkauft. So weichen die einstigen Gartenlauben nicht neuen, kompakt bebauten Quartieren, sondern unzähligen Einfamilienhäusern - an Standorten, die mitunter von der Stadt längst eingeholt wurden und mit der U-Bahn erschlossen sind. Das Rathaus selbst sorgt dadurch einerseits für eine Vergeudung und andererseits für eine krasse Ungleichverteilung von Boden - zwischen einerseits viel zu locker und andererseits oft schon zu dicht bebauten Wohnvierteln, die teils unmittelbar nebeneinander entstehen.

Ebenso zu hinterfragen ist die öffentliche Förderung von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern - nicht nur, weil sie einer wenig hilfsbedürftigen Mittelschicht zugutekommt, sondern vor allem, weil diese Immobilien nach zehn Jahren ohne jede Preisbindung verkauft werden können. Die Subvention verliert damit schon nach kurzer Zeit ihren sozialen Effekt und erhöht lediglich die Gewinnspanne der Verkäufer.

Vom Roten Wien weit entfernt

Auch die jüngste Novellierung der Wiener Flächenwidmung scheint der fortgeschrittenen Kapitalisierung und damit Verteuerung des Grundbedürfnisses Wohnen nicht dauerhaft entgegenzuwirken. So bemängelt die Arbeiterkammer, "dass Wohnungen, die mit der Widmungskategorie ,Geförderter Wohnbau‘ errichtet werden, nach 40 Jahren dem freien Markt überlassen werden" - anstatt für alle Zeiten soziale Zwecke zu erfüllen.

Offenbar versucht die rot-grüne Stadtregierung nach wie vor den Spagat zwischen wohnbaupolitischen Ambitionen zugunsten der breiten Bevölkerung und wirtschaftspolitischen Zugeständnissen zugunsten der einflussreichen Immobilienbranche. Trotz der eingeschränkten Wiederaufnahme des Gemeindebauprogramms zwei Jahrzehnte nach dessen Einstellung in den liberalisierungswütigen 90er Jahren ist das Rathaus heute weit entfernt von den Ansprüchen des Roten Wien der Zwischenkriegszeit - als kommunale Wohnbauten als öffentliche Leistung gesehen wurden, die sich nicht amortisieren muss: In den 20er Jahren kostete die Miete für eine Gemeindewohnung vier bis acht Prozent eines Arbeitermonatslohns, was die Erhaltungskosten der Gebäude deckte, aber keinesfalls auf eine Refinanzierung der Baukosten abzielte - geschweige denn auf eine Rücklagenbildung für neue Wohnbauten.