Darlehen vom freien Kapitalmarkt sind nur mehr unwesentlich teurer, sodass Wohnbauträger auf die öffentliche Förderung verzichten können und sich damit auch die für sie lästigen, weil kostentreibenden Qualitätsanforderungen der Stadt Wien ersparen. Unterm Strich vermögen sie damit in schlechteren Lagen sowie im unteren Ausstattungsbereich problemlos zum geförderten Wohnbau in Konkurrenz zu treten - und dabei noch Gewinn zu erzielen.

Ähnliches ist im Altbaubereich zu beobachten: Ohne die Inanspruchnahme von Sanierungsförderungen entfallen jegliche Mietpreisdeckelungen seitens des Rathauses, sodass Renovierungen gründerzeitlicher Zinshäuser zunehmend mit einem Mieterwechsel einhergehen - oder gar in eine Umwandlung in Wohnungseigentum münden.

War der Wiener Wohnungsneubau bis in die 90er Jahre noch zu 80 Prozent gefördert, so ist er seit 2010 mehrheitlich frei finanziert. Insbesondere seit der Finanzkrise von 2008 sind Wohnungen zu einem begehrten Anlageobjekt geworden - und zwar auf dem globalen Markt: In Deutschland wurden 2017 bereits 51 Prozent der größeren Immobilieninvestitionen, also jener über 10 Millionen Euro, von ausländischen Käufern getätigt, und immer öfter handelt es sich dabei um Wohnbauten.

Auch deshalb, weil Investments in Büros oder auch Fachmarktzentren aufgrund des massiven Überangebots ihren Reiz verloren haben. Ein Trend, der österreichischen Projektentwicklern nur zu gut bekannt ist. Wohnungen dagegen, insbesondere in internationalen Top-Destinationen, stehen kaum einmal leer und werfen langfristig stabile Renditen ab. Teils spekulative Bauten und Bauvorhaben in allen Preisklassen, wie in Wien die Parkapartments am Belvedere, das umstrittene Hochhaus am Heumarkt, die drei Türme von "Triiiple", die Danube Flats oder der Marina Tower, sind untrügliche Zeichen dafür, dass die Immobilienbranche und mehr noch die Finanzwirtschaft auch hierzulande den Wohnbau als neues Betätigungsfeld entdeckt haben. Hat sich der Bautycoon Georg Stumpf noch vor 20 Jahren mit der Millennium City, also einem Büroturm samt Einkaufszentrum unmittelbar an der Donau, eine goldene Nase verdient, steckte er sein Geld jüngst mit Erfolg in das Projekt City Gate, irgendwo im transdanubischen Nirgendwo, das allem voran aus zwei Wohntürmen besteht.

Ein Appell an die Regierung

Nicht zuletzt bedeuten auch die aktuellen bundespolitischen Reformbestrebungen zum Mietrecht zusätzliches Wasser auf die Mühlen der privaten Wohnungswirtschaft. Dass hohe Wohnkosten von manchen Städten in Deutschland bereits als Standortnachteil beklagt werden, hat die schwarz-blaue Regierung, die Österreichs Wirtschaftswachstum als Staatsziel in der Verfassung verankern möchte, offenbar nicht auf ihrem Radar.

Ein ebenso simpler wie wirksamer Ansatz wäre, Österreichs private Pensionskassen, mit einem Anlagevolumen von 22 Milliarden Euro eine der größten Player am heimischen Immobilienmarkt, im Rahmen ihrer gesetzlichen Vorgaben zu verpflichten, deutlich mehr in sozialen Wohnbau zu investieren. Doch dazu, da die Kassen im Vorjahr, und bestimmt nicht zum letzten Mal, ohnehin negativ bilanzierten.