Dies ergäbe eine - äußerst seltene - Win-win-Situation: mehr leistbare Wohnungen heute sowie sicherere Renten in der Zukunft. Die Frage ist nur, ob beides dem Gesetzgeber auch ein echtes Anliegen ist. Immerhin argumentierte die erste schwarz-blaue Regierung 2003 die Liberalisierung des bis dahin rein staatlichen Pensionssystems unumwunden mit dem Ziel der "Förderung der privaten Altersvorsorge und des österreichischen Kapitalmarkts". Wie sehr die "große" Politik mangels Nähe zur Bevölkerung bei gleichzeitig hoher Empathie für die Sorgen der Wirtschaft dazu neigt, ihre Augen vor gesellschaftlichen Problemen zu verschließen, zeigt auch ein Blick nach Deutschland. Dort fehlen heute laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung in den 77 Großstädten rund 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen. Gerade einmal 15 Jahre ist es her, dass im Rahmen des milliardenschweren Bund-Länder-Förderprogramms "Stadtumbau" damals leerstehende Wohnbauten, insbesondere in den Plattenbauvierteln ostdeutscher Städte, mit Steuergeldern abgerissen wurden - nicht zuletzt, um den Wohnungsmarkt zu "bereinigen": Zu viel Leerstand führte mancherorts zu wahren Mieterparadiesen, wo das Preisniveau sank und sich Hausbesitzer geradezu um Bewohner bemühen mussten.

Natürlich kann und muss auch im Bereich Planen und Bauen selbst etwas geschehen, um das Wohnen wieder günstiger zu machen. Von öffentlicher Seite sollten als Erstes die Stellplatzverpflichtungen grundlegend reformiert werden, denn jeder Tiefgaragenplatz schlägt mit mindestens 15.000 Euro zu Buche und wird klarerweise auch auf die Wohnungskosten umgewälzt. Schon jetzt klagen Bauträger bei städtischen Objekten über Leerstand in ihren Garagen, die sie laut Bauordnung errichten müssen. Um wie viel überflüssiger wären die unterirdischen Parkplätze erst, wenn attraktive Alternativen zum privaten Pkw noch stärker forciert werden würden - und wie viel Geld könnte man im Wohnbau dadurch einsparen.

Der Raumplaner Stefan Melzer, Mitbegründer und Geschäftsführer von MO.Point Mobilitätsservices in Wien, nennt eine ganze Palette an zeitgemäßen und vor allem kostengünstigeren Mobilitätsformen, die - in Ergänzung zum öffentlichen Verkehr - bereits bei mehreren Neubauquartieren von Anfang an miteingeplant wurden und nun, zur Zufriedenheit von Bauträgern und Bewohnern, anstelle eigener Autos genutzt werden: "Das Angebot reicht von Car-Sharing-Fahrzeugen in unterschiedlichen Kategorien über gemeinschaftliche Scooter und Elektro-Mopeds bis hin zu E-Bikes oder Lastenrädern, die der Hausgemeinschaft oder einer ganzen Wohnanlage gegen geringes Entgelt zur Verfügung stehen." Dies senkt nicht nur die Wohnkosten, sondern auch die Mobilitätskosten der Haushalte, die laut Melzer im Schnitt 15 Prozent ihres Budgets fürs Auto ausgeben - mehr übrigens als für die Kinder. Und was die privaten Haushalte entlastet, entlastet in diesem Fall auch den Stadtverkehr sowie die Klimabilanz.

Ein anderer Kostentreiber ist die Vielzahl bautechnischer Vorschriften und Normen, die nicht zuletzt auf Betreiben der Baustoffindustrie wie auch der Normungsinstitute unaufhörlich zunimmt - ohne die Qualität des Wohnbaus tatsächlich zu verbessern. "Wir Planer sind Leidtragende dieser Regulierungswut, müssen uns aber auch selbst an die Nase fassen", übt der Architekt Hans-Otto Kraus, bis 2016 Technischer Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG München, Kritik auch am eigenen Berufsstand "Die wenigsten Architekten haben je gelernt, Baukosten zu optimieren. Wichtiger scheint, dass sie sich bloß nie wiederholen und jedes Haus etwas Neues, Einzigartiges darstellt. Das führt nicht eben zu Sparsamkeit und Effizienz. Was aber ist schlecht daran, einen optimierten Entwurf mehrmals zu bauen?"