Maria Lankowitz. Ob es für Pensionisten noch einen Rabatt gebe, fragt die erste Skifahrerin, die pünktlich zu Beginn des Liftbetriebs im Skigebiet Gaberl bereit steht. "Ist eh schon so billig," lacht ihr Neo-Liftbetreiber Thomas Gauss freundlich entgegen.

Zwanzig Euro kassiert Gauss, der oft selbst im Kartenhäuschen sitzt, für eine Drei-Stunden-Karte, 25 Euro für den ganzen Tag. Bis zum vollendeten 14. Lebensjahr fahren Kinder und Jugendliche in Begleitung Erwachsener gratis. Auch die, die nach weiteren Preisnachlässen fragen, geben schnell zu: So günstig wie am Gaberl, zwischen der Ober- und Weststeiermark, fährt man kaum wo Ski. In der größten Skiregion der Steiermark, Planai Schladming, hätten sie etwa das Doppelte bezahlt.

Trotzdem bleibt die Dame nicht die einzige, die an diesem sonnigen Tag nach Ermäßigungen fragt. Anpassungen an die Inflation, die wachsenden Ausgaben für Beschneiung in schneearmen Wintern, und Investitionen in Sessellifte und Gondeln haben das Skifahren in Österreich immer teurer gemacht. "Wenn man heute in einem großen Gebiet als Familie eine Woche fahren will, ich weiss nicht, ob man da mit 5000 Euro überhaupt auskommt," so Gauss. Kaum leistbar, vor allem für junge Familien.

Kurt Lipp präpariert die Pisten. - © Denise Hruby
Kurt Lipp präpariert die Pisten. - © Denise Hruby

Gauss hofft, eine Nische gefunden zu haben: Skifahren zu familienfreundlichen Preisen, auf täglich frisch präparierten Pisten, so vermarktet er das kleine Skigebiet mit zwei Schleppliften heute. Seit drei Generationen sind Familienmitglieder als Skilehrer tätig, Nachwuchsförderung liegt ihnen am Herzen. Die Liebe zum Skifahren allein ist es aber nicht, die Gauss schließlich Liftbetreiber werden ließ.

Eine Familienangelegenheit

"Ohne die Lifte wäre das Gaberl eine Immobilienwüste", erzählt er, und meint damit vor allem die Skischule und das Gaberlhaus, beides von Gauss’ Schwiegervater in den 70ern übernommen, und der Sportgasthof Lipp, den die Familie erbaute, als ganz Österreich noch jeden Winter wie selbstverständlich auf den Brettern stand.

Zwar entwickeln sich die Umsätze der österreichischen Seilbahnen positiv - allein in der vergangenen Saison waren es 1,4 Milliarden Euro - allerdings sind es vor allem die großen, bekannten Skigebiete, die Gewinne erwirtschaften.

Mit den beheizten Gondeln und Apres-Ski-Angeboten der Großen können die sogenannten "Bürgermeister Lifte" nicht mithalten. In den vergangenen Wintern meldeten dutzende Skilifte in ganz Österreich Insolvenz an. In der Steiermark wurden unter anderem die Skibetriebe in Alpl, auf der Mariazeller Bürgeralm und der Hebalm eingestellt. Arbeitsplätze gingen verloren, Urlauber und Tagesgäste blieben aus. Ortsansässige Betriebe, vor allem Gasthäuser, leiden unter der stillgelegten Infrastruktur. Wenn Gauss das drohende Bild der Immobilienwüste zeichnet, weiß er, wovon er spricht. Im Jahr 2015 standen die beiden Lifte am Gaberl still, die Hänge blieben unbefahren. "Damit begann der Ausverkauf des Gaberls," erzählt Gauss. Ferienwohnungsbesitzer versuchten panisch, ihr Eigentum loszuwerden. Ein Jahr später meldete der Betreiber Konkurs an.