Wanderer, Motorradfahrer und Stammgäste hätten fürs Überleben der Gasthöfe nicht gereicht, so Gauss. "Wir haben uns das lang überlegt, aber es gab eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Alles zusperren oder die Lifte kaufen."

Als die Familie bekannt gab, dass sie die beiden Schlepplifte aus der Konkursmasse ersteigern würde, und den Betrieb durch neue Investitionen in ein modernes Skigebiet verwandeln wolle, bewunderten viele den mutigen Schritt. "Aber für uns war das gar kein Mut," so Gauss. "Das war die Flucht nach vorne."

Um die zwanzig Angestellte sind nun nötig, um Gasthöfe und Skibetrieb in Gang zu halten. Zudem hilft die ganze Familie: Gauss verkauft Liftkarten, seine Frau Heide Linde Gauss-Lipp und die gemeinsame Tochter unterrichten die Skikurse und Schwiegervater Kurt Lipp, staatlich geprüfter Skilehrer, hat gelernt, die Pisten zu präparieren.

Folgenreiche 90er Jahre

Kurz nach 16 Uhr, wenn die Schlepplifte die letzen Skifahrer zurück auf den 1551-Meter hohen Gaberlpass gebracht haben, steigt der 75-jährige Lipp in das Pistengerät, das die Familie ein kleines Vermögen gekostet hat, und wälzt den Schnee in feine, ebenmäßige Rillen.

Lipp ist stolz auf die Geschichte des Gaberls. Skifahrer wie Renate Götschl hätten hier trainiert, und wurden zu den besten des Landes - auch ohne künstlich beschneite und präparierte Piste. "Damals sind wir am Abend noch immer zusammengesessen, die Skilehrer und die Gäste. Da war was los," erinnert sich Lipp.

Spätestens in den 90ern änderte sich die ausgelassene Stimmung. Größere Skigebieten bauten moderne Sessellifte. Künstliche Beschneiung wurde zum Standard, um den Betrieb auch in schneearmen Wintern garantieren zu können. Am Gaberl setzte man weiterhin auf Naturschnee, der aber immer öfter auszubleiben schien. Teils mussten ganze Schulskikurse abgesagt werden, und Urlauber, die bereits gebucht hatten, mussten in benachbarte Gebiete wie den Kreischberg oder das Lachtal pendeln.

Als dann doch in einen Speicherteich und Schneekanonen zur künstlichen Beschneiung investiert wurde, war das Image bereits beschädigt. Ob eine frühere Modernisierung der Gaberl-Piste langfristig vor der Pleite gerettet hätte, ist fraglich.

Am benachbarten Reitingerlift in Weisskirchen investierte man seinerzeit zweieinhalb Millionen Schilling in Beschneiungsanlagen; zuletzt kostete die Erzeugung des Kunstschnees bis zu 35.000 Euro pro Winter. Mit Kartenverkäufen für einen Schlepplift lässt sich das kaum erwirtschaften. Als die Betreiber 2015 weitere 100.000 Euro investieren sollten, um nicht gegen neue Auflagen zu verstoßen, sperrte man notgedrungen zu.

Mittlerweile kann sich ein Großteil der kleinen Lifte nur durch massive finanzielle Zuschüsse von Ländern und Gemeinden erhalten, die die Betriebe als Teil der Infrastruktur erkennen. Schließungen könnten eine gefährliche Abwärtsspirale für ganze Regionen bedeuten.