Knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung des Berichts regt sich Unmut: "Es muss sich endlich etwas tun", forderte die stellvertretende Leiterin der Kommission, Karin Schmidlechner, die Stadtregierung aus ÖVP und FPÖ zum Handeln auf. Für den 14. Februar wird eine Debatte im Grazer Gemeinderat erwartet, auch die Opposition kritisiert, dass die Aufarbeitung zu lange dauern würde. Nun hat die Stadtregierung reagiert. ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl merkte zuvor schon an, dass er von der Vielzahl der historisch belasteten Straßennamen "ziemlich überrascht" gewesen sei: "Ich schließe nichts aus, wünsche mir aber eine gemeinsame Vorgehensweise", so der Bürgermeister. Nun sollen in den kommenden zehn Jahren alle personenbezogenen Straßen- und Platznamen Erklärungstafeln erhalten. Weiters soll auf der Internetseite der Stadt Graz eine Informationsseite eingerichtet werden, auf welcher der Hintergrund zu Straßenbenennungen, der vollständige Historikerbericht und eine Kurzfassung zu finden sind.

Diskussionen sind zu erwarten

Zusätzlich werden die Grazer Schulen mit je zehn Stück Straßennamen-Büchern ausgestattet. Umbenennung sind keine vorgesehen, die FPÖ hatte sich als zweite Stadtregierungspartei dezidiert dagegen ausgesprochen. "Wir lehnen die Arroganz der Gegenwart ab, die sich anmaßt, Personen der Vergangenheit aus heutiger Sicht zu beurteilen", so FPÖ-Klubobmann und Gemeinderat Armin Sippel.

Diskussionen sind weiterhin zu erwarten, denn Umbenennungen werden teilweise selbst aus den Reihen der ÖVP gefordert: So hat etwa der Bezirksrat Geidorf mit einer Enthaltung (FPÖ) beschlossen, dass man sich eine "Umbenennung der Max-Mell-Allee in eine Oktavia-Aigner-Rollett-Allee" wünsche. Der aktuelle Namensgeber war ein Lyriker, der von der Reichsschrifttumskammer als "repräsentativster Dichter der Ostmark" bezeichnet wurde und sich für den Anschluss Österreichs an das NS-Regime begeisterte. Oktavia Rollett war hingegen die erste Ärztin am Allgemeinen Krankenhaus in Graz, was dem Wunsch von Historikerin Schmidlechner entsprechen würde, bei etwaigen Neubenennungen vor allem Frauen zu berücksichtigen - diese machen derzeit nur drei Prozent der Grazer Straßennamen aus.

So ist bei der kommenden Gemeinderatssitzung am 14. März mit einer kontroversen Debatte zu rechnen: "Der Umgang mit der Geschichte unserer Stadt darf nicht von der FPÖ diskutiert werden", kritisierte die grüne Stadträtin Judith Schwentner.

In der Diskussion rücken auch weitere Altlasten wieder in den Fokus - etwa der Heimatdichter und Hitlerverehrer Hans Kloepfer, der nach wie vor Ehrenbürger der Stadt Graz ist. Nach Wunsch der Opposition soll ihm dieser Status aberkannt werden.