Wien. Dass das Umweltbundesamt mit rund 500 Mitarbeitern von Wien nach Klosterneuburg übersiedeln wird, sorgte für Kritik seitens der Belegschaft und der Stadt Wien. Gleichzeitig ist es eine von insgesamt nur drei Bundesstellen außerhalb der Hauptstadtgrenzen. Konkret haben laut der Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich (IWS) 66 von 69 ihren Sitz in Wien. Andere Staaten in Europa würden einen völlig anderen Weg gehen, sagte IWS-Geschäftsführer Gottfried Kneifel.

Kneifel plädiert dafür, Bundesstellen in die Länder zu verlagern, um der Landflucht etwas entgegenzusetzen. Den enormen Zuzügen in die Städte stehen ein Bevölkerungsrückgang und eine wirtschaftliche Schwächung der Gemeinden gegenüber.

Die europäische Sicht

Laut einer Studie der IWS und dem Institut für Föderalismus in Innsbruck haben sich eine Reihe europäischer Länder im Gegensatz zu Österreich für Dezentralisierungs-Schritte entschieden.

In Skandinavien gibt es einige Programme, die tausende Behördendienststellen in den ländlichen Raum verlagern soll, um diesen zu stärken. In Finnland wurde dafür eine eigene Organisation eingerichtet, die solche Übersiedlungen fachlich begleitet. In Bayern werden im Zuge einer "Heimatstrategie" seit 2015 rund 50 Behörden in allen Regierungsbezirken verteilt, Hessen verlegt wiederum 500 Dienststellen des Finanzministeriums in ländliche Regionen.

Als "mustergültig" bezeichnet die IWS den Weg der Europäischen Union. Die 45 EU-Agenturen und Spezialbehörden wurden auf 22 Mitgliedsländer und 32 Städte verteilt und würden dank moderner Kommunikationstechnologien funktionieren. "Wenn wir nicht rasch gegensteuern, wird die Zweiteilung Österreichs rasant fortschreiten", so Kneifel.