Arbeiter fällt Fichte nach Borkenkäferbefall. - © apa/dpa/Roland Weihrauch
Arbeiter fällt Fichte nach Borkenkäferbefall. - © apa/dpa/Roland Weihrauch

Wien/Linz. Die Betroffenheit in der Gemeinde im oberen Mühlviertel nahe der tschechischen Grenze war groß. In Vorderweißenbach (Bezirk Urfahr-Umgebung) ist am vergangenen Wochenende ein 64-jähriger Mann bei Forstarbeiten ums Leben gekommen. Grund für den tödlichen Unfall im Wald dürfte, wie erste Ermittlungen der Polizei ergaben, gewesen sein, dass der Mann mit voller Wucht vom Ast eines Baumes getroffen wurde.

Der Mann hatte in der Nähe seines Hauses im Wald gearbeitet und war nicht zum Mittagessen gekommen. Als seine Ehefrau ihn suchte, fand sie den 64-Jährigen leblos unter einem Baum. Einsatzkräfte konnten nur mehr den Tod des Mannes, der von einem großen Ast auf dem Brustkorb verletzt wurde, feststellen.

Dieser tragische Vorfall in Vorderweißenbach war in den vergangenen Wochen kein Einzelfall. Er ist sogar irgendwie symptomatisch. Denn in vielen Fällen sind es ältere Menschen, meist Bauern in Pension, die bei Unfällen in Österreichs Wäldern zu Schaden kommen. Es gebe sehr viele Unfälle, bei denen Landwirte, die schon in Pension sind, verwickelt sind, analysiert Günther Pfeiffer, Sicherheitsberater bei der Sozialversicherungsanstalt der Bauern im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Die gehen mit 65, 70 genauso in den Wald", erläutert der Experte, dessen Hauptaufgabe es ist, durch den Hinweis auf Sicherheitsmaßnahmen Unfälle in der Land- und Forstwirtschaft zu vermeiden.

Unfallversicherung registrierte 24 tödliche Unfälle im Vorjahr

Den Überblick über die Daten hat Beate Mayer von der Statistikabteilung der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Zwar fehlt ausgewertetes Datenmaterial für die ersten drei Monate des heurigen Jahres. Aber im Vorjahr wurden in der Land- und Forstwirtschaft, also nicht nur bei Waldarbeiten, insgesamt 24 tödliche Unfälle verzeichnet. Das war ein deutlicher Anstieg gegenüber 2017, wie Mayer aufzeigt. Im Jahr 2016 hatten 18 derartige Unfälle tödlich geendet, 2015 wurden 25 Todesfälle verzeichnet, 2011 waren es sogar 29 gewesen.

Grundsätzlich häufen sich die - tödlichen - Forstunfälle im Winter und im Frühjahr. In dieser Zeit ist die Hauptsaison für die private Waldarbeit. Gerade im Winter und auch in der Übergangszeit zum Frühjahr tragen schlechtes Wetter und ein manchmal vereister oder rutschiger Untergrund zu erhöhtem Risiko bei Waldarbeiten bei, wie auch Mayer der "Wiener Zeitung" erläutert. Dazu kommt, dass auch das Holz an solchen Tagen nass ist und damit leichter ins Rutschen kommt.

Sicherheitsmann Pfeiffer führt noch einen weiteren Umstand ins Treffen. Vielfach musste und muss von den Bauern und von Waldarbeitern Schadholz beseitigt werden. Das reicht von Bäumen, die aufgrund der Schneelast im Winter geknickt wurden oder vom Wind umgeworfen wurden, bis zu den Folgen des Eschensterbens. In all diesen Fällen müssen betroffene Bäume rasch aus den jeweiligen Waldstücken gebracht werden. Bei den Eschen besteht beispielsweise Gefahr für Wanderer und Spaziergänger. Wenn es sich um einzelne Bäume oder ganze Flächen handelt, bei denen es Schäden durch Schnee- oder Windbruch gibt, ist die Aufarbeitung ebenfalls möglichst rasch nötig. Denn sonst sind genau diese Bäume der ideale Platz, damit sie von Borkenkäfern befallen werden. Wegen des Schädlings, der 2018 etwa im Waldviertel regelrecht gewütet hat, mussten größere Flächen abgeholzt werden.