Wien. Auf den ersten Blick sehen einander die beiden Gemeinden Semriach und Litschau nicht gerade unähnlich. Möglich, dass die Semriacher und Litschauer diesem Befund heftig widersprechen werden, gemeint ist aber: Es sind beides ländliche Gemeinden vergleichbarer Größe, im Dorfzentrum steht eine aus dem Mittelalter stammende Kirche, von ihr gehen sternförmig ein paar mit Häuserzeilen versehene Straßen weg. Und rundherum: Felder und Waldstreifen. So sieht in Österreich der ländliche Raum aus.

Doch es gibt einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen diesen beiden Gemeinden, der für ihre Entwicklung eine bedeutende Rolle spielt. Setzt man sich in Semriach ins Auto und fährt eine halbe Stunde Richtung Süden, befindet man sich mitten in der Grazer Altstadt. Fährt man hingegen eine halbe Stunde von Litschau mit dem Auto, gelangt man nicht viel weiter als bis Groß-Siegharts.

Die Folge dieser geografischen Ungleichheit lässt sich an der Bevölkerungsentwicklung ablesen. Bei der Volkszählung 1991 hatte Litschau mit 2923 Einwohnern noch leicht die Nase vorn. In Semriach waren damals 2876 Personen hauptgemeldet. Das hat sich seither ziemlich dramatisch verändert. Litschau ist auf 2254 Einwohner geschrumpft, Semriach auf 3305 Einwohner gewachsen.

Die Statistik Austria hat in ihrer vorletzten Publikation im Februar eine neue Typisierung vorgenommen, um den bisher sehr weit gefassten Begriff des "ländlichen Raums" differenzierter betrachten zu können. Normal werden für derartige Statistiken administrative Einheiten betrachtet, also beispielsweise Bezirke oder Gemeinden. Womit es dann aber keinen Unterschied zwischen Litschau und Semriach gibt, die ja - zumindest bis vor nicht allzu langer Zeit noch - ähnlich groß waren.

Fünf funktionale Kategorien

Vor einigen Jahren fügte die Statistik Austria ein funktionales Merkmal hinzu: die Stadtregion. In diese fällt als Umlandgemeinde von Graz auch Semriach. Sie war somit nicht mehr klassischer ländlicher Raum. Wirklich zufriedenstellend war diese Typisierung aber nicht, weshalb nun eine weitere Differenzierung vorgenommen wurde. Elf Ausprägungen wurden beschrieben, diese dann zwecks besserer Übersicht in fünf Kategorien zusammengefasst. Wobei nicht nur die Entfernung zur nächsten Großstadt eine Rolle spielt, sondern auch die Bevölkerungsdichte.

Urbane Großzentren: Das sind die Kernzonen der größten Stadtregionen, also alle Landeshauptstädte und die unmittelbare Umgebung mit Ausnahme von Eisenstadt und St. Pölten.

Urbane Mittel-/Kleinzentren: Dieser Kategorie entsprechen 115 Gemeinden, darunter viele Bezirkshauptstädte wie Amstetten, Lienz, Villach oder Braunau.