Natters. Diesen Anruf in der zweiten Märzwoche wird Karl-Heinz Prinz nicht so schnell vergessen. Es ist Montagvormittag, etwa 10 Uhr. Am anderen Ende der Leitung: der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP). Die Information: Das Landeskrankenhaus in Natters werde zugesperrt.

"Es hat immer wieder Gespräch gegeben, dass eingespart wird. Aber diese Nachricht kam sehr plötzlich. Das war ein Schnellschuss für mich", sagt Prinz wenige Wochen später. Prinz ist Bürgermeister der Gemeinde Natters im Bezirk Innsbruck-Land. Etwas mehr als 2000 Menschen zählt die Ortschaft. Das Landeskrankenhaus hat eine besondere Bedeutung. Oder wie es Prinz ausdrückt: "Eigentlich sind wir ein kleines Dörfle, aber dank des Landeskrankenhauses kennt man uns."

Ein Dörfle, das trifft es gut. Einmal am Bergisel vorbei, ein paar Höhenmeter zurücklegen, schon ist man in Natters, einer Ortschaft, die in etwa aussieht, wie man sich eine kleine Tiroler Siedlung vorstellt: viele Berge, viel Ruhe, viele Wiesen und noch mehr Idylle. Das Büro des Bürgermeisters liegt mitten im Ortszentrum, das mehr eine Aneinanderreihung alter Höfe und Neubauten ist. Dass sich hier überhaupt einmal ein Krankenhaus niederließ, geht zurück auf das Ende des Zweiten Weltkrieges. Damals und direkt danach stieg die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen in Tirol enorm an. Also errichtete die Tiroler Landesregierung 1946 in Natters eine Lungenheilstätte. An jenem Ort, an dem schon Mitte des 19. Jahrhunderts ein Luftkurort entstanden war.

250 Beschäftigte, 164 Betten

"Es war kein Zufall, dass es da oben passiert ist", erklärt Prinz und zeigt vom Tisch seines kleinen Bürgermeisterbüros nach hinten in Richtung der Einrichtung. "Es liegt auf einem Hügel, links und rechts ein Tal. Dass ergibt für Lungenkranke zur Erholung natürlich Sinn, weil die Luft oben gut ist." Das Dorf Natters, es hat sich durch den Arbeitgeber LKH maßgeblich entwickelt. "Ärzte haben sich hier angesiedelt, Personal hat sich angesiedelt", weiß Prinz. Etwa 250 Personen sind aktuell im LKH Natters beschäftigt. Patienten aus ganz Österreich werden von ihnen betreut.

Noch thront das LKH über dieser kleinen Erhebung über Natters, aber weiter über ihm steht ein großes Fragezeichen. Und die Frage: Wie geht es weiter? Grundsätzlich liegen den Überlegungen der Standortschließung wirtschaftliche Einsparungen zugrunde. Der Träger Tirolkliniken machte im Jahr 2017 ein Minus von etwa 75,5 Millionen Euro. Mit der Schließung von Natters sollen fünf Millionen eingespart werden. 164 Betten hat das Spital mit Abteilungen für Lungenheilkunde und Innere Medizin.