Hinter den Umstrukturierungen verbirgt sich der sogenannte "Regionale Strukturplan Gesundheit", der in ganz Österreich umgesetzt werden soll. Teil davon ist die Tendenz in den der Krankenhausträger, kleine Standorte zu schließen und in größeren aufgehen zu lassen. Vergangenen Sonntag wurde etwa in der Obersteiermark über ein geplantes Leitspital im Bezirk Liezen abgestimmt - in einer von FPÖ und KPÖ auf Landesebene eingeleiteten bezirksweiten Volksbefragung. 42,2 Prozent der Wahlberechtigten nahmen teil, die große Mehrheit, nämlich 67,3 Prozent, sprach sich gegen das neue Spital aus, das die Standorte in Bad Aussee, Rottenmann und Schladming bis zum Jahr 2025 ersetzen soll. Die Befragung ist nicht bindend, die ÖVP-SPÖ-Koalition der Steiermark hat bereits angekündigt, an ihren Plänen festzuhalten.

"Zu früh als fix verkauft"

Was mit dem LKH Natters in Tirol geschieht, weiß scheinbar nur der Bürgermeister ganz genau. Die Entscheidungsträger geben sich bedeckt. "Es ist noch nicht fix", sagt Johannes Schwamberger, Sprecher der Tirolkliniken. Es handle sich lediglich um eine Diskussionsgrundlage, die das Gesundheitsberatungsunternehmen EPIG für das Land Tirol erstellt habe. "Es ist vielleicht zu früh als fix verkauft worden, aber wahrscheinlich ist die Schließung die bessere Schlagzeile."

Ähnlich klingen die Statements aus dem Büro des Gesundheitslandesrats Bernhard Tilg. Auch dort spricht man von einem Prozess und Gesprächen, die noch im Laufen sind. Außerdem sagt Tilgs Büroleiter Alexander Maier: "Ich weiß nicht, woher das Wort Schließung überhaupt stammt. Wenn, dann handelt es sich um eine Verlagerung der Leistung."

Konkret sieht der Plan - oder die Diskussionsgrundlage - vor, dass die im Standort Natters angebotenen Leistungen künftig in Kompetenzzentren anderer Standorten gebündelt werden. So soll die Natterer Lungenheilkunde nach Innsbruck, die ebenfalls derzeit am Standort Natters ansässige Innere Medizin soll nach Hall übersiedeln.

Sollte es sich wirklich noch um laufende Diskussionen und keine fixen Pläne handeln, muss die Kommunikationsstrategie des Landes und der Betreibergesellschaft hinterfragt werden. All diese konkreten Strategien wurden schließlich am Tag nach dem Anruf des Gesundheitslandesrates beim Natterer Bürgermeister Karl-Heinz Prinz per Aussendung verlautbart. Der Schluss liegt nahe, dass hier von Seite der Politik und des Krankenhausträgers auf Zeit gespielt wird, obwohl der Ausgang der Operation LKH Natters eigentlich schon feststeht. "Wir wissen nicht, was mit dem Gebäude passieren würde, wenn es kein LKH mehr ist", sagt Bürgermeister Prinz. "Aber wenn die Liegenschaft anders bewertet wird, haben wir ein Wort mitzureden, weil eine Sonderwidmung auf dem Grundstück ist. Wir haben noch einen Hebel in der Hand." Den ersten Bauträger, die sich nach Bekanntwerden der Schließungspläne meldeten, erteilte er bereits eine Absage. In erster Linie sei ihm der Erhalt der Arbeitsplätze wichtig. Selbst eine Weiterbeschäftigungsgarantie für die Angestellten hat die Tirolklinken bereits per Aussendung kommuniziert.

"Ich werde bis zum Schluss kämpfen", ist Bürgermeister Karl-Heinz Prinz willens, sein Krankenhaus im Ort zu retten. "Dreieinhalb bis vier Jahre müssen wir uns keine Sorgen machen, die Information habe ich", sagt er.

Irgendwann wird er dann wohl wieder ein Anruf bekommen und erfahren, wofür man sein kleines Dörfle in Zukunft kennen wird. Ein Krankenhaus wird es wahrscheinlich nicht mehr sein.