Parndorf. Parndorf ist das Mekka der Schnäppchenjäger in Zentraleuropa. Ganze Bus-Pauschalreisen werden mittlerweile ins dortige Outletcenter organisiert, ein Viertel der Besucher kommt sogar von außerhalb der EU. Allein im Vorjahr kamen über sechs Millionen Menschen ins Outletcenter, um vergünstigte Markenschuhe, -mäntel, -taschen zu kaufen. Auf den Etiketten steht oft "Made in China". Jetzt hat die 4600 Menschen zählende Gemeinde und mit ihr der gesamte Bezirk Neusiedl am See aber Angst vor noch mehr "Made in China".

"Wir wollen kein Riesen-Verladeterminal in Parndorf haben", sagt Bürgermeister Wolfgang Kovacs von der Liste Parndorf. "Wir sagen alle zusammen, und zwar fraktionsübergreifend, dass wir keine weitere Belastung in der Region haben wollen", sagt auch Neusiedls Vizebürgermeister Thomas Halbritter (ÖVP). Konkret geht es um den Ausbau der russischen Breitspurbahn und der damit einhergehenden Anbindung an das Mega-Projekt "Neue Seidenstraße".

Nach der Teilnahme von Bundeskanzler Sebastian Kurz am Seidenstraßen-Forum in Peking vor zwei Wochen ist das Thema wieder auf dem Tapet, und in der Region regt sich Widerstand. Noch unbestätigten Informationen zufolge könnte eine fünf Kilometer lange und 300 Meter breite Schneise als Verlade- und Umladeterminal in Parndorf im Bezirk Neusiedl am See entstehen.

Die ÖVP-Neusiedl sprach sich zuletzt wieder gegen einen Terminal-Ausbau in Parndorf aus. Auch die SPÖ-Bürgermeister aus der Region machen gegen einen möglichen Ausbau mobil. Rückendeckung für die Proteste gibt es auch von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Ausbaupläne noch offen

Eigentlich war Parndorf nach Protesten im Vorjahr aus dem Rennen für den Trassenausbau von der Slowakei nach Österreich. Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) soll mit ÖBB-Vorstand Andreas Matthä vereinbart haben, sich bei der Planung auf Niederösterreich zu fokussieren. Dem Parndorfer Bürgermeister Kovacs sei erklärt worden, dass die Gemeinde damit aus dem Rennen sei, erzählt er der "Wiener Zeitung". Warum also nun die ganze Aufregung - schon wieder?

"Wir können das nicht so recht glauben", sagt Kovacs. Grund für das Misstrauen ist eine Machbarkeitsuntersuchung der ÖBB. Und in dieser ist Parndorf eben doch nicht von den Ausbauplänen ausgeschlossen. Im Verkehrsministerium verweist man auf Nachfrage auf die Breitspurbahn GmbH und dort wiederum auf die für das Projekt zuständige ÖBB. "Wir sind gerade in Untersuchungen, welche Möglichkeiten es für den Schienenausbau gibt", sagt ein ÖBB-Sprecher auf Nachfrage. "Wir können zurzeit noch keinen einzigen Standort bestätigen. Es gibt noch keinerlei Entscheidungen, wo eine Verladestation hinkommen könnte."