Parndorf liegt geografisch und ob seiner Anbindung an die Ostautobahn sehr günstig, was die Schienenverlängerung aus dem slowakischen Kosice betrifft. Auch deshalb befürchtet man in der Region, dass man sich für diesen Standort entscheiden könnte -und die damit einhergehenden Nachteile. "Allein der Baugrundbedarf für diese Projekt ist unglaublich groß", sagt Kovacs. Schon jetzt würden sich Logistikfirmen nach Grundstücken in der Region umsehen. Hinzu kämen eine Einschränkung der Lebensqualität und eine zusätzliche Feinstaubbelastung, die durch das Verladen von der Schiene auf Lkws entstünde. "Die Ostautobahn ist jetzt schon deutlich überlastet", meint dazu Halbritter. Auch der Bau einer dritten Autobahnspur könne den zusätzlichen Frachtverkehr nicht abfangen, so Kovacs.

Der Bezirk Neusiedl am See hat sich in den vergangenen Jahren als Genuss- und Tourismusregion positioniert: Weinberge, Vogelnistplätze, Naturschutzgebiete, Surfer und Segler. Da wird ein riesiges Verlade- und Umladeterminal samt umliegender Logistikinfrastruktur nicht sehr gern gesehen. Die Gemeinden fürchten Tourismuseinbrüche.

Prestigeprojekt für Wien

Thomas Fessl von der Abteilung Innovation und Digitalisierung in der Wirtschaftskammer (WKO) warnt davor, den Ausbau der Breitspurbahn und die neue Seidenstraße in einen Topf zu werfen. Der Ausbau der Strecke Kosice-Wien ist ein Gemeinschaftsprojekt von Russland, der Ukraine, der Slowakei und Österreich, mit dem Ziel einer besseren Schienenanbindung und mehr Güteraustausch. Sie ist aber auch im Zusammenhang mit der neuen Seidenstraße interessant. Ein sehr gewünschter Nebeneffekt dieses Schienenausbaus wäre nämlich die Anbindung an eine der Hauptrouten der Seidenstraße.

Fessl verweist auf den wirtschaftlichen Aspekt eines solchen Umschlagplatzes in Österreich. "Es ist ein hoch interessantes Projekt und natürlich zu begrüßen, wenn so ein Terminal in Österreich entsteht und die Wertschöpfung hier bleibt", sagt er. Auch Budapest habe als alternativer Standort Interesse bekundet. Die errechnete Wertschöpfung für Österreich, hauptsächlich für den Großraum Wien, soll über zwölf Milliarden Euro betragen.

Das Gütervolumen könnte bis 2050 von gut fünf auf über 21 Millionen Tonnen jährlich steigen. Der Ausbau des österreichischen Streckenteils samt Terminal kostet rund 1,3 Milliarden Euro, wobei sich der Bund an den Kosten für das Terminal beteiligt. Und: Ein Verladeterminal für Güter aus Osteuropa und Asien bringt Arbeitsplätze. Dabei handle es sich aber großteils um einfache, weniger gut bezahlte Tätigkeiten im Logistikbereich, argumentieren Halbritter und Kovacs. Ein Großteil der Wertschöpfung bleibe nicht in der Region.

Derzeit importiert Österreich mit 9,1 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel, wie es nach China exportiert. Ob die Anbindung an die Seidenstraße diese Handelsbilanz zugunsten Österreichs verändern wird, ist noch fraglich. Denn derzeit fahren die meisten Frachtcontainer aus der EU wieder leer nach China zurück.