Auch Österreich kennt solche "Überzeugungstäter", wenn auch bisher nur in kleineren Kommunen: etwa Ulrike Böker, die inzwischen in den oberösterreichischen Landtag gewechselte Ex-Bürgermeisterin von Ottensheim, oder Josef Mathis, den mittlerweile pensionierten Langzeitbürgermeister der Vorarlberger Gemeinde Zwischenwasser. Mathis hat in 33 Jahren Amtszeit aus seiner 3200-Einwohner-Gemeinde ein internationales Vorzeigebeispiel für nachhaltige Ortsentwicklung gemacht. Zwischenwasser war eine der ersten ländlichen Kommunen mit einem Car-Sharing-Angebot, setzte früh auf Solarenergie und leistete sich vor vielen anderen Gemeinden einen unabhängigen Fachbeirat für Architektur und Gemeindeentwicklung - sowie für seine bauwilligen Bewohner und Unternehmer eine qualifizierte Bau- und Sanierungsberatung.

Grüne Umwidmung

In Raumplanungskreisen erlangte der Bürgermeister österreichweite Bekanntheit, als er über 20 Hektar ortsfernen Baulands und Bauerwartungslands entschädigungsfrei in Grünland rückwidmen ließ und dies erfolgreich bis vor dem Verfassungsgerichtshof verteidigte. Daneben engagierte er sich für die Einführung des "Landbusses" als heute attraktiven öffentlichen Verkehr in der Region sowie für effizientere interkommunale und urbanistisch anspruchsvollere Gewerbeansiedlungen im Großraum Feldkirch. Nach wie vor macht Mathis ehrenamtlich politisches und gesellschaftliches Lobbying für eine "gemeinwohlorientierte und enkeltaugliche" Entwicklung von Vorarlbergs Gemeinden.

Doch reicht das Engagement einzelner Lokalpolitiker nicht aus, um die gemeindeübergreifenden Probleme unserer Siedlungs- und Verkehrsentwicklung und damit auch unserer Umwelt zu lösen, solange zahlreiche Gesetze und Verordnungen, Steuern, Abgaben und Förderungen, der Finanzausgleich oder auch große Infrastrukturinvestitionsentscheidungen der Bundes- und Landespolitik in die entgegengesetzte Richtung wirken - oder zumindest jegliche Unterstützung versagen.

Handeln statt reden

Freilich nehmen immer mehr Bürgermeister dieselben Defizite in der übergeordneten Politik wahr, sodass es hoch an der Zeit scheint, dass die Kommunen, die allesamt im Städtebund und Gemeindebund organisiert sind, sich deutlich stärker als bisher solidarisieren, um ihren Interessen, die auch gesamtstaatliche Interessen sein müssten, gemeinsam gegenüber Bund und Ländern Nachdruck zu verleihen. Papiere gibt es hierfür längst genug - etwa ein Konzept des Städtebunds zur Stärkung der Orts- und Stadtzentren. Was hierzulande noch weitgehend fehlt, ist das, was Best-Practice-Verantwortliche weltweit auszeichnet: nämlich zu handeln, statt zu reden, und das im Sinne des Gemeinwohls.