Wien. Seit 2012 veröffentlicht das österreichische Gemeindemagazin "Public" gemeinsam mit dem KDZ-Zentrum für Verwaltungsforschung jährlich das Bonitätsranking der Top-250-Gemeinden. Als Erstplatzierte unter den insgesamt 2095 Kommunen Österreichs geht heuer das oberösterreichische Pfaffing in dem etwa 1470 Einwohner leben, hervor. Dicht dahinter befindet sich der Tiroler Ort Stanzach sowie Sattledt in Oberösterreich. Aus Kärnten schafften es mit Feistritz ob Bleiburg und Bad Kleinkirchheim nur zwei und damit die wenigsten Gemeinden auf die Liste.

Wichtig bei der Interpretation der Reihung ist, dass sich diese nicht an der Finanzstärke einer Gemeinde orientiert, sondern tatsächlich an der Bonität, heißt es aus dem KDZ. Sonst wären größere Gemeinden in der Rangliste weiter vorne und Pfaffing sicherlich nicht erstplatziert.

Berechnet wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Kommune anhand eines "Quicktests", der auf der KDZ-Finanzdatenbank "offenerhaushalt.at" einsehbar ist. Die Zahlen dafür stammen laut KDZ von der Statistik Austria und beziehen sich immer auf drei Jahre. In der Rangliste wurde der Zeitraum 2015 bis 2017 berücksichtigt. Benotet wird nach dem Schulnotensystem 1 bis 5.

Der Fokus bei der Bonitätseinschätzung liegt auf Faktoren wie der Wirtschaftskraft der Gemeinde, der Eigenfinanzierungskraft, der Verschuldung und der finanziellen Leistungsfähigkeit, also wie viele Mittel abzüglich fortdauernder Verpflichtungen für Investitionen übrig bleiben.

Ebenfalls miteinbezogen wird auch die demografische Entwicklung, da die Gemeinden je nach Bundesland unterschiedlich hohe Transferleistungen zahlen. So stemmen Gemeinden in Oberösterreich 611 Euro je Einwohner an Krankenanstalten-, Landes- und Sozialhilfeumlagen, während burgenländische "nur" 296 Euro je Einwohner dazu beitragen.

Mehr Kleine als Große

Auffällig ist an der Auflistung, dass deutlich mehr kleine Gemeinden besser platziert sind als große. Das heißt laut KDZ aber nicht, dass die kleineren Gemeinden automatisch eine bessere Bonität haben. Dieser statistische Effekt ergebe sich dadurch, dass es in Österreich mehr kleine als große Gemeinden gebe und daher auch mehr kleine als große in der Rangliste vertreten seien.

Logisch ist daher auch, dass Niederösterreich mit 573 und Oberösterreich mit 438 Gemeinden deutlich stärker vertreten sind als Bundesländer mit weniger Ortschaften wie Kärnten (132) oder Vorarlberg (96).

Anhand der Daten ergaben sich aber auch Bonitätsunterschiede anhand der Größe einer Gemeinde. Die besten Werte haben eher Kommunen zwischen 2501 und 5000 Einwohnern. Schlechtere Noten weisen jene unter 1000 oder mit mehr als 10.000 Einwohnern auf. Das habe laut KDZ damit zu tun, dass besonders kleine Gemeinden eher finanzschwach seien, aber aufgrund struktureller Probleme pro Einwohner viel Geld ausgeben. Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern seien zwar finanzstärker, müssten jedoch hohe Transferlasten an die Bundesländer, beispielsweise für die Krankenanstalten, zahlen.

Die besten Bonitätswerte verzeichneten Gemeinden in Salzburg und im Burgenland. Das lasse sich unter anderem auf die Finanzstärke Salzburgs samt höherem Steueraufkommen zurückführen. Burgenlands Gemeinden, tendenziell finanzschwächer, profitieren beispielsweise von den niedrigeren Transferzahlungen an das Bundesland.