Während die Klimapolitik auf nationaler Ebene meist ein Thema unter vielen ist, spielt sie sich in den Städten vor der eigenen Haustür ab. Die meisten bekennen sich weiterhin zu den Klimazielen von Paris. Die Bürgermeister von London, Paris, Los Angeles, Kopenhagen, Barcelona, Mexiko-Stadt und Mailand haben sich dazu verpflichtet, ab 2025 nur noch Elektrobusse zu kaufen. Bis 2030 wollen sie weitgehend emissionsfrei sein.

Vor allem die Städte des europäischen Nordens haben vorgemacht, wie man Energiewende mit einer steigenden urbanen Lebensqualität koppelt. Die Bürger unterstützen den Wandel, wenn sie sich von Anfang an beteiligen können. So haben Kopenhagen und Amsterdam den Autoverkehr in den vergangenen Jahren weitgehend reduziert - im Einvernehmen mit den Bewohnern und zu deren weitgehender Freude.

In Österreich hat die Wirtschaftskammer die Initiative "Zero Emission Cities" gegründet. Wien ist seit Jahren beim Thema Lebensqualität global führend und gilt vor allem bei Wohnen und Mobilität als Vorbild für die Metropolen von morgen.

In Deutschland versprach Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Erst Monate später bekannte sich die Bundesregierung dazu. Die Klimawende entscheidet sich weniger national-zentral als vielmehr lokal-dezentral in den Großstädten und Ballungsgebieten.

Die Städte müssen grüner werden. Trends wie "Urban Farming" weisen den Weg: Die Landwirtschaft wird zunehmend zur Stadtwirtschaft. Die erforderliche Fläche zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung steht in den urbanen Räumen zur Verfügung. Die Städte werden in den nächsten Jahren grüner werden müssen, wenn dramatische Folgen ausbleiben sollen. Dazu gehören nachhaltiges Bauen, mehr Grünflächen und Wälder sowie urbane Food-Märkte. Mehr Landwirtschaft in den Städten sorgt für ein besseres städtisches Klima, mehr Artenvielfalt und nachhaltige Stadtentwicklung.

Wenn Bürgermeister
die Welt regieren

Eine "Revolution von oben", wie sie der Club of Rome fordert, braucht es zur Lösung der Klimafrage nicht. Die Antwort auf den Klimawandel ist nicht der Klimanotstand, sondern die Klimademokratie. Der Stadtrat von Zürich hat sich jüngst dazu entschieden, auf ein symbolisches Ausrufen des Klimanotstands zu verzichten und stattdessen bei der Abwägung von Interessen dem Klima eine Priorität einzuräumen. Zudem soll das Tempo bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen erhöht werden. Zürich setzt dabei auf eine breite Beteiligung der Bürger. Nationale Politik wird dadurch nicht überflüssig.

Es braucht Anreize, damit sich das Engagement der Städte und ihrer Bürger und Unternehmen auch auszahlt. Für den notwendigen Wettbewerb der besten Ideen und das gegenseitige Experimentieren und voneinander Lernen und die Entfesselung der kollektiven Intelligenz könnten Städte-Olympiaden sorgen. Ein Ansatz dafür ist zum Beispiel der soeben gestartete "Climate City Cup".